Debatte über Versäumnisse der Behörden bei Waldbränden in Portugal

1 / 2

Die Löscheinsätze im Zentrum Portugals dauern an

Angesichts der hohen Opferzahl bei den Waldbränden in Portugal hat eine Debatte über mögliche Versäumnisse der Behörden begonnen. Die Zahl der Opfer wurde am Dienstag mit 64 Toten und 157 Verletzten angegeben

Angesichts der hohen Opferzahl bei den Waldbränden in Portugal hat eine Debatte über mögliche Versäumnisse der Behörden begonnen. Während die Zahl der Opfer am Dienstag mit 64 Toten und 157 Verletzten angegeben wurde, warfen die Bewohner der betroffenen Region den Einsatzkräften mangelnde Hilfe vor. Presseberichten zufolge waren die Notfallpläne veraltet. Zudem habe es während des Einsatzes Kommunikationsprobleme gegeben.

Die Brände in der betroffenen Gegend um die Ortschaft Pedrógão Grande waren am Samstagnachmittag durch ein Trockengewitter ausgelöst worden. Die Flammen breiteten sich in der Hitze und angefacht vom Wind rasend schnell in vier Richtungen aus. Viele Menschen wurden auf der Flucht in ihren Autos von der Feuerwalze eingeholt, andere starben in ihren Häusern. Elf der 157 Verletzten schwebten nach Angaben des Zivilschutzes in Lebensgefahr, darunter ein Kind.

José Gomes, Pfarrer in der Ortschaft Figueiro dos Vinhos, sagte der Nachrichtenagentur AFP, einige Bewohner hätten in dem Inferno "keine Hilfe der Feuerwehr und manchmal nicht einmal Wasser" gehabt. "Es gibt einen Geist der Revolte gegen die Rettungsdienste", sagte er. Manche fragten sich, warum die Landstraße in dem Gebiet nicht rechtzeitig gesperrt wurde. Allein 47 Tote wurden auf der Nationalstraße 236 aufgefunden, 30 von ihnen waren in ihren Autos gefangen gewesen.

Die Zeitung "Publico" berichtete, die Einsatzpläne der Feuerwehr müssten eigentlich alle zwei Jahre überarbeitet werden, doch die Abgeordneten im Parlament hätten dies in den vergangenen Jahren "nicht als dringlich angesehen". Die Zeitung "Jornal de Noticias" schrieb, die Kommunikations-Antennen der Einsatzkräfte seien durch die Hitze beschädigt worden, was die Arbeit der Feuerwehr behindert habe.

Der Klimaexperte João Camargo machte in "Publico" die massenhafte Anpflanzung leicht entzündlicher Eukalyptusbäume in der Region für das Ausmaß der Katastrophe verantwortlich. In Portugal habe es in den vergangenen Jahren mehr Waldbrände gegeben als in anderen Mittelmeerstaaten. Der Oppositionspolitiker Helder Amaral schrieb auf Facebook, die Katastrophe könne "nicht niemandes Schuld" sein.

Löschflugzeuge, darunter elf aus dem Ausland, flogen am Dienstag weiter Einsätze, um die noch aktiven Brandherde zu bekämpfen. Zivilschutzchef Vitor Vaz Pinto sagte, die Brände dürften bald unter Kontrolle sein. Nach Angaben europäischer Beobachter wurden bereits 26.000 Hektar Wald zerstört. 1150 Feuerwehrleute waren allein im Zentrum Portugals im Einsatz, insgesamt kämpften im ganzen Land fast 2000 Feuerwehrleute gegen rund 80 Brandherde.

Nach und nach wurden unterdessen Einzelheiten zu den Tragödien bekannt, die sich während des Infernos abspielten. Die Eltern des vierjährigen Rodrigo hielten sich in den Flitterwochen auf, ihren Sohn hatten sie bei der Tante und dem Onkel in der betroffenen Region untergebracht, wie die Zeitung "Correio da Manha" berichtete. Rodrigo und sein Onkel wurden tot neben dem Auto aufgefunden, in dem sie fliehen wollten.

Virgilio und Isabel Godinho und ihre 18-jährige Tochter blieben verschont, weil sie in einem anderen Dorf auf einer Hochzeit waren. Aber ihr Haus in Vilas de Pedro, der Olivenhain und das Pick-up-Fahrzeug wurden komplett von den Flammen vernichtet. Eine vierköpfige Familie aus Pobrais überlebte, weil sie sich in einen Wassertank neben dem Haus rettete. Elf Nachbarn, die sich zur Flucht entschlossen hatten, wurden tot aufgefunden.