Zandvoort vor Absage? 2020 lieber gar kein Grand Prix als Risikorennen

Ruben Zimmermann

Der Große Preis der Niederlande gehört zu den zahlreichen Formel-1-Rennen, die aktuell wegen des Coronavirus auf unbestimmte Zeit verschoben sind. Und Grand-Prix-Boss Jan Lammers verrät, dass er auch eine komplette Zandvoort-Absage für die Saison 2020 nicht ausschließt. "Natürlich tun uns die Fans leid", so der ehemalige Formel-1-Pilot gegenüber 'motorsport.com'.

Allerdings gebe es auf der Welt aktuell wichtigere Themen als einen Grand Prix. "Das Virus kontrolliert uns alle. Deswegen liegt momentan nichts in unserer Hand. Das Virus lenkt uns in alle möglichen Richtungen", sagt er und erklärt: "In der Welt ist momentan so viel los, dass es komplett falsch wäre, am 3. Mai einen Grand Prix auszutragen. Selbst wenn wir es könnten, dann müsste man sich fragen, ob man es überhaupt möchte."

Der Termin im Mai ist mittlerweile ohnehin gestrichen. Möglich wäre ein Ersatztermin im Sommer, weil die Formel 1 die offizielle Sommerpause vorgezogen hat. Doch Lammers zweifelt, ob das klappen wird. "Die wichtigste Nachricht ist, dass es nicht der 3. Mai sein wird. Die große Frage lautet nun, wann es stattdessen sein wird", sagt Lammers und erklärt: "Aktuell müssen wir uns auf alle möglichen Szenarien einstellen."

"Und auch als Fan muss man sich die Frage stellen, ob es nicht besser wäre, es für ein Jahr zu verschieben. Alle Szenarien sind möglich", stellt er klar. "Wir wären überglücklich, wenn wir im Juli sagen könnten, dass das Land und die Welt frei vom Virus sind. Aber wie realistisch ist das?", so Lammers. Experten gehen davon aus, dass die Coronakrise noch deutlich länger dauern wird.

"Wenn man sich jetzt auf den August konzentriert, dann könnte es nur eine Frage der Zeit sein, bevor man auch das wieder absagen muss", weiß der Niederländer und erklärt: "Wir haben akzeptiert, dass [eine Absage] eine der Konsequenzen sein könnte." Das Rennen soll nicht um jeden Preis nachgeholt werden, solange das Virus nicht unter Kontrolle sei, stellt Lammers klar.

"In China bekommen sie es langsam unter Kontrolle, aber in welcher Phase befinden wir uns momentan? Wir würden gerne glauben, dass wir es unter Kontrolle haben. Aber das haben wir nicht. Das Virus hat uns alle unter Kontrolle", so der 63-Jährige, der daran erinnert, dass die Situation in Zandvoort und der gesamten Formel 1 ohnehin nur eine Lappalie sei, wenn man auf den Rest der Welt blicke.

"Es gibt Leute, die von ihrem täglichen Zahlungsfluss abhängig sind, und der ist auf Null zurückgegangen", erinnert Lammers an die schwierige wirtschaftliche Situation für viele Menschen. Anschließend wird er noch drastischer und erklärt: "In Bergamo [in Italien] ist jede halbe Stunde eine Beerdigung." Unter solchen Umständen möchte er kein Formel-1-Rennen veranstalten.

Mit Bildmaterial von LAT.