Zahl ziviler Opfer durch Anschläge in Afghanistan 2017 auf Höchstwert gestiegen

Viele zivile Opfer durch Anschläge in Afghanistan

Die Zahl ziviler Opfer durch Selbstmordattentate und Anschläge in Afghanistan ist im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert gestiegen. 2017 seien fast 2300 Zivilisten auf diese Weise getötet oder verletzt worden, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten UN-Bericht. Das sei ein Anstieg um 17 Prozent und mehr als in jedem anderen Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen in dem Konflikt. Die Gesamtzahl der zivilen Opfer ging allerdings um neun Prozent auf etwa 10.500 zurück.

"2017 wurde die höchste Zahl an zivilen Opfern durch Selbstmordattentate und komplexe Anschläge in einem einzigen Jahr in Afghanistan registriert", heißt es in dem Bericht der UN-Mission für Afghanistan (Unama). Demnach wurden dabei 605 Zivilisten getötet und 1690 weitere verletzt.

"Die Zahlen allein können nicht das entsetzliche menschliche Leid beschreiben, das den einfachen Menschen zugefügt wird, insbesondere Frauen und Kindern", erklärte der UN-Gesandte für Afghanistan, Tadamichi Yamamoto.

Laut Unama wurde bei der Gesamtzahl der zivilen Opfer 2017 zwar ein Rückgang um neun Prozent auf rund 3500 Tote und rund 7000 Verletzte registriert. Weil die radikalislamischen Taliban und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aber zunehmend unter Druck geraten seien, hätten diese Extremistengruppen ihre Anschläge in Städten verstärkt. Daraus resultiere der Anstieg um 17 Prozent bei den zivilen Opfern durch Selbstmordattentate und Anschläge.

Die Mehrheit der Opfer 2017 wurde dem Bericht zufolge von Aufständischen getötet oder verletzt. Kräfte, die mit der afghanischen Regierung zusammenarbeiteten, darunter internationale Truppen, seien für 20 Prozent der zivilen Opfer verantwortlich - ein Anstieg um sieben Prozent im Vergleich zu 2016.

Die Zunahme von Anschlägen durch Extremisten geht mit einer Verstärkung der afghanischen und US-Angriffe auf Extremisten einher. US-Präsident Donald Trump hatte im August erklärt, die US-Präsenz am Hindukusch bleibe unbefristet.

Besonders im Fokus stand 2017 die Hauptstadt Kabul: Allein dort wurden dem Bericht zufolge 1831 Menschen verletzt oder getötet. "Afghanische Zivilisten wurden getötet, als sie ihrer Alltagsroutine nachgingen - Busfahren, Beten in der Moschee, einfach an einem Gebäude vorbeilaufen, das angegriffen wurde", zitierte der Bericht UN-Menschenrechtskommissar Zeid Ra'ad al-Hussein.

"Wenn wir sehen, wie Zivilisten gezielt angegriffen werden, fragt man sich, wie lange das noch so weitergehen soll", sagte Yamamoto bei einer Pressekonferenz in Kabul. Die Extremisten behaupteten, afghanische Interessen zu vertreten, stattdessen töteten sie Menschen "in der entsetzlichsten Weise", schafften "Terror und Leid".

Auch 2018 hat sich die Lage bislang nicht verbessert. Die Vereinten Nationen befürchteten, in diesem Jahr noch "größeres Leid" zu sehen, sagte Yamamoto. Seit Mitte Januar haben Extremisten ein Luxushotel gestürmt, eine belebte Straße bombardiert und einen Militärkomplex in Kabul angegriffen. Dabei wurden mehr als 130 Menschen getötet.

Nach UN-Angaben wurde 2009 mit der Registrierung der Opferzahlen begonnen. Seither wurden mehr als 28.000 Zivilisten in Afghanistan getötet und mehr als 52.000 verletzt.