Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland bleibt weitgehend konstant

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland ist im vergangenen Jahr weitgehend unverändert geblieben. 2016 infizierten sich etwa 3100 Menschen neu mit dem Virus, wie das RKI mitteilte. In Deutschland leben rund 88.400 Menschen mit HIV oder Aids

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland ist im vergangenen Jahr weitgehend unverändert geblieben. 2016 infizierten sich Schätzungen zufolge etwa 3100 Menschen neu mit dem Virus, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Donnerstag in Berlin mitteilte. Insgesamt leben in Deutschland damit rund 88.400 Menschen mit HIV oder Aids. Etwa 460 starben 2016 daran, etwa so viele wie im Jahr davor.

Als "gute Nachtricht" wertete RKI-Präsident Lothar Wieler vor allem die sinkende Zahl der Neuinfektionen bei homosexuellen Männern. Bei Männern, die Sex mit Männern haben, ging die geschätzte Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen Jahren zurück - von 2500 im Jahr 2013 auf 2100 im Jahr 2016. Homosexuelle sind aber nach wie vor die am stärksten von HIV und Aids betroffene Gruppe.

Im Gegensatz dazu steigen bei Heterosexuellen die Neuinfektionen seit 2010. 2016 infizierten sich schätzungsweise rund 750 Menschen. Auch bei Drogenkonsumenten gibt es demnach seit 2010 einen Anstieg - auf etwa 240 Neuinfektionen in 2016. Von den rund 88.400 Menschen mit HIV sind insgesamt etwa 56.100 homosexuelle Männer, rund 11.200 Heterosexuelle und etwa 8200 Drogenkonsumenten.

Ein großes Problem ist nach wie vor, dass tausende Menschen nichts von ihrer Infektion wissen. Schätzungsweise 12.700 der insgesamt 88.400 Infizierten haben keine Ahnung von ihrer Ansteckung, weil sie noch nicht getestet wurden. 2006 waren dies nur 11.300. Das bedeutet, dass sich in Deutschland weiterhin mehr Menschen neu mit HIV infizieren, als neu diagnostiziert werden. "Die hohe Zahl von nicht diagnostizierten Menschen mit HIV zu senken, ist ein wichtiges Ziel", erklärte Wieler.

Mit späten Diagnosen sind auch höhere Behandlungskosten und eine höhere Sterblichkeit verbunden. Die Betroffenen leiden oft an Aids-Symptomen wie zum Beispiel Lungenentzündungen durch Pilze. Zudem können die Infizierten das Virus unwissentlich weitergeben.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) erklärte, Deutschland gehöre zu den Ländern mit den niedrigsten HIV-Neuinfektionsraten in Europa. Dies zeige, "dass wir mit unserer erfolgreichen Präventionsarbeit und den guten Behandlungsangeboten auf dem richtigen Weg sind". Es gehe weiterhin darum, über die Krankheit zu informieren sowie Ängste und Unsicherheiten im Umgang mit HIV-infizierten Menschen abzubauen.