Das Sprint-Experiment - gescheitert oder ein echter Kracher?

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Das Sprint-Experiment - gescheitert oder ein echter Kracher?
Das Sprint-Experiment - gescheitert oder ein echter Kracher?

Lange wurde vorher diskutiert, überlegt, Meinungen wurden ausgetauscht. Wie könnte es wohl werden, dieses erste Sprintrennen der Formel-1-Geschichte? Manch einer im Fahrerlager und bei den Teams gab sich skeptisch, andere wiederum freuten sich über die Abwechslung.

Nun ist das Sprint-Qualifying, wie die Veranstaltung offiziell heißt, absolviert. Doch wie fällt das Fazit aus? Was sagen Fahrer und Teamchefs, wer konnte profitieren und wie kam der neu eingeführte Wettbewerb bei den Fans an?

SPORT1 macht den Check:

Wer hat profitiert?

Größter Gewinner des Sprints war Fernando Alonso. Im Qualifying landete der Spanier nur auf Rang elf. Dank eines Raketen-Starts, bei dem er sechs Plätze gut machte, und einer insgesamt starken Leistung fährt er beim Rennen am Sonntag von Rang sieben aus los (Großer Preis von Großbritannien, Sonntag ab 16 Uhr im LIVETICKER).

Auch andere Fahrer machten Plätze gut. Kimi Räikkönen generierte vier Positionen, Esteban Ocon drei und Sebastian Vettel zwei.

Max Verstappen durfte ebenfalls jubeln. Er feierte nicht nur den Sieg im ersten F1-Sprint der Geschichte, er eroberte auch die Pole Position für den Grand Prix und konnte in der WM-Wertung seinen Vorsprung auf Lewis Hamilton zumindest um einen Punkt ausbauen. (Fahrerwertung der Formel 1)

Wem hat es geschadet?

Der mit Abstand größte Verlierer des Tages war Sergio Perez. Der Mexikaner erreichte in seinem Red Bull im Qualifying eigentlich Rang fünf und hatte sich damit eine vernünftige Ausgangsposition geschaffen. Im Sprint dann der bittere Moment: Perez verlor am Ausgang einer Kurve die Kontrolle über seinen Boliden.

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Zwar schlug er nicht in die Mauer ein, sein Gefährt wurde aber massiv beschädigt - Frontflügel und Reifen waren im Eimer. Zunächst fiel er auf Rang 18 zurück, später musste er sein Auto vorzeitig abstellen. Der Mexikaner wird beim Rennen als Letzter aus der Boxengasse starten. Höchststrafe.

Neben Perez war auch Sainz nicht gerade vom Glück verfolgt. Der Ferrari-Pilot fiel nach einer Kollision mit Russell, für die der Williams-Fahrer bestraft wurde, an das Ende des Feldes zurück. Zwar konnte sich der rote Flitzer wieder um einige Plätze nach vorne kämpfen, mehr als Rang elf war aber nicht mehr drin.

Auch für Weltmeister Hamilton war der Tag nicht allzu erfolgreich. Ohne Sprint-Rennen hätte er nach seiner Pole Position vom Qualifying als Erster in den Grand Prix gehen können. Weil er aber im Sprint von Verstappen überholt wurde, startet er bei seinem Heimspiel nur von Rang zwei.

Wie kommt es bei Fahrern und Funktionären an?

Sebastian Vettel hatte zum Sprint-Format eine klare Meinung. "Mir gefällt dieses Format recht gut. Schon der Freitag war sehr intensiv, mit der Qualifikation nach nur einem freien Training. Das hat dem Freitag mehr Bedeutung gegeben. Für uns ist unterm Strich alles gut gegangen, weil wir Plätze gutgemacht haben", bilanzierte er.

Ein bisschen komisch fand der Deutsche das nur 100 Kilometer lange Rennen aber dennoch. "Ich gebe jetzt hier länger Interviews, als das Rennen gedauert hat", sagte er bei Sky. (Formel-1-Rennkalender)

So verwunderte es auch nicht, dass er für die Macher der Königsklasse direkt einen Verbesserungsvorschlag parat hatte: "Was ich unbedingt ändern würde: Die Pole-Position für den Sieger des Sprints, das ist für mich unsinnig. Die Pole-Position sollte jenem Mann vorbehalten sein, der im Qualifying die schnellste Runde erzielt hat."

Diesen Gedanken teilt Vettel mit Mercedes-Boss Toto Wolff, der eine nahezu ähnliche Aussage tätigte. "Erst einmal, und unabhängig davon, dass Lewis auf der Pole war: Die Poleposition sollte im Qualifying und nicht im Sprintrennen vergeben werden. Ich hätte das auch gesagt, wenn es andersrum ausgegangen wäre."

Der Motorsportchef haderte - ähnlich wie Vettel - mit der Dauer des Sprints. Im Vergleich zum viermaligen Weltmeister würde Wolff die Anzahl der Runden aber noch deutlich nach unten schrauben. Statt 17 Runden wie in Silverstone hätte der Österreicher lieber nur fünf oder acht. Die Begründung: Um vor dem Rennen am Sonntag kein Risiko einzugehen, würden die Fahrer ohnehin auf Überholmanöver verzichten, also würde ein kürzerer Sprint genügen.

Von Seiten der F1-Verantwortlichen war die Begeisterung über das neue Format wenig überraschend enorm. Sportchef Ross Brawn erklärte: "Ich glaube, wir haben heute zwei Dinge gelernt – die Fans mögen das Format, und ein Racer ist und bleibt ein Racer. Mir war immer klar: Wenn die Startampel erlischt, dann werden wir kein Taktieren erleben, sondern Attacke. Wir haben überall Action gesehen, vorne, im Mittelfeld, hinten."

Weltmeister Hamilton, der eigentlich zu den Verlierern zählte, bewertete den Sprint übrigens positiv: "Also mir gefällt das alles recht gut. Schon der Freitag hatte mit dem Qualifying viel mehr Dynamik als ein normaler Tag mit zwei freien Trainings. Ich gebe zu – vielleicht haben wir nicht das spannendste Rennen aller Zeiten gezeigt, aber ich bin der Ansicht, ein solches Format wertet das ganze Wochenende auf."

Was sagen die Fans?

Bei den Anhängern löste das neue Format gemischte Gefühle aus. Ein Blick in die sozialen Netzwerke verriet, dass sich viele Anhänger schon allein deshalb über den Sprint freuten, weil es damit einen weiteren Wettbewerb am Wochenende gibt.

Anderen wiederum fehlte auf den nur 100 Kilometern echtes Racing. Zu sehr versuchten die Teams demnach, sich vor dem Rennen am Sonntag nicht durch einen unbedachten Move in eine schlechtere Ausgangsposition zu bringen.

Was war die größte technische Schwierigkeit?

Nahezu alle Fahrer hatten mit dem sogenannten "Blistering", also der Blasenbildung am Reifen zu kämpfen. Spätestens nach der 15. Runde trat dieses Problem bei absolut jedem Piloten auf.

Weil der Sprint aber nur 17 Runden dauerte, richteten die Blasen keinen entscheidenden Schaden an. Am Funk wurde Max Verstappen aber beispielsweise aufgefordert, von den Randsteinen wegzubleiben, um die Reifen nicht weiter zu strapazieren.

Wie geht es nun weiter?

Um den Fans noch mehr Spektakel zu bieten, und natürlich auch aus finanziellen Gründen, wird das Sprint-Format in dieser Saison getestet. Noch zweimal soll es zum Einsatz kommen – beim Italien-GP in Monza und beim Brasilien-GP in Sao Paulo.

Erst dann wird entschieden, ob auch 2022 Sprints gefahren werden.

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