Yuan fällt auf tiefsten Stand seit einem Jahr

Der Wechselkurs der chinesischen Währung Yuan kennt derzeit praktisch nur eine Richtung: nach unten. Gegenüber dem US-Dollar erreichte sie mit 6,7845 Yuan den tiefsten Stand seit einem Jahr. Seit April hat der Yuan im Vergleich zum Greenback mehr als acht Prozent abgewertet.

Ökonomen sehen die Sorge vor einem eskalierenden Handelskonflikt und die straffere Geldpolitik in den USA als Ursache. Hinzu kommen aber auch altbekannte Probleme wie die hohe Verschuldung der Unternehmen und das vorläufige Ende des Immobilienbooms.

Der Handelsstreit mit den USA könnte China empfindlich treffen, sollte er sich weiter zuspitzen. Die USA sind der wichtigste Handelspartner Chinas und nehmen etwa ein Fünftel der chinesischen Exporte ab.


US-Präsident Donald Trump hatte kürzlich eine neue Runde im Handelskonflikt mit China eingeläutet, indem er eine Ausweitung der Abgaben auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar androhte. Die Maßnahmen sollen in zwei Monaten greifen. China kündigte eine entschlossene Reaktion an. Auf vorherige US-Sonderzölle hat China bereits mit Gegenzöllen reagiert.

Die aktuelle Schwäche des Yuans hängt aber auch damit zusammen, dass sich die globalen Kapitalströme durch die Geldpolitik der US-Notenbank Fed geändert haben. Zuletzt stellte diese schnellere Zinserhöhungen in Aussicht, als die Märkte bislang erwartet hatten.

Dadurch werden Anlagen im Dollar-Raum für Investoren attraktiver, was wiederum dazu führt, dass die Schwellenländer insgesamt stärker unter Druck geraten, die Zinsen ebenfalls anzuheben. Länder wie Indien, Indonesien oder die Türkei haben bereits mit Zinserhöhungen reagiert. Für China ist das im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld schwierig. Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen glaubt sogar, dass die chinesische Notenbank ihre Geldpolitik tendenziell sogar eher noch lockern wird, wie sie jüngst in einer Studie geschrieben hat. So hat die chinesische Notenbank trotz der Zinserhöhungen in den USA zuletzt sogar ihre Mindestreservesätze gesenkt.

Angesichts der Schwankungen an den Märkten geraten auch einige altbekannte Probleme Chinas stärker in den Fokus der Investoren, beispielsweise die hohe Verschuldung der Unternehmen und Probleme am Immobilienmarkt. Nach Berechnungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) lag diese Ende 2017 bei 160 Prozent der chinesischen Wirtschaftsleistung. Zum Vergleich: In den USA lag die Quote bei rund 74 Prozent und in Deutschland bei rund 55 Prozent.


Besonders problematisch ist, dass sich immer mehr Unternehmen in ausländischer Währung verschuldet haben. Da die Zinsen anderswo niedriger sind als in China, ist das attraktiv – solange der Wechselkurs stabil bleibt. Setzt sich die Abwertung des Yuans jedoch fort, könnte das einige Unternehmen in Bedrängnis bringen. Denn die Last ihrer in US-Dollar notierenden Schulden würde noch größer.

Ein weiteres Problem Chinas ist der Immobilienmarkt. Jahrelang sind dort die Preise immer weiter gestiegen. Das befeuerte die Bauindustrie, half aber auch dem Konsum. Inzwischen läuft der Boom jedoch aus, was auch damit zusammenhängt, dass Kredite nicht mehr so leicht verfügbar sind.

Unter dem Strich spricht daher aktuell einiges dafür, dass der Yuan weiter abwerten könnte. „Angesichts des trüben Wachstumsausblicks und einer tendenziell lockeren Geldpolitik ist die jüngste Yuan-Abwertung durchaus gerechtfertigt“, schreibt etwa Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. „Wir gehen davon aus, dass sich die Währung gegenüber dem US-Dollar weiter abschwächen wird.“