Zak Brown: Wie McLaren mit Carlos Sainz umgegangen ist

Juliane Ziegengeist
·Lesedauer: 2 Min.

McLaren entpuppte sich Ende 2018 als Rettungsanker für Carlos Sainz, nachdem weder Red Bull, wo er jahrelang zum Juniorkader gehörte, noch sein damaliges Team Renault Interesse an ihm zeigten. Doch das Team aus Woking erwies sich als Glücksgriff für Sainz, der 2019/20 seine bisher besten Formel-1-Jahre erlebte.

McLaren-CEO Zak Brown erinnert sich an das erste gemeinsame Rennwochenende in Australien, "als er ein Problem hatte und ich nach dem Qualifying zu ihm ging". Damals scheitere Sainz bereits als Achtzehnter im ersten Quali-Abschnitt.

"Ich sagte zu ihm, ich weiß, du warst auf einer Mega-Runde, du wurdest einfach überrascht. Ich glaube, es war Kubicas Reifen, der kaputt gegangen war", rekapituliert Brown. Tatsächlich lief Sainz auf den havarierten Williams von Robert Kubica auf und konnte seine eigene Rundenzeit in der Folge nicht mehr steigern.

Brown: Man muss auf jeden Fahrer individuell eingehen

"Also ging ich sofort zu ihm und sagte: 'Mann, du bist fantastisch, wir wissen alle, was da passiert ist.' Da hat er zu mir gesagt. 'Ich weiß das wirklich zu schätzen. Normalerweise kommt niemand rein und sagt mir das'", erinnert sich Brown an den Moment.

Er beschreibt Sainz als "extrem entschlossen und zielstrebig" - und das trotz oder gerade wegen der Rückschläge und Enttäuschungen in den Vorgängerteams. "Ich denke, bei Sportlern muss man ihre Psyche verstehen und was sie antreibt. Wir sind alle unterschiedlich, also man muss sich an jeden Einzelnen anpassen", so der McLaren-CEO.

"Wie man mit Lando (Norris; Anm. d. R.) arbeitet, ist anders als mit Carlos, so wie es auch mit Fernando Alonso anders ist. Und ich denke, einige Teams, nicht alle Teams, sagen: So arbeiten wir, du passt dich uns an, und das funktioniert für einige."

Sainz und McLaren konnten sich gegenseitig stärken

Bei McLaren aber herrsche eine "familiäre Atmosphäre", versichert Brown. "Und so passen wir uns einander an. Ich denke, wir haben geholfen, Carlos' Selbstvertrauen zu stärken." Auch indem man ihn gleich für zwei Jahre fix unter Vertrag nahm, nachdem der Spanier in seiner Karriere oftmals von Jahr zu Jahr hatte planen müssen.

"Wenn man mit einer Reihe von Einjahresverträgen fährt, hat man das Gefühl, dass das nächste Rennen das letzte sein könnte, und das ist sicherlich kein guter Weg, um einen Mitarbeiter zu motivieren, wenn man unter diesem ständigen, unangemessenen Druck lebt", äußert sich Brown kritisch gegenüber dieser Strategie.

"Ich glaube, das hat bei uns sehr gut funktioniert, und wir haben beide die Ergebnisse des anderen maximiert." Beide McLaren-Jahre schloss Sainz als WM-Sechster ab. Als Hersteller ergatterte man im engen Kampf des Mittelfeldes 2020 Rang drei.

Künftig trennen sich die Wege trotz der gemeinsamen Erfolge. Dann tritt Sainz für Ferrari an, während Daniel Ricciardo ihn bei McLaren beerbt. In der Weltmeisterschaft landete die Scuderia nach ihrer schlechtesten Formel-1-Saison seit 40 Jahren mit Platz sechs deutlich hinter McLaren, will aber 2021 den Anschluss wiederherstellen.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.