Trump erntet heftige Kritik für Auftritt auf Puerto Rico

Kurz nach dem Besuch von US-Präsident Donald Trump in Puerto Rico haben die Behörden der sturmgeschädigten Karibikinsel einen starken Anstieg der Opferzahl bekanntgegeben. Die Zahl der identifizierten Toten sei auf 34 gestiegen, sagte der Gouverneur

Für seinen mit Eigenlob gespickten Kurzbesuch auf der schwer sturmgeschädigten Karibikinsel Puerto Rico hat sich US-Präsident Donald Trump heftige Kritik eingehandelt. Die oppositionellen Demokraten, die Bürgermeisterin der Inselhauptstadt San Juan und Medienkommentatoren warfen ihm mangelnde Sensibilität vor. Trump hatte die Visite am Dienstag für Lobeshymnen auf den Katastropheneinsatz seiner Regierung genutzt und die Zahl der Todesopfer durch den Hurrikan "Maria" als vergleichsweise minimal bezeichnet.

Auf die Kritik reagierte der Präsident wie üblich mit harschen Gegenattacken. Er beschuldigte einen Teil der US-Medien, Falschnachrichten über seinen Besuch des US-Außenterritoriums verbreitet zu haben. Er sei dort mit "großer Wärme und Freundschaft empfangen" worden, schrieb Trump im Kurzbotschaftendienst Twitter. Die Bewältigung der Sturmkatastrophe mache "große Fortschritte".

Das Weiße Haus teilte zudem mit, Trump wolle beim Kongress eine Nothilfe von 29 Milliarden Dollar (knapp 25 Milliarden Euro) für die Insel beantragen. Die offizielle Zahl der Hurrikan-Opfer auf Puerto Rico stieg unterdessen auf 34, wie Gouverneur Ricardo Rosselló mitteilte. Während des Trump-Besuchs hatte die Zahl noch bei 16 gelegen.

Trump hatte die Opferzahl als Beleg dafür bewertet, dass die Insel relativ glimpflich davon gekommen sei. Der Hurrikan "Katrina" im Jahr 2005 mit seinen "tausenden" Toten sei im Vergleich eine "reale Katastrophe" gewesen, sagte der Präsident im Gespräch mit Behördenvertretern und Militärs in San Juan.

Der Präsident merkte auch an, dass die Hilfen für die Insel den Bundeshaushalt schwer belasteten: "Ich hasse es, Dir das zu sagen, Puerto Rico, aber Du wirfst unseren Haushalt aus allen Fugen." Trump fügte hinzu, diese Ausgaben seien "in Ordnung", da sie "viele Menschenleben gerettet" hätten.

Während des rund fünfstündigen Besuchs pries Trump den "fantastischen Job", den Bundesbehörden und Militär in dem US-Außenterritorium geleistet hätten: "Das gesamte Team war fabelhaft."

Damit versuchte Trump die Kritik abzuschmettern, er greife der hauptsächlich von Latinos bewohnten Insel nicht genügend unter die Arme und habe auf die vorherigen Hurrikane "Harvey" und "Irma" in den Bundesstaaten Texas, Louisiana und Florida wesentlich energischer reagiert.

Nach Trumps Inselbesuch schwoll die Kritik aber weiter an. Die Bürgermeisterin von San Juan, Carmen Yulín Cruz, die sich bereits vergangene Woche ein Wortgefecht mit dem Präsidenten geliefert hatte, warf Trump "mangelnde Sensibilität" vor. Dieser solle aufhören, "Kommentare herauszublasen, welche die Menschen in Puerto Rico wirklich verletzen", sagte sie dem Fernsehsender CNN.

Trump hatte der Bürgermeisterin im Vorfeld "armselige Führungsqualitäten" vorgeworfen. Während seines Besuchs schüttelte er ihr dann nur kurz die Hand und sparte sie in seinen Lobpreisungen auf den Katastropheneinsatz aus.

Harte Kritik an Trumps Auftritt kam auch vom Chef der Demokraten im Senat, Chuck Schumer. Der Präsident solle aufhören, Puerto Rico die Schuld für die Katastrophe zu geben und stattdessen "die Ärmel hochkrempeln und den Wiederaufbau in die Spur bringen".

Er könne sich auch nicht erinnern, dass Trump nach "Harvey" und "Irma" die Staaten Texas und Florida für Etat-Probleme verantwortlich gemacht habe, fügte der Senator sarkastisch hinzu.

Der populäre TV-Kommentator des Trump-kritischen Senders MSNBC, Joe Scarborough, nannte den Auftritt des Präsidenten "bizarr" und warf ihm einen "Mangel an Menschlichkeit" vor.

Während der Visite hatte der Präsident auch Rollen von Papierhandtüchern in eine Menschenmenge geworfen und ein paar Reissäcke verteilt.

Ein Großteil der 3,4 Millionen Inselbewohner ist zwei Wochen nach dem Hurrikan weiterhin ohne Strom, Trinkwasser und Telefonverbindung, auch die Lebensmittelversorgung ist unzureichend. Die Inselbewohner haben die US-Staatsbürgerschaft, dürfen aber nicht an den Präsidentenwahlen teilnehmen.