Zahl der Todesopfer bei Taliban-Anschlag auf Luxushotel in Kabul weiter unklar

Das Hotel Intercontinental in Kabul

Fünf Tage nach dem Anschlag auf das Intercontinental-Hotel in Afghanistans Hauptstadt Kabul ist die Zahl der Todesopfer weiter unklar. Das afghanische Gesundheitsministerium ging am Donnerstag von mindestens 25 Toten aus, nachdem zuvor von insgesamt 40 Toten die Rede gewesen war. Auch in afghanischen Medienberichten war eine höhere Zahl genannt worden.

Das Gesundheitsministerium hatte am Donnerstag zunächst von 25 toten Afghanen berichtet, über die ausländischen Opfer hätten keine Informationen vorgelegen. Zu dem Zeitpunkt waren bereits 15 tote Ausländer bekannt, darunter auch eine Deutsche. Später korrigierte sich das Ministerium und gab die Gesamtzahl aller Toten mit 25 an.

Unter den 25 Menschen, die bei dem Angriff der islamistischen Taliban in der Nacht zum Sonntag ihr Leben verloren hatten, seien sieben Afghanen, fünf mutmaßliche Angreifer und 13 Ausländer, sagte später ein Sprecher des Gesundheitsministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Nach AFP-Recherchen wurden in dem Hotel allerdings 15 Ausländer getötet.

Eines der Todesopfer stammte nach Angaben des Auswärtigen Amts aus Deutschland. Außerdem verloren vier US-Bürger ihr Leben, wie das US-Außenministerium am Mittwoch erklärte. Zwei weitere US-Bürger seien verletzt worden. Hinzu kommen sieben Opfer aus der Ukraine, zwei aus Venezuela und eines aus Kasachstan.

Ein afghanischer Sicherheitsbeamter sagte anonym, er sei sich bei den abschließenden Zahlen "nicht sehr sicher". Die derzeitige Bilanz von 25 Toten schließe drei schwer verbrannte Leichen ein, "von denen wir glauben, dass sie Ausländer sind". Taliban-Kämpfer hatten bei dem Angriff auf das Luxushotel offenbar gezielt Ausländer ins Visier genommen.

Unterdessen sagte ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums, dass die Untersuchungen vor Ort am Donnerstag abgeschlossen werden. Der Innenminister werde am Samstag bei einer Pressekonferenz "neue Details" zu dem Angriff vorlegen. Dabei könne es noch "einige neue Informationen und Veränderungen" geben.

Seit dem Angriff auf das Luxushotel in der Nacht zum Sonntag haben sich die Berichte über die Opferzahlen immer wieder verändert. Der afghanische Fernsehsender "Tolo News" hatte zunächst als offizielle Zahl 29 Tote gemeldet, zugleich aber in Bezug auf "vertrauenswürdige Quellen" von etwa 43 Opfern berichtet.

Afghanische Sicherheitsbehörden hatten in der Vergangenheit die Zahl der Toten nach schweren Anschlägen immer wieder zu niedrig angegeben. Die Regierung in Kabul sei besorgt um die Auswirkungen derartiger Angriffe, sagte ein Mitarbeiter afghanischer Medien der AFP. Geschäftsleute würden es sich dann zweimal überlegen, ob sie kommen. Viele Ausländer hätten das Land nach vorangegangenen Anschlägen auf Hotels verlassen.

Am Mittwoch wurden überdies bei einem Anschlag der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) auf die Hilfsorganisation Save the Children in der afghanischen Stadt Dschalalabad mindestens drei Menschen getötet.