Zahl der Arbeitslosen wegen Erfassung ukrainischer Flüchtlinge stark gestiegen

Der deutsche Arbeitsmarkt kommt bislang weitgehend unbeschadet durch die Energiekrise und die hohe Inflation. Zwar stieg im Juli die Zahl der Arbeitslosen deutlich um 107.000 auf 2,47 Millionen, wie die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte. Dies liegt aber vor allem an der statistischen Erfassung der aus der Ukraine gekommenen Flüchtlinge. Perspektivisch sieht die Bundesagentur trotzdem hohe Risiken etwa durch die Gaskrise.

BA-Vorstand Daniel Terzenbach sagte, "insgesamt ist der Arbeitsmarkt trotz aller Belastungen und Unsicherheiten weiterhin stabil". Ohne den Effekt durch die Erfassung ukrainischer Flüchtlinge wäre demnach die Arbeitslosenzahl im Juli um rund 50.000 gestiegen, was ein üblicher Anstieg zu Beginn der Sommerpause sei. Mit dem tatsächlichen Anstieg um 107.000 Arbeitslose stieg die Arbeitslosenquote um 0,2 Prozentpunkte auf 5,4 Prozent.

Terzenbach sprach mit Blick auf die weiteren Folgen des Kriegs in der Ukraine auf den deutschen Arbeitsmarkt von einer spürbaren Unsicherheit. Die Einstellungen in neue Jobs seien etwas vorsichtiger geworden, sagte er, die Arbeitgeber "melden nicht mehr ganz so viele Stellen". Allerdings habe es zuletzt einen gewaltigen Stellenaufbau gegeben.

Die Bundesagentur bereite sich mit verschiedenen Szenarien darauf vor, dass der deutsche Arbeitsmarkt stärker belastet werde, sagte Terzenbach weiter. Dabei gehe es um die Kurzarbeit als Mittel und Fragen zur Existenzsicherung und Bestandssicherung. Kurzarbeit war bereits in den Corona-Lockdowns ein zentrales Instrument, mittlerweile sind die Zahlen der Bezieher aber rückläufig. Nach den jüngsten vorliegenden Zahlen bekamen im Mai 328.000 Beschäftigte Kurzarbeitergeld.

Bei den ukrainischen Flüchtlingen lege die BA nach wie vor großen Wert darauf, zunächst Sprachkenntnisse zu vermitteln. Es handle sich häufig um gut qualifizierte mögliche Arbeitnehmer, die nicht einfach wahllos in Jobs vermittelt werden sollten, sondern möglichst gezielt. Bisher konnten 26.000 Flüchtlinge aus der Ukraine eine Arbeit aufnehmen, über alle Branchen hinweg.

Weiter zugenommen hat die Beschäftigung: Im Mai gab es 45,57 Millionen Beschäftigte. Dies waren 610.000 mehr als vor einem Jahr. Zwei Drittel des Beschäftigungszuwachs entfalle auf Menschen mit Migrationshintergrund.

Am Ausbildungsmarkt gab es im Juli deutlich mehr freie Stellen als unvermittelte Bewerber. Während 118.000 junge Menschen noch keinen Ausbildungsplatz hatten, waren 233.000 Ausbildungsstellen als frei gemeldet.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte, "der deutsche Arbeitsmarkt ist robust, allerdings ist die konjunkturelle Entwicklung der nächsten Monate mit hohen Unsicherheiten verbunden". Sollten die Unsicherheiten zu wirtschaftsbedingten Störungen am Arbeitsmarkt führen, werde die Bundesregierung schnell mit weiteren arbeitsmarktpolitischen Instrumenten reagieren. "Mein Ziel bleibt den Arbeitsmarkt gut durch schwierige Zeiten zu bringen."

Arbeitgeberpräsident Reiner Dulger verwies auf die Herausforderungen für die Betriebe durch den Fachkräftemangel. "In manchen Bereichen gleicht die Suche nach den richtigen Menschen für einen Job einer Schatzsuche." Flughäfen, Handwerk, Schulen, Pflege und Gastronomie suchten dringend Arbeitskräfte. Dulger forderte zudem mehr Engagement für mehr Chancengleichheit zwischen Mann und Frau.

ran/pe

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