Yarmolenko schließt beim BVB die Lewandowski-Lücke

Christoph Küppers

Sonntagabend, Borussia Dortmund gegen 1. FC Köln, 2. Minute.

Andrey Yarmolenko bekommt den Ball auf dem rechten Flügel. Kurzer Blick, schnelle Tempoaufnahme, Übersteiger links, Flanke rechts. Perfekt auf den Kopf von Maximilian Philipp. Tor.

Gerade einmal 120 Sekunden benötigt Yarmolenko bei seinem Bundesliga-Startelfdebüt für den BVB, um seine ganze Klasse zu demonstrieren. Der Ukrainer ist vor dem Auswärtsspiel beim Hamburger SV (ab 20 Uhr im LIVETICKER) schon in Dortmund angekommen.

Und das, obwohl er nicht einmal zwei Wochen im Training ist und erst in drei Spielen für den BVB auf dem Platz stand - wobei sein elfminütiger Kurzeinsatz gegen den SC Freiburg getrost aus der Wertung genommen werden darf.

Tor gegen Tottenham, Assists gegen Köln

Also bleiben das Champions-League-Auswärtsspiel in London gegen Tottenham und der 5:0-Sieg gegen den 1. FC Köln vergangenen Sonntag. Die bestechende Bilanz des 27-Jährigen: ein Treffer (Tottenham), zwei Torvorlagen (Köln).

Niemand schreit aktuell nach Ousmane Dembele, der sich Ende August zum FC Barcelona streikte - und jetzt monatelang ausfällt. Yarmolenko ist Dortmunds neuer Offensiv-Trumpf.


"Wir haben gehofft, dass er so einschlägt. Er macht das super", sagt BVB-Sportdirektor Michael Zorc über Yarmolenko: "Er ist fast schon komplett integriert in unser Spiel."

Starke Standards von Yarmolenko

Ein Beweis dafür: In Rekordzeit ist der 27-Jährige zum Standardschützen bei der Borussia aufgestiegen - und auch hier gibt ihm der Erfolg Recht. Per Ecke bereitete er am Sonntag die 2:0-Führung gegen Köln vor. Auch dem 3:0 ging eine Ecke des Ukrainers voraus.

Darüber hinaus überzeugt der 25 Millionen Euro teure Stürmer (72 Länderspiele) vor allem durch seine Zielstrebigkeit, seinen unbändigen Zug zum Tor, aber auch seine Kreativität. Yarmolenkos großes Plus: seine Beidfüßigkeit.


Der Linksfuß kommt meist über den rechten Flügel und zieht - ähnlich wie Arjen Robben - am liebsten in die Mitte, um dann wie beim 1:1-Ausgleich in Tottenham den Abschluss zu suchen. Allerdings kann er auch mit rechts zur Grundlinie durchgehen, um dann zu flanken - wie bei seiner ersten Vorarbeit gegen Köln.

Neben diesen Fähigkeiten bringt der 1,90-Meter-Hüne zudem eine ordentliche Portion Robustheit mit. Symptomatisch dafür stand eine Szene aus dem Köln-Spiel, als er den Ball vorne am gegnerischen Sechzehner verlor - und ihn weit in der eigenen Hälfte zurückeroberte.

Yarmolenko erinnert an Lewandowski

Der Ukrainer verkörpert damit viele Eigenschaften, die der Borussia in vorderster Front seit Jahren immer wieder fehlten. Streng genommen sogar seit dem Weggang von Robert Lewandowski 2014 zum FC Bayern.

Viele Gegner warten extrem tief auf die anrollenden Dortmunder Angriffswellen. In diesem Spielschema ließ der BVB vorne immer mal wieder die Durchschlagskraft vermissen. Yarmolenko könnte mit seiner Lewandowski ähnelnden bulligen und zugleich spielstarken Art zum wichtigsten Ass im Ärmel von Trainer Peter Bosz werden.

Der ist übrigens auch schon ganz begeistert. "Er ist noch nicht lange da, aber er versteht sich sehr gut mit den Mitspielern", sagt Bosz und schiebt dann lächelnd hinterher: "Gute Spieler verstehen sich immer schnell auf dem Platz."