Videodays in Köln: Einmal einen Youtuber live zu sehen, ist für viele ein Traum

15.000 haben die Videodays in Köln besucht.

Mike Singer, Dner, inschope21, Lukas Rieger, Grischistudios – Namen, die wenigen über 30-Jährigen geläufig sein dürften, bei den Videodays in der Lanxess-Arena aber hoch gehandelt wurden. Dort traf sich die deutsche Youtuber-Szene zwei Tage lang mit rund 15.000 größtenteils jugendlichen Fans.

Vor allem die weiblichen Besucher der Videodays schienen sich einig, warum sie dort waren: Mike Singer oder Lukas Rieger treffen und ein Foto mit ihnen machen. Beide sind über die Fernsehsendung The Voice Kids bekannt geworden und erreichen auf Youtube mit ihren Musikvideos jeweils eine halbe Millionen Menschen. Auch Tereza und Romy aus Nürmbrecht, beide 13 Jahre alt, schwärmen für sie. „Es ist einfach toll, die Leute, die man jeden Tag supportet, einmal zu umarmen“, erklärt Romy die Faszination.

Mit Bühnenshow eröffnet

Am Donnerstag wurden die Internet-Festspiele mit einer sechsstündigen Bühnenshow eröffnet. Die Play-Awards wurden in verschiedenen Genres verliehen und einige Youtuber für das Knacken der Eine-Millionen-Abonnenten-Marke geehrt.

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Beziehungspflege zwischen Star und Fan. Erstmalig in der Geschichte der Videodays mussten sich die Fans bei den Großen der Szene vorab zum sogenannten Meet&Greet, einem persönlichen Treffen, anmelden. „Haltet eure QR-Codes bereit“, schallte es auf dem Vorplatz der Arena aus dem Megafon. Die Fantreffen waren eng getaktet, allein oder zu zweit hatten die Fans eine Minute Zeit mit ihrem Star.

Auch Nicolas Lazaridis hat im Innenraum einige seiner insgesamt 1,8 Millionen Abonnenten getroffen. Der 22-Jährige aus Stuttgart ist online ursprünglich mit Videos gestartet, in denen er ein Computerspiel spielt und es kommentiert. Doch weitaus erfolgreicher ist er nun mit seinem Kanal Inscope21, auf dem er die Zuschauer an seinem Leben und seinen Gedanken teilhaben lässt. Er thematisiert häufig Sport oder trifft vor der Kamera andere Youtuber. Fragt man Lazaridis nach den Gründen für seinen Erfolg, kann er die gar nicht so genau benennen. „Ich motiviere und unterhalte einfach viele Leute mit meinen Videos“, so der 22-Jährige.

„Und es läuft ziemlich gut.“ Nach dem Fachabitur hat er sich hauptberuflich seiner Social-Media-Karriere gewidmet und seine eigene Firma gegründet, über die er unter anderem von ihm entworfene Oberteile vertreibt. Damit ist er nicht der Einzige: Viele Social-Media-Größen verkaufen ihre eigenen Fan-Artikel.

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt der Youtuber Daniel Jung. Er spricht in seinen Videos nicht über Sport oder Computerspiele, auch nicht über sich selbst, sondern über Mathematik.

Meist steht er vor einer weißen Tafel, auf der er beispielsweise eine quadratische Funktion vorrechnet und erklärt Schulstoff. Und auch er ist erfolgreich, viele seiner Videos haben über 400.000 Aufrufe. „Ich war vor drei Jahren schon einmal bei den Videodays, da hat sich niemand für mich interessiert“, erinnert sich Jung lachend. „Heute ist das anders. Da fragen viele: Können wir ein Selfie machen? Du hast mich durchs Abi gebracht.“

Positive Entwicklungen

Jung bewertet diese Entwicklung positiv und sieht für Bildungsvideos im Internet viel Potenzial. „Man kann über Youtube tatsächlich etwas lernen – und das merken gerade viele.“ Jungs Videos werden immer häufiger auch in Schulen eingesetzt, er sieht sich als zeitgemäße Ergänzung zum klassischen Unterricht.

Sein eigenes Mathestudium hat der 36-Jährige abgebrochen, das Wissen für seine Online-Nachhilfe bringt er sich selbst mit Videos von amerikanischen Professoren bei.

Auf dem Außenplateau vor der Arena war die Stimmung gelassener als im Innenraum, wo die Treffen stattfanden. Neben gelangweilten Erziehungsberechtigten auf Bierbänken, die mitleidige Blicke austauschten, präsentierten sich draußen vor allem Neulinge der Social-Media-Szene.

Zum Beispiel standen dort die Zwillinge Finja und Svea, die mit knapp 80 000 Fans noch nicht zu den Großen gehören, und ließen sich noch ganz ohne Termin in den Arm nehmen. Bekannt wurden die beiden Mädchen in erster Linie über die App musical.ly. Dort können Nutzer kurze Playback-Videos mit dem Handy hochladen und so eigene kleine Musikvideos produzieren.

Knapp 100 Millionen Nutzer hat die App weltweit bereits. Während sich die Youtuber-Szene drinnen feiern ließ, ist der Nachwuchs offenbar bereits zu einer neuen Plattform aufgebrochen.  ...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta