Aufräumarbeiten in Belgien nach schweren Überschwemmungen mit 24 Toten

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Nach den heftigen Überschwemmungen im Osten Belgiens ist am Samstag nach und nach das ganze Ausmaß der Zerstörung sichtbar geworden. Die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg auf 24, doch wurden noch immer zahlreiche Menschen vermisst. Regierungschef Alexander De Croo und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchten die betroffenen Gebiete, wo die Aufräumarbeiten anliefen.

Im Lütticher Stadtteil Angleur wurde in der Nacht zum Samstag mindestens eine weitere Leiche geborgen. Neue Angaben zu Vermissten machten die Behörden aber nicht. Aufgrund von Stromausfällen und Störungen der Telefonnetze sei es zu schwierig, die Menschen zu erreichen, sagte ein Sprecher des belgischen Krisenzentrums der Nachrichtenagentur AFP. Am Freitag war die Zahl von 20 Vermissten genannt worden.

Nach tagelangem Starkregen waren die dicht besiedelten Täler der Maas-Region ab Donnerstag überschwemmt worden. Als am Samstag der Regen nachließ, hinterließen die zurückweichenden Wassermassen ein Bild der Zerstörung in rund 120 belgischen Gemeinden. In Angleur hatten zahlreiche Häuser unter Wasser gestanden, mindestens zwei Menschen starben. Verbeulte und teils zwischen Mauern eingekeilte Autos zeugten noch von der Gewalt der Wassermassen.

Anwohner stapelten durchnässte Möbel auf den Gehwegen, pumpten das restliche Wasser aus den Kellern und beseitigten Wasserlachen in den Erdgeschossen. "Ich weiß noch nicht, wann ich meinen Salon wieder öffnen kann", sagte der Friseur John Theunis. Das Ladenlokal des 33-Jährigen hatte voll Wasser gestanden. "Es gibt noch immer keinen Strom und ich kann alles wegschmeißen."

Regierungschef De Croo und von der Leyen besuchten am Samstag zunächst die Gemeinde Rochefort in der Provinz Namur. Anschließend besuchten sie Pepinster in der Provinz Lüttich. Allein dort starben rund ein Dutzend Menschen in den Wassermassen. "Es ist ein Desaster, ein Tsunami", sagte Bürgermeister Philippe Godin.

De Croo und von der Leyen sprachen mit betroffenen Anwohnern, Notfallhelfern und örtlichen Behördenvertretern. Von der Leyen sagte den Betroffenen Unterstützung zu. "Ich sagte ihnen: Die EU steht an Eurer Seite. Wir trauern gemeinsam - und wir bauen gemeinsam wieder auf", erklärte sie auf Twitter.

Am Nachmittag war zudem ein Besuch in Eupen, der Hauptstadt des deutschsprachigen Landesteils, sowie in Maaseik in Flandern geplant. De Croo hat für Dienstag einen nationalen Trauertag ausgerufen.

In den benachbarten Niederlanden waren ebenfalls große Schäden zu beklagen. "Wir hatten wirklich einen Fluss, der durch Valkenburg verlief", sagte Paola Baakman aus der Ortschaft bei Maastricht zu AFP. 50 Kilometer weiter nördlich in Roermond mussten hunderte Menschen ihre Häuser verlassen.

Aber "wir waren gut vorbereitet", sagte Stan van der Leeuw aus Roermond. "Ich glaube, dass wir schon eher daran gewöhnt sind." Aber die Niederlande hätten auch mehr Zeit gehabt: "In Deutschland und Belgien passierte es so plötzlich, dass sie einfach keine Zeit hatten, irgendetwas zu tun", sagte der 58-Jährige.

"Das Wichtigste ist es, (...) den Flüssen mehr Raum zu geben", sagte der niederländische Regierungschef Mark Rutte am Freitag bei einem Besuch in der betroffenen Provinz Limburg. In den Niederlanden sei dies zum Glück geschehen.

Nach heftigen Überschwemmungen in den 1990er Jahren waren in den Niederlanden vielerorts die Flussufer verbreitert worden, damit das Wasser bei Hochwasser überlaufen kann. Die Arbeiten im Umfang von mehr als zwei Milliarden Euro wurden 2019 abgeschlossen.

ans/ju

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