Yamana Gold: Für Mutige

Markus Bußler
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Kirkland Lake: Eine (Gold-)Klasse für sich

Yamana Gold – lange Zeit war diese Aktie ein absolutes No-Go. Anleger machten einen riesigen Bogen um das Papier. Zu Recht. Nach einigen eher fragwürdigen Entscheidungen des Managements in der Vergangenheit war die Bilanz angespannt – und die Kosten stiegen. Dazu führten Wertberichtigungen für einen dicken Verlust im abgelaufenen Jahr. Doch neue Projekte machen Mut. Und ein Übernahmeangebot sorgt zusätzlich für Fantasie.

Für die, die mit der Yamana-Story nicht so vertraut sind: Im vergangenen Jahr hatte Yamana beschlossen, seine brasilianischen Assets in eine eigene Gesellschaft auszulagern und an die Börse zu bringen. Der Name des Unternehmens: Brio Gold. Dummerweise war das Umfeld für einen derartigen Spin-off alles andere als optimal. Und sicherlich war die Tatsache, dass Yamana auch noch Geld von den Aktionären wollte, nicht gerade vertrauensfördernd. Und so wurde der Spin-off vorsichtig ausgedrückt zu einem Flop. Aktuell hält Yamana nach wie vor 53,6 Prozent an Brio Gold. Der Grund: Mehr konnte an der Börse nicht platziert werden.

Retter in der Not

Eine Mischung aus schwachen Unternehmensnachrichten, gepaart mit dem Wissen, dass Yamana jederzeit seinen Anteil reduzieren könnte, sorgte dafür, dass die Brio-Aktie an der Börse nie in die Gänge gekommen ist und beständig an Wert verloren hat. Für Yamana und alle anderen Aktionäre war das natürlich ein Ärgernis. Zumal der Konzern den Anteil an Brio Gold sicherlich gerne verkauft hätte, um die eigene Bilanz aufzupolieren. Immerhin schleppt Yamana Schulden von knapp 1,65 Milliarden Dollar mit sich herum. Die meisten davon sind zwar langfristiger Natur, dennoch hat Yamana bereits eine Anleihe über 300 Millionen Dollar begeben, um die fällig werdenden Verbindlichkeiten zu bedienen. Außerdem hat man die Explorations-Assets rund um das Canadian-Malartic-Joint-Venture für 162,5 Millionen Dollar an Partner Agnico Eagle verkauft und Kupfer-Vorwärtsverkäufe in Höhe von 125 Millionen Dollar getätigt. Doch man könnte jetzt noch eine zusätzliche Finanzspritze erhalten. Und an dieser Stelle kommt Leagold ins Spiel.

Neues Projekt von Woodyer und Guistra

Leagold? Kennen Sie nicht? Das ist wahrlich keine Schande. Der Konzern ist noch vergleichsweise neu auf dem Kurszettel. Leagold ist die neue Firma von Neil Woodyer und Frank Guistra. Beide haben gemeinsam schon maßgeblich Endeavour Mining zu dem geformt, was der Konzern heute ist: ein mittelgroßer, profitabler Goldproduzent. Bei Leagold wollen die beiden die gleiche Strategie anwenden – durch Zukäufe wachsen. Während Endeavour diese Strategie in Afrika erfolgreich umgesetzt hat, soll sich das Ganze nun mit Leagold in Lateinamerika wiederholen. Nachdem der Konzern im September 2016 die Los-Filos-Mine in Mexiko von Goldcorp erworben hat, hat Leagold jetzt ein Gebot für Brio Gold auf den Tisch. Leagold würde demnach 264 Dollar – in Leagold-Aktien – für Brio Gold zahlen. Mit anderen Worten: Yamana würde für seinen Anteil an Brio über 58 Millionen Aktien von Leagold erhalten. Der aktuelle Marktwert: über 150 Millionen Kanadische Dollar. Die Aktie ist liquide, der Verkauf sollte für Yamana Gold – sofern der Konzern das Geld benötigt – kein Pro­blem darstellen. Üblicherweise würden solche Aktien nicht über die Börse verkauft, sondern wechseln außerbörslich den Besitzer.

Prognose übertroffen

Im abgelaufenen Jahr hat der Konzern 977.000 Unzen Gold produziert – und damit die bereits zweimal nach oben angepasste Prognose von 960.000 Unzen übertroffen. Auch bei der Kupferproduktion lag Yamana mit 127 Millionen Pfund knapp über der Prognose. Dazu hat der Konzern 5,0 Millionen Unzen Silber produziert. Zwar liegen die Finanzzahlen für das Gesamtjahr noch nicht vor, doch Ende des dritten Quartals lagen die Gesamtkosten (All-In Sustaining Costs) bei 816 Dollar je Unze.

Cerro Moro als neue Hoffnung

Der Hoffnungsträger für Yamana heißt Cerro Moro. Die Mine in Argentinien soll Mitte des Jahres die Produktion erreichen. Mittlerweile ist man dabei, Erz auf Halde abzubauen. Dort lagern bereits rund 16.265 Tonnen mit einem Goldgehalt von 27 Gramm je Tonne und einem Silbergehalt von 1.725 Gramm. In den ersten drei Jahren der Produktion soll Cerro Moro 150.000 Unzen Gold und 7,2 Millionen Unzen Silber pro Jahr produzieren. Interessant sind die Kosten: Für das laufende Jahr und das kommende Jahr prognostiziert Yamana Kosten von unter 600 Dollar je produzierter Unze Gold und unter 9,00 Dollar je produzierter Unze Silber. Das wird sich auch positiv auf das Kostenprofil des Gesamtkonzerns auswirken.

Einer der günstigsten Produzenten

Setzt man einmal den Freien Cashflow, den Yamana in den kommenden Jahren nicht zuletzt dank Cerro Moro generieren wird, ins Verhältnis zu der zuletzt doch arg geschrumpften Marktkapitalisierung, dann wird klar: Yamana Gold ist einer günstigsten größeren Goldproduzenten auf dem Kurszettel.

 Starker Hebel auf den Goldpreis

Sicher, Yamana hatte in der Vergangenheit einige Probleme. Und die zeigen sich auch heute noch in Form der Verschuldung in der Bilanz. Doch der Konzern befindet sich auf dem Weg der Besserung und das Angebot von Leagold für Brio Gold greift dem Konzern dabei unter die Arme. Cerro Moro dürfte helfen, die Kosten weiter zu senken. Yamana ist damit kein konservatives Investment. Doch die Aktie verspricht einen der höchsten Hebel auf einen steigenden Goldpreis unter den größeren Produzenten.