Zaras neue “Geheimwaffe”: Das ist Marta Ortega, die Tochter des Inditex-Gründers, die bald den erfolgreichsten Modekonzern Europas führt

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Ihr Name dürfte den wenigsten bekannt sein und doch wird er bald Millionen Kleiderschränke prägen. Marta Ortega Perez ist die neue Frau an der Spitze von Inditex, dem zweitgrößten Modekonzern der Welt und Mutterunternehmen hinter bekannten Bekleidungsmarken wie Zara, Bershka, Pull and Bear, Uterqüe und Massimo Dutti. Wie das spanische Unternehmen Ende 2020 verkündete, soll Ortega Perez ab April Vorsitzende des Verwaltungsrats werden.

Sie ist die Tochter des elftreichsten Mannes der Welt, Amancio Ortega, dem Gründer von Inditex. Bisher war sie hauptsächlich für diesen Fakt ihrer Verwandtschaft bekannt, wie es so vielen Kindern bekannter, erfolgreicher Menschen ergeht.

Über die Familie Ortega ist wenig bekannt. Der Inditex-Gründer Amancio Ortega lebt sehr zurückgezogen, legt viel Wert auf Privatsphäre und gibt keine Interviews – eine Regel, die auch seine Tochter befolgt. 1963 gründet der Sohn eines Eisenbahnarbeiters im Alter von 27 Jahren im nordspanischen La Coruña die Bekleidungsfirma Goa, mit der er Hemden, Wäsche und Schürzen produziert. Er entwickelt das Geschäft weiter und eröffnet 1975 die allererste Zara-Boutique in derselben Stadt. Das Besondere an Zara: Ortega verleiht der zu dieser Zeit neu aufkommenden Fast-Fashion einen luxuriösen Anstrich, indem er Looks direkt vom Laufsteg kopiert und die Trends deutlich günstiger anbietet.

In den folgenden 50 Jahren entwickelt Ortega das Unternehmen zu einem globalen Textil-Konzern mit über 6.800 Filialen und mehr als 144.000 Mitarbeitern weltweit. Heute ist Inditex das zweitgrößte Modeunternehmen der Welt und Mutter von acht Tochtermarken: Zara, Pull&Bear, Massimo Dutti, Bershka, Stradivarius, Oysho, Zara Home und Uterqüe. Hierzulande werden die Marken Zara, Pull&Bear, Massimo Dutti, Bershka und Zara Home betrieben.

Marta Ortega Perez' ist in zweiter Ehe verheiratet mit dem ehemaligen Model- und PR-Agenten Carlos Torretta, der in der Kommunikationsabteilung von Inditex arbeitet. Im März 2020 wurde ihre gemeinsame Tochter, Matilda, geboren. Aus erster Ehe mit dem bekannten Springreiter Sergio Álvarez Moya hat sie außerdem einen achtjährigen Sohn, Amancio Alvarez Ortega.

Marta Ortega Perez und  ihr Ehemann Carlos Torretta
Marta Ortega Perez und ihr Ehemann Carlos Torretta

In ihrer Freizeit ist Ortega Perez passionierte Reiterin, war früher sogar spanische Juniorenmeisterin. Sie besucht öfter Reitturniere, bei denen die wenigen öffentlich zugänglichen Fotos von ihr geschossen wurden. Den Profisport verfolgte sie bis zum 19. Lebensjahr, dann begann ihre Ausbildung im Schweizer Elite-Internat Aiglon und an Elite-Hochschulen wie der Londoner European Business School.

Marta Ortega bei einem Reitturnier in 2015
Marta Ortega bei einem Reitturnier in 2015

Als Inditex nun verkündete, die Tochter Ortegas an die Spitze des Verwaltungsrats zu stellen, sank der Aktienkurs um sechs Prozent. Scheinbar haben die Anteilseigner und Anleger ihre Zweifel daran, ob Ortega Perez das Textilunternehmen führen kann. Dass ihr womöglich auch intern nicht das größte Vertrauen entgegenkommt, ließe sich daraus schließen, dass ihr ein neuer CEO an die Seite gestellt wird. Der Top-Manager Oscar Garcia Maceiras kommt von der spanischen Bank Banco Santander und soll ihr alle exekutiven Aufgaben abnehmen. Die zeitgleiche Nominierung des neuen CEOs kam laut der Branchenzeitung "Textilwirtschaft" überraschend.

Das US-Wirtschaftsmagazin "Wall Street Journal" bezeichnete Ortega dagegen als "die Geheimwaffe Zaras". Schließlich kennt sie das gesamte Unternehmen wohl so gut wie nur wenige, durchlief sie doch bereits in jungen Jahren fast jeden Unternehmensbereich, bis auf die Nähfabriken. Vor 15 Jahren fing sie bei Inditex als Verkaufsassistentin an. Seitdem hat sie vor allem die Produkte und Marke der wichtigsten Konzernmarke Zara geprägt, zuletzt verantwortete sie das Designteam von Zara Women. Unter ihrer Führung entstanden Kampagnen mit bekannten Top-Fotografen wie David Sims oder Peter Lindbergh, die sonst nur mit Luxusmarken arbeiten. Sie führte außerdem neue Premium-Linien wie "Charlotte Gainsbourg by Zara" ein.

Inditex macht nach Corona-Schock Rekord-Erlöse

Nachdem die europäischen Fast-Fashion-Unternehmen im vergangenen Jahr zunächst durch die Lockdowns einen Corona-Schock erlitten hatte, setzte Inditex zuletzt zwischen August und Oktober so viel wie nie in einem dritten Geschäftsquartal um. Bei Inditex lag der Erlös im dritten Geschäftsquartal bei knapp 7,4 Milliarden Euro und damit rund ein Fünftel über dem Vorjahreswert. Im Vergleich zum dritten Quartal des Vorkrisen-Geschäftsjahres 2019/2020 bedeutet dies ein Plus von rund sechs Prozent. So stellt Inditex auch bei dem Gewinn Rekorde auf: Unter dem Strich stand ein Gewinn von rund 1,23 Milliarden Euro. Rasant wächst auch der Onlinehandel: Hier konnte das Unternehmen die Umsätze im Vergleich zu vor der Pandemie mehr als verdoppeln. In diesem Geschäftsjahr soll der Anteil der Onlineverkäufe am Gesamtumsatz auf mehr als ein Viertel zulegen.

Dass Marta Ortega Perez nun in die Fußstapfen ihres Vaters tritt und die Führung übernimmt, war von Anfang an klar, denn nur sie kommt als Nachfolgerin des Familienbetriebs infrage. Ihr Bruder hat eine schwere geistige Behinderung und ihre Schwester leitet die familieneigene Paideia-Stiftung, die sich um die Förderung behinderter Kinder und Jugendlicher kümmert. Das Unternehmen teilte mit der Bestätigung Marta Ortega Perez' als neue Chairwoman mit, dass mit dem Positionswechsel auch der Generationswechsel, eingeläutet wurde. Ihr Vater war 2011 von seinem Posten zurückgetreten.

Inditex-Gründer Amancio Ortega mit seiner Tochter Marta Ortega Perez
Inditex-Gründer Amancio Ortega mit seiner Tochter Marta Ortega Perez

Ortega Perez muss nun ihr eigenes Vermächtnis schaffen

Sie kann und muss Zara und Co. in eine neue Zukunft des Handels führen, die sich in den nächsten Jahren mutmaßlich stark verändern wird. Während ihr langjähriger Vorgänger Pablo Isla den Konzern bereits maßgeblich digitalisiert hat, bleibt es nun ihre Aufgabe, das Erbe ihres Vaters neu aufzustellen. Denn auf der einen Seite erwarten Konsumenten und Konsumentinnen, insbesondere die Generation Z, mehr Nachhaltigkeit von Firmen, auf der anderen Seite drängen neue, ultrabillige Fast-Fashion-Marken wie Shein aus China und Trendyol aus der Türkei in die Welt, die bereits als reine Onlinehändler gestartet sind.

"Ich habe immer gesagt, dass ich mein Leben dem Aufbau auf dem Erbe meiner Eltern widmen würde, indem ich in die Zukunft blicke, aber aus der Vergangenheit lerne und dem Unternehmen, unseren Aktionären und unseren Kunden dort diene, wo ich am meisten gebraucht werde", wird Ortega in einer Pressemitteilung des Konzerns zitiert.

Ganz scheint ihr heute 85-jähriger Vater aber nicht loszulassen: Wie die "NZZ" berichtet, schaue ihr Vater noch immer jeden Tag in dem Hauptsitz im galizischen Arteixo vorbei. Ihr größter Kampf dürfte nun darin bestehen, sich aus dem übergroßen Schatten ihres Vaters herauszuarbeiten, mit einem eigenen Vermächtnis.

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