Zahl der Erwerbstätigen 2020 erstmals seit 14 Jahren geschrumpft

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Geschlossenes Geschäft in Dortmund

Der jahrelange Aufschwung am Arbeitsmarkt ist vorbei: Im Corona-Jahr 2020 sank die Zahl der Erwerbstätigen erstmals seit 14 Jahren. Rund 44,8 Millionen Menschen in Deutschland waren im Jahresdurchschnitt erwerbstätig, das waren 1,1 Prozent oder 477.000 weniger als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. 2019 hatte die Zahl noch um 0,9 Prozent zugenommen.

In der Corona-Krise kam der seit 2007 andauernde Anstieg der Erwerbstätigkeit in Deutschland zu einem Ende, wie die Statistiker erklärten. Doch auch ohne Pandemie hätte der Beschäftigungszuwachs voraussichtlich nicht mehr lange angehalten, "da das Erwerbspersonenpotenzial aufgrund des demografischen Wandels schwindet". Durch die Alterung der Bevölkerung stehen immer weniger Menschen für den Arbeitsmarkt zur Verfügung.

Den größten absoluten Beschäftigungsverlust 2020 verzeichnete das Bundesamt mit minus 281.000 Erwerbstätigen (minus 0,8 Prozent) bei den Dienstleistern. Hier büßte insbesondere der Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe mit minus 207.000 Erwerbstätigen (minus 2,0 Prozent) ein. Im Bereich öffentlicher Dienstleister sowie Erziehung und Gesundheit stieg die Zahl der Erwerbstätigen dagegen um 153.000 - ein Plus von 1,4 Prozent.

Während die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten den Angaben zufolge wegen der anhaltenden Kurzarbeit stabil blieb, traf die Krise vor allem geringfügig oder kurzfristig Beschäftigte. Insgesamt sank die Zahl der Arbeitnehmer demnach im Jahresdurchschnitt 2020 um 0,8 Prozent auf rund 40,8 Millionen; bei den Selbstständigen einschließlich helfender Familienangehöriger verstärkte sich der Abwärtstrend der vergangenen Jahre: Ihre Zahl sank um 3,7 Prozent auf 4,0 Millionen.

Obwohl Kurzarbeiter nicht als erwerbslos zählen, stieg die Zahl der Erwerbslosen nach vorläufiger Schätzung der Statistiker im Vorjahresvergleich um 474.000 auf 1,85 Millionen - ein Zuwachs um 34,5 Prozent. Damit habe sich die Erwerbslosenquote, gemessen als Anteil der Erwerbslosen an der Zahl aller verfügbaren Erwerbspersonen, von 3,0 Prozent auf 4,0 Prozent erhöht.

Eine rasche Erholung des Arbeitsmarktes ist nicht in Sicht. Der anhaltende Teil-Lockdown trübte bereits die Arbeitskräftenachfrage deutscher Unternehmen im Dezember. Wie die Bundesagentur für Arbeit am Montag mitteilte, lag ihr Stellenindex im vergangenen Monat 18 Punkte unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Erheblich weniger Personalbedarf als vor einem Jahr verzeichneten die Zeitarbeit, das Gastgewerbe, der Handel, das Verarbeitende Gewerbe sowie sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, zu denen etwa Reisebüros zählen. Im Bildungswesen und im Gesundheitssektor legte die Zahl gemeldeter Stellen dagegen leicht zu.

Fachkräfte allerdings werden nach wie vor händeringend gesucht: In einer Umfrage unter 600 Unternehmen in Deutschland gab jeweils rund die Hälfte an, weiter Schwierigkeiten bei der Suche nach Ingenieuren und IT-Fachkräften zu haben, wie die Beratungsfirma Korn Ferry mitteilte. "Auch nach der Pandemie wird die Nachfrage hoch sein. Wir gehen davon aus, dass sie sogar noch weiter zunehmen wird", betonte Carsten Schaefer von Korn Ferry.

dwo/ilo