Zehn Millionen Dollar Belohnung - und keiner, der sie sich abholt

Aus dem Bostoner Gardner Museum hatten 1990 mehrere Täter 13 Meisterwerke gestohlen

Es bleibt nicht mehr viel Zeit, um die zehn Millionen Dollar (8,4 Millionen Euro) Belohnung für die Wiederbeschaffung einiger unschätzbar wertvoller Gemälde aus einem Museum in der US-Ostküstenmetropole Boston einzustreichen. Denn die Offerte, die das Bostoner Gardner Museum nach einem dreisten Diebstahl im Jahr 1990 gemacht hatte, läuft zum Jahresende aus. Mehrere Täter hatten die Meisterwerke am 18. März 1990 aus dem Museum gestohlen.

Die als Polizisten verkleideten Täter ließen sich das Isabella Stewart Gardner Museum nachts von zwei Wachmännern aufschließen und nahmen unter anderem drei Bilder von Rembrandt, eines von Jan Vermeer, einen Manet und fünf Zeichnungen und Aquarelle von Edgar Degas mit.

Schnell wurde eine Belohnung in Höhe von einer Million Dollar für den entscheidenden Hinweis auf den Verbleib der Bilder ausgesetzt. 1997 wurde die Belohnung auf fünf Millionen Dollar erhöht, auch dieses Mal ohne Erfolg.

2013 verkündete die US-Bundespolizei FBI schließlich, dass sie die Einbrecher identifiziert habe. Die Mitglieder einer kriminellen Bande im Nordosten der USA konnten aber nicht belangt werden, weil die Tat bereits verjährt war und die Täter offenbar nicht mehr im Besitz der Bilder waren.

Das Gardner Museum erhöhte die Belohnung schließlich auf zehn Millionen Dollar und begrenzte diese Zusage auf Ende 2017. Nach Angaben des Museums handelt es sich um die höchste Belohnung, die jemals von einem privaten Akteur ausgesetzt wurde. In dem Museum hängen bis heute die leeren Rahmen der gestohlenen Bilder, um dem letzten Willen von Museumsgründerin Isabelle Stewart Gardner zu entsprechen, den Zustand des Museums nicht zu verändern.

Für den Sicherheitschef des Museums, Anthony Amore, ist das bevorstehende Auslaufen der Belohnung kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. "Was soll das heißen: 'durchatmen'?", sagte Amore im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. "Ich kenne dieses Wort nicht. Wir müssen diese Bilder finden."

Überdies habe das baldige Auslaufen der Belohnung dem Anliegen noch einmal große Aufmerksamkeit verschafft, sagte Amore. "Wir haben viele Anrufe und E-Mails bekommen." Einige davon seien "sehr wertvoll" gewesen. Das FBI stellte Tippgebern derweil sogar Straffreiheit in Aussicht, sollten sie am Verschwinden der Bilder beteiligt gewesen sein. Es gehe jetzt nicht mehr um die Strafverfolgung, sagte Amore. "Alles konzentriert sich auf die Wiederbeschaffung" der Bilder.