Warum Tuchels PSG-Start heute kompliziert ist

Thomas Tuchel plant laut seinem Vorgänger bei PSG mit der Verpflichtung mehrerer Hochkaräter

Frankreichs Sport-Magazin L'Equipe veröffentlichte am Dienstag ein Porträt über Thomas Tuchel. Darin wird erzählt, dass diese als Neunjähriger Hubschrauberpilot werden wollte und nicht etwa Fußballer und Fußballtrainer.

Manch ein Franzose wird sich nun fragen, wie ausgerechnet dieser Deutsche ohne kindliche Leidenschaft für Fußball und ohne ruhmreiche Profi-Vergangenheit Paris Saint-Germain auf Europas Thron führen soll.

Am heutigen Mittwoch startet das Abenteuer mit dem ersten Training für Tuchel, um den - wie die Rotorblätter eines Hubschraubers - immer wieder die eine Frage kreist: Wie kommt der international noch titellose Übungsleiter mit Weltstars wie Neymar, Kylian Mbappe oder Edinson Cavani klar?

Vielleicht ist es gut, dass die Granden zum Trainingsstart allesamt noch bei der WM weilen und Tuchel sich Schritt für Schritt an seinen neuen Arbeitsplatz gewöhnen kann.

Unruhe wegen Real-Gerüchten um Neymar 

Doch so weit entfernt von Paris ist zumindest Brasiliens Fußball-Gott Neymar derzeit nicht. Die Meldung, dass Real Madrid den Ausnahmespieler für 320 Millionen Euro loseisen wolle, sorgte an der Seine für  deutlich mehr Aufregung als seine von Schauspielereien garnierten Auftritte bei der WM in Russland. Erst als der TV-Sender aus Spanien zurückruderte und auch die Königlichen von Real dementierten, kehrte am Prinzenpark einigermaßen Ruhe ein.

Der frühere Weltfußballer Rivaldo goss am Mittwoch via Sport Bild aber bereits neues Öl ins Feuer. Wenn Neymar Weltfußballer werden wolle, müsse er "bei einem der größten Clubs der Welt spielen", erklärte der 46-Jährige da. "Bei Paris Saint-Germain unter dem neuen Trainer Thomas Tuchel wird er nie Weltfußballer."

Der Trainer wird sich an die medialen Störfeuer rund um seine Superstars gewöhnen müssen, zumal ein weiterer Kultkicker im Anflug ist. Italiens Torhüter-Ikone Gianluigi Buffon soll ein Gehalt von acht Millionen Euro per annum bei PSG erhalten und muss vor allem die Schlagzeilen der italienischen Presse füttern.


Mit Buffons Kommen dürften die Tage von Deutschlands Nationaltorhüter Kevin Trapp gezählt sein, auch wenn der Ex-Frankfurter bislang nach SPORT1-Informationen keinen Gedanken an einen Wechsel verschwendet hat. Schon in der vergangenen Saison hatte der WM-Teilnehmer seinen Stammplatz verloren. Weltmeister Julian Draxler will den Kampf um einen Platz im Starensemble unter Tuchel neu angehen.

Damit Tuchel in dieser Woche überhaupt ein vernünftiges Training durchführen konnte, hat der frühere Coach des FSV Mainz 05 und Borussia Dortmund zehn Spieler vom Nachwuchszentrum angefordert. Ernst wird es für den gebürtigen Schwaben am 21. Juli, wenn es in Klagenfurt zum Test gegen den deutschen Rekordmeister Bayern München kommt.

Koumbare: Tuchel holt Hochkaräter 

Rückendeckung für die neue Herausforderung erhält Tuchel von Ex-Paris-Trainer Antoine Kombouare. "Er kommt vorbereitet - auf die Ligue 1, auf Paris und auf Frankreich", sagte der frühere PSG-Coach über Tuchel und fügte an: "Er hat die Sprache gelernt und sich über die Liga informiert. Er kennt Spieler wie Thiago Silva, Neymar, Cavani oder Mbappe."

Kombouare, der 2011 für Carlo Ancelotti Platz machen musste, kennt den großen Druck bei PSG bestens. Tuchel müsse "immer Ergebnisse liefern", betonte der heutige Coach des Erstligisten EA Guingamp. Um die sportlichen Ansprüche erfüllen zu können, werde Tuchel sein Team "mit zwei, drei Hochkarätern verstärken", glaubt der 54-Jährige.

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Anspruchsvoll geht es für den 44-Jährigen schon in der weiteren Vorbereitung zu. Am 24. Juli brechen die Pariser zu einer Asienreise nach Singapur auf. Am 4. August spielt PSG im chinesischen Shenzhen gegen den AS Monaco um den französischen Supercup. Der Druck ist schon da. Von Tuchel wird der erste Titel erwartet.