Weltweit Bangen wegen steigender Corona-Fallzahlen und Hoffnung wegen Impfungen

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Warntafel in London

Während in immer mehr Ländern Impfungen gegen das neuartige Coronavirus anlaufen, bereiten Experten die vielerorts weiter steigenden Infektionszahlen Sorgen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mahnte am Montagabend, die "zweite und dritte Welle" der Pandemie seien noch nicht unter Kontrolle. England etwa meldete am Dienstag einen neuen Höchststand der Covid-19-Patienten in seinen Krankenhäusern. Südafrika verhängte nach einem drastischen Anstieg der Ansteckungszahlen neue Restriktionen wie ein Verkaufsverbot für Alkohol.

Trotz wissenschaftlicher Fortschritte wie der Entwicklung von Corona-Impfstoffen seien die "zweite und dritte Welle" der Pandemie noch nicht unter Kontrolle, sagte der WHO-Experte Bruce Aylward. "Wir sind nicht ausreichend vorbereitet für die aktuelle (Pandemie), ganz zu schweigen von der nächsten."

Auch der WHO-Direktor für medizinische Notfälle, Michael Ryan, richtete den Blick auf die Bedrohung durch neue Pandemien. Das neuartige Coronavirus, das sich "extrem schnell" in der ganzen Welt ausgebreitet habe, sei "ein Weckruf". "Wir müssen uns auf etwas vorbereiten, das vielleicht noch heftiger ist", sagte Ryan. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus forderte ebenfalls größere Anstrengungen, um für die Abwehr künftiger Gefahren gewappnet zu sein.

Derzeit ist die Welt allerdings noch sehr mit dem neuartigen Coronavirus beschäftigt. So meldete England am Dienstag einen neuen Höchststand seiner Covid-19-Patienten in Krankenhäusern. "Wir sind zurück im Auge des Sturms", sagte der England-Chef des britischen Gesundheitsdienstes NHS, Simon Stevens.

20.426 Menschen werden demnach derzeit wegen Covid-19 in englischen Krankenhäusern behandelt. Im April waren es auf dem Höhepunkt der ersten Infektionswelle 18.974. Auch die Zahl der Neuinfektionen in Großbritannien binnen eines Tages erreichte am Montag mit 41.385 einen neuen Höchstwert - und das, obwohl Schottland und Nordirland über die Weihnachtsfeiertage die Weitermeldung von Fällen ausgesetzt hatten.

Die Verschlechterung der Lage könnte mit einer Mutation des Virus zusammenhängen, die den Erreger nach Experteneinschätzungen offenbar ansteckender macht als die bisher bekannte Variante. Diese Virus-Variante hat sich außer im Süden Englands auch in Südafrika ausgebreitet. Auch in anderen Ländern, darunter Deutschland und Indien, wurden einzelne Fälle nachgewiesen.

In Südafrika ordnete Staatschef Cyril Ramaphosa am Montagabend eine landesweite Maskenpflicht in der Öffentlichkeit sowie ein Verkaufsverbot für Alkohol an, damit die Krankenhäuser nicht durch Patienten mit alkoholbedingten Beschwerden weiter belastet werden. Die nächtliche Ausgangssperre gilt statt ab 23.00 nun bereits ab 21.00 Uhr. Zuvor hatte Südafrika die Schwelle von einer Million nachgewiesenen Corona-Infektionen seit Pandemie-Beginn überschritten.

"Wir sind unachtsam geworden, und leider bezahlen wir dafür jetzt den Preis", beklagte Ramaphosa. Den drastischen Anstieg bei den Infektionszahlen führte er auf "Superspreader"-Veranstaltungen und einen "extremen Mangel an Umsicht während der Feiertage" zurück.

Damit Silvesterfeiern die Pandemie nicht weiter anfachen, sperrt Rio de Janeiro zum Jahreswechsel seine Strände. "Wir müssen eine harte und direkte Botschaft an die Bevölkerung senden", sagte der Chef des Einsatzzentrums von Rio, Alexandre Cardeman, am Montag (Ortszeit).

Spanien freute sich derweil nach Lieferverzögerungen am Dienstag über mehr als 350.000 Dosen des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer. Die Impfdosen wurden von fünf Flugzeugen in fünf verschiedene spanische Städte geflogen und von dort aus bis hin zu den Balearen und Kanaren weiter verteilt, wie die Regierung in Madrid mitteilte. Nun könne eine "massive Impfkampagne" in Spanien beginnen.

Wenn alles nach Plan laufe, könnten bis zum Sommer etwa 70 Prozent der Bevölkerung gegen das neuartige Coronavirus geimpft werden, sagte der spanische Gesundheitsminister Salvador Illa in einem Fernsehinterview.

In Belarus traf eine erste Lieferung des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V ein. Damit sollte umgehend eine Impfkampagne starten. Auch Argentinien startete am Dienstag Immunisierungen mit Sputnik V.

yb/isd