Zahl der Arbeitslosen im Juni um 25.000 gesunken

Jobcenter in Sangershausen

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juni saisonbedingt gesunken. Im Vergleich zum Mai ging die Zahl der Jobsuchenden um 25.000 auf 2,473 Millionen zurück, wie die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA) am Freitag mitteilte. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,1 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sagte, es gebe in Deutschland "einen Arbeitsmarkt voller Chancen".

Die Juni-Arbeitslosenzahl war die niedrigste in diesem Monat seit 1991. Insgesamt verspricht der Arbeitsmarkt eine fortdauernde Stabilität. "Die Beschäftigung und die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern haben erneut kräftig zugelegt", sagte BA-Chef Detlef Scheele.

Einziger Abstrich: Die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl, also ohne die positiven Einflüsse des Frühjahrs, erhöhte sich um 7000. Allerdings ist dies laut BA wohl ein Sondereffekt, weil wegen des milden Winters in den Wintermonaten die Arbeitslosenzahl niedriger lag als üblich.

Gegenüber dem Juni 2016 suchten 142.000 Menschen weniger einen Job. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg nach den jüngsten vorliegenden Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Mai auf 44,16 Millionen. Dies waren 36.000 mehr als im April und 648.000 mehr als im Jahr davor. Nach einer BA-Hochrechnung stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im April auf 32,03 Millionen, 727.000 mehr als im Jahr April 2016.

Nahles sagte in Berlin, "die Zahlen aus Nürnberg zeigen einen Arbeitsmarkt in bester Verfassung, einen Arbeitsmarkt voller Chancen." Die Wahrscheinlichkeit, die Arbeit zu verlieren, sei so gering, wie lange nicht ? dagegen seien die Möglichkeiten, eine Arbeit zu finden, so gut wie selten zuvor. Laut BA waren im Juni 731.000 freie Stellen gemeldet, 66.000 mehr als vor einem Jahr.

Die Arbeitsmarktexpertin der Linken, Sabine Zimmermann, erklärte hingegen, die sinkende Zahl der Arbeitslosen verstelle den Blick darauf, dass weiterhin Millionen gute, also anständig entlohnte Arbeitsplätze fehlen. "Von einem Job-Boom kann man bestenfalls mit Blick auf die stetig zunehmende prekäre Beschäftigung sprechen. Die Leiharbeitsbranche ist im vergangenen Jahr noch einmal um 30 Prozent gewachsen", erklärte Zimmermann. Das sei ein Armutszeugnis.

Die Grünen-Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer warf Nahles vor, im Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit zu versagen. "Langzeitarbeitslose profitieren viel zu wenig von der positiven Gesamtlage am Arbeitsmarkt." Nahles habe es versäumt, ausreichend in Qualifikationen zu investieren.