Zahl der Firmenpleiten steigt deutlich – Experten sehen Deutschland dennoch „weit weg von einer Insolvenzwelle“

Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland nimmt seit dem Herbst deutlich zu. - Copyright: Picture Alliance
Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland nimmt seit dem Herbst deutlich zu. - Copyright: Picture Alliance

Bei den Firmenpleiten in Deutschland zeigt der Trend deutlich nach oben. Im Dezember war die Zahl der Insolvenzanträge für Unternehmen um 3,1 Prozent höher als im Vormonat. Auch im November hatte es bereits einen Anstieg um 1,2 Prozent zum Vormonat gegeben. Das teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit.

Wie stark die Insolvenzen zuletzt zugenommen haben, zeigt ein auf das gesamte Jahr 2022. Von Januar bis einschließlich Oktober 2022 meldeten die Amtsgerichte 11.888 Firmeninsolvenzen. Das waren nur 1,3 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Im Oktober lag die Zahl der Pleiten mit 1.245 Fällen aber 17,9 Prozent über dem Vorjahr. Auch im September waren es 17,6 Prozent mehr.

Im langjährigen Vergleich ist die Zahl der Insolvenzen aber noch auf einem niedrigen Niveau.

Trotz dieses Anstiegs liegen die jüngsten Insolvenzzahlen unter dem langjährigen Mittelwert, wie IWH-Forscher Steffen Müller einordnet: „Sowohl die Zahl der insolventen Personen- und Kapitalgesellschaften als auch der in diesen Unternehmen betroffenen Jobs lagen im Jahr 2022 auf vergleichsweise niedrigem Niveau.“

Ähnlich bewertet der Berufsverband der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID) die Entwicklung: Die jüngste Steigerung der beantragten Unternehmensinsolvenzen sei „im langjährigen Vergleich allenfalls ein kleiner Schritt in Richtung Normalisierung des Insolvenzgeschehens und weit weg von einer Insolvenzwelle“, sagte der VID-Vorsitzende Christoph Niering.

In den Zahlen spiegeln sich Insolvenzen wider, die in vielen Fällen schon einige Monate zurückliegen. Denn die Verfahren fließen erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik ein. Der tatsächliche Zeitpunkt des Insolvenzantrags liege in vielen Fällen annähernd drei Monate davor. Der Anstieg der Firmenpleiten fällt also mit der Verunsicherung nach Russlands Überfall auf die Ukraine und den stark gestiegenen Energiekosten zusammen.

Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus den im Oktober gemeldeten Insolvenzen bezifferten die Amtsgerichte auf rund 0,8 Milliarden Euro. Im Oktober 2021 hatten die Forderungen bei knapp einer Milliarde Euro gelegen. Für das gesamte bisherige Jahr 2022 beliefen sich die Forderungen auf gut 11,6 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum lagen sie mit mehr als 46,4 Milliarden Euro deutlich höher, weil seinerzeit mehr Großunternehmen in die Insolvenz gingen.

Ein anderes Bild gibt es derzeit bei Privatinsolvenzen. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen war im Oktober um 15,7 Prozent geringer als vor einem Jahr. Hier gibt es aber Sondereffekte aufgrund von Änderungen im Insolvenzrecht.

Mit Material von dpa.