Regierungen verschärfen Corona-Maßnahmen aus Angst vor überlasteten Kliniken

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New Yorks Schulen müssen wieder schließen

Regierungen verschärfen Corona-Maßnahmen aus Angst vor überlasteten Kliniken

New Yorks Schulen müssen wieder schließen

Neue Schulschließungen, zusätzliche Kontaktbeschränkungen und Angst vor einer Überlastung der Kliniken: Regierungen weltweit reagieren mit drastischen Maßnahmen auf die zweite Corona-Welle. Die USA überschritten laut einer Zählung der Johns-Hopkins-Universität am Mittwochabend (Ortszeit) die Marke von 250.000 Todesfällen. Mehrere Bundesstaaten erließen neue Beschränkungen. Angesichts eines Rekordwerts bei den Neuinfektionen zeigte sich auch Japans Regierungschef alarmiert. Die Schweizer Regierung kündigte zusätzliche Unterstützung für überlastete Kliniken an.

In New York müssen die Schulen ab diesem Donnerstag wieder schließen. Bürgermeister Bill de Blasio sprach von einer "Vorsichtsmaßnahme". "Wir müssen die zweite Covid-19-Welle bekämpfen", sagte er. Die Schulen in der Ostküstenmetropole waren erst im September wieder geöffnet worden.

New York City ist mit 1,1 Millionen Schülern und 1800 öffentlichen Schulen der größte Schulbezirk der USA. Allerdings hatte nur rund ein Drittel der Schüler im Herbst wieder den Präsenzunterricht besucht. Viele Eltern ließen ihre Kinder aus Angst vor einer Ansteckung am Online-Unterricht teilnehmen, der weiterhin angeboten wurde. New York gehörte während der ersten Infektionswelle im Frühling zu den am schwersten von der Pandemie betroffenen Großstädten der Welt.

Landesweit wurden in den USA am Mittwoch fast 158.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet, die Gesamtzahl der nachgewiesenen Ansteckungen in dem Land stieg damit auf mehr als 11,4 Millionen. Die Zahl der Todesfälle durch das Coronavirus erreichte einen weltweiten Rekordwert von 250.029.

Sowohl gemessen an den Infektions- als auch an den Todesfällen sind die USA nach wie vor das am schwersten von der Pandemie betroffene Land der Welt vor Brasilien und Indien. Europa bleibt der am stärksten betroffene Kontinent. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitteilte, entfielen fast die Hälfte der in der vergangenen Woche registrierten Infektions- und Todesfälle auf europäische Staaten. Die einzige Region, in der die Corona-Zahlen rückläufig sind, ist demnach Südostasien.

Wegen der dramatischen Lage in den Krankenhäusern kündigte die Regierung der Schweiz am Mittwoch an, überlastete Krankenhäuser zusätzlich zu unterstützen. Soldaten könnten die Kliniken bis Ende März logistisch und bei der Kontaktverfolgung unterstützen und für infiziertes Personal einspringen, sagte Verteidigungsministerin Viola Amherd. Am Tag zuvor hatte die Schweizer Gesellschaft für Intensivmedizin mitgeteilt, dass landesweit alle Intensivbetten belegt seien.

Auch Ärzte in Ungarn warnten, dass die Kliniken im Land bald an ihrer Belastungsgrenze angekommen seien. Wegen des zuletzt starken Anstiegs bei den Neuinfektionen hatte die Regierung in Budapest am Dienstag den Ausnahmezustand bis Februar verlängert. Ursprünglich hätte die Maßnahme am 11. Dezember enden sollen. Ungarn hat nach Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC derzeit die vierthöchste Corona-Todesfallrate in der EU.

Eine leichte Entspannung zeichnet sich dagegen in Belgien ab. "Zum ersten Mal seit Wochen, ja seit Monaten, bewegen sich alle Anzeichen in die richtige Richtung", sagte der nationale Pandemie-Beauftragte Yves Van Laethem am Mittwoch. Nach den Ansteckungszahlen und der Zahl der Krankenhauseinweisungen sei nun erstmals auch die Zahl der Todesfälle wieder gesunken.

Unterdessen meldete Japan einen neuen Höchstwert an Neuinfektionen. Landesweit wurden binnen eines Tages 2000 Neuinfektionen gemeldet, davon allein 500 in der Hauptstadt Tokio. Regierungschef Yoshihide Suga rief am Donnerstag die "höchste Alarmstufe" aus und beauftragte dem Sender NHK zufolge ein Expertengremium damit, den Ursachen des Anstiegs nachzugehen. Zuvor hatte Suga angekündigt, die Regierung werde mögliche strengere Maßnahmen in den Regionen unterstützen.

isd/mid