Zehn Jahre Haft für mutmaßlichen russischen Soldaten in der Ukraine

Ein Gericht in der Ostukraine hat einen 22-jährigen Russen wegen Beteiligung an dortigen Kampfhandlungen zu zehn Jahren Haft verurteilt. Wie der Anwalt des 22-jährigen Viktor Agejew am Freitag mitteilte, wurde sein Mandant am Donnerstag für schuldig befunden, als Soldat der russischen Armee gegen ukrainische Truppen in der selbstproklamierten Unabhängigkeitsrepublik Luhansk gekämpft zu haben. Er habe somit einer "terroristischen Organisation" angehört.

Die ukrainische Justiz sieht die beiden selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk als "terroristische Organisationen" an, wie der Anwalt Viktor Tschewgus der Nachrichtenagentur AFP sagte. Er kündigte an, dass er das Urteil anfechten werde.

Die ukrainische Armee hatte Agejew im Juni vergangenen Jahres in der ostukrainischen Region Luhansk gefangengenommen. Kurz nach seiner Festnahme hatte Agejew gegenüber westlichen Medien angegeben, die russische Armee habe ihn zu einem "Einsatz" auf ukrainischem Territorium entsandt. Er gehörte demnach einer im Gebiet von Rostow an der Grenze zur Ukraine stationierten Einheit an und hatte im März 2017 einen Vertrag mit dem russischen Militär geschlossen.

Das russische Verteidigungsministerium bestritt seinerzeit diese Angaben und erklärte, Agejew sei im Mai 2016 aus der Armee ausgeschieden. Während seines Prozesses auf der ukrainischen Seite der Frontlinie widerrief Agejew seine früheren Einlassungen. Tschewgus sagte, sein Mandant sei "kein russischer Soldat". Er sei bloß ein russischer Staatsbürger, der "aus eigener Initiative, als Freiwilliger" gekommen sei.

Agejew habe zugegeben, die Grenze illegal überquert zu haben. Er habe sich der Polizei der Volksrepublik Luhansk angeschlossen. Doch er habe "nie an Kämpfen teilgenommen, auf niemanden geschossen".

Im Osten der Ukraine herrscht seit April 2014 ein blutiger Konflikt zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Rebellen. Dabei wurden bislang mehr als 10.000 Menschen getötet. Die ukrainische Regierung, die EU und die USA werfen Russland vor, die Rebellen militärisch zu unterstützen. Moskau weist die Vorwürfe zurück. Das Minsker Abkommen vom Februar 2015 sollte den Konflikt befrieden, doch wird immer wieder gegen dessen Auflagen verstoßen.