Zahl der Sprengungen von Geldautomaten im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt

Zerstörter Geldautomat in Weilburg

Das Bundeskriminalamt hat im vergangenen Jahr 318 Sprengungen von Geldautomaten registriert - mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. In rund 128 Fällen gelangten die Täter an Bargeld, in 190 Fällen blieb es beim versuchten Diebstahl, wie die Ermittler am Donnerstag in Wiesbaden mitteilten. Schwerpunkt war Nordrhein-Westfalen mit 136 Taten. Von 45 festgenommenen Tatverdächtigen kamen 20 aus den Niederlanden.

2015 hatten das Bundeskriminalamt (BKA) noch 157 Sprengungen von Geldautomaten gezählt. Wie in den Jahren zuvor bevorzugten die Kriminellen auch im vergangenen Jahr weiter Geldautomaten in ländlichen Regionen oder am Stadtrand mit guter Verkehrsanbindung. Angriffe auf Geldautomaten werden demnach in der Regel arbeitsteilig durch reisende oder regionale Tätergruppen begangen - Einzeltäter wurden nur in wenigen Fällen registriert.

Besonders niederländische Gruppierungen sind bei Automatensprengungen aktiv, wie aus dem aktuellen BKA-Bundeslagebild zu Angriffen auf Geldautomaten weiter hervorgeht. Die Ermittler machten in diesem Zusammenhang eine Art "Verdrängungseffekt" aus den Niederlanden in die grenznahen Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen aus: Täter aus dem Nachbarland weichen demnach nach Deutschland aus - unter anderem, weil niederländische Banken ihre Präventionsmaßnahmen zuletzt verstärkten.

Dabei weiten niederländische Tätergruppen nach Erkenntnissen der Polizei ihren Aktionsradius zunehmend auch auf Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz aus. Neben Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen waren 2016 auch Brandenburg, Baden-Württemberg und Bayern überdurchschnittlich von Automatensprengungen betroffen.

Das rabiate Vorgehen der Täter birgt dem BKA zufolge im Einzelfall massive Gefahren für unbeteiligte Dritte. Auch wenn die Kriminellen meist Tatzeiten und Tatorte auswählten, in denen keine Kundenfrequenz mehr zu erwarten sei, verbleibe ein Risiko für Leib und Leben von Passanten und Anwohnern. Auch Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei könnten einer "erheblichen Gefährdung" ausgesetzt sein.

Laut BKA übersteigt der durch die Sprengungen angerichtete Sachschaden die Höhe der Beute in vielen Fällen deutlich. Bei einzelnen Straftaten entstand den Ermittlern zufolge sogar ein Sachschaden in sechsstelliger Höhe.

Im Kampf gegen Automatensprenger hatten die Strafverfolgungsbehörden in Deutschland zuletzt ihre Maßnahmen verschärft - unter anderem durch die Einrichtung entsprechender Ermittlungskommissionen in den Landeskriminalämtern Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Im Bereich der Prävention werden nach Angaben der Wiesbadener Ermittler derzeit Empfehlungen zur Verbesserung des Schutzes gegen Sprengungen von Geldautomaten weiterentwickelt.

"Möglichst flächendeckende und einheitliche technische Präventionsmaßnahmen der Geldinstitute können zu einem Rückgang der Fallzahlen führen, wie die Erfahrungen aus den Niederlanden unterstreichen", hieß es in dem BKA-Lagebild.

Auch die Zahl der sogenannten Skimmingangriffe auf Geldautomaten nahm nach einem Rückgang in den Vorjahren wieder zu: 2016 zählte die Polizei 369 solcher Angriffe, bei denen die Täter Vorbaugeräte zum Auslesen von Kartendaten, versteckte Minikameras zur Aufzeichnung der Pineingabe oder aber Tastaturattrappen installieren. 2015 hatte die Zahl der Skimmingangriffe lediglich 190 betragen.