Zahlte der Vatikan für das mysteriöse Verschwinden von Emanuela Orlandi?

Vor 34 Jahren verschwand die Tochter des damaligen Hofdieners von Johannes Paul II. spurlos. Zahlreiche Mythen und Hypothesen zum Verbleib der damals 15-Jährigen kursierten bisher.

Viele Spuren führten in den Vatikan. 2015 stellte die Staatsanwaltschaft die Untersuchungen ein.

Dass der Vatikan in das Verschwinden Orlandis 1983 verwickelt sein könnte, legt auch ein jetzt veröffentlichtes Dokument nahe.

In der Tageszeitung La Repubblica veröffentlichte der italienische Enthüllungsjournalist Emiliano Fittipaldi das Papier, in dem Ausgaben für Orlandi in London gelistet sind. Das Dokument soll bei einem Einbruch im März 2014 aus einem Tresor im Vatikan gestohlen worden sein.

Die Echtheit des Dokuments, das Fittipaldi in seinem neuen Buch “Die Hochstapler” veröffentlicht, wurde bisher nicht unabhängig bestätigt. Der Vatikansprecher Greg Burke sagte, es sei falsch, dass der Vatikan gewusst habe, wo Emanuela Orlandi nach ihrem Verschwinden verblieben sei.

Das Schreiben soll Kardinal Lorenzo Antonetti an andere Vatikan-Mitarbeiter geschickt haben. Demnach fand der Vatikan das offenbar entführte Mädchen und “überführte” sie nach London, wo sie in einer religiösen Unterkunft für Mädchen gelebt haben soll.

Unter anderem werden in dem fünfseitigen Manuskript Ausgaben für Schule, Unterkunft, Verpflegung und Arztrechnungen von 1983 bis 1997 aufgeführt. Auch Ausgaben für “Ermittlungen” tauchen in der Aufzählung auf. Rund 500 Millionen italienische Lira gab der Vatikan demnach für den Unterhalt Orlandis aus.

Der letzte Eintrag von 1997 lautet “Letzter Transfer und Erfüllung der letzten Etappe”.

Entweder ist das Dokument authentisch und gibt neue Hinweise auf den Verbleib Emanuela Orlandis, so Fittipaldi, oder es ist gefälscht und weist auf einen internen Machtkampf im Vatikan hin.

In einem Interview mit euronews sagte die Anwältin der Familie von Emanuela Orlandi, dass die Information in dem von Fittipaldi veröffentlichten Dokument mit denen, die die Familie anfang des Jahres erhielt, übereinstimmen.

Laura Sgrò nannte das Papier “glaubwürdig”, ob es aber authentisch sei, könne sie nicht beurteilen. Sie hoffe, dass die neue Spur zur Wiederaufnahme der Ermittlungen führe. “Es gibt Hinweise, Orte, Daten in diesem Dokument. Also genug Elemente, um den Fall wieder zu eröffnen”.

Im Namen der Angehörigen bemüht sich die Anwältin auch um eine Audienz bei Papst Franziskus.

“Es gab so viele Spuren in diesem Fall. Die Hoffnung war es, Emanuela lebend zu finden, das Bestreben, die Wahrheit herauszufinden. [...] Die Familie wartet schon viel zu lange”, so Sgrò.

Seinen Artikel und eine kurze Zusammenfassung seiner Ermittlungen veröffentlichte Fittipaldi auf Facebook. Sein Buch soll in den kommenden Tagen auf den Markt kommen.