Yahoo Exklusiv: Ehemaliger Putin-Mitarbeiter sagt, der Kreml gab den „expliziten Auftrag“ für den Anschlag von Salisbury

Der russische Präsident Wladimir Putin mit seinem ehemaligen Haupt-Wirtschaftsberater Andrei Illarionov (Getty)

Ein ehemaliger Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin sagte, dass der Kreml für die Ausführung des Giftgasanschlags von Salisbury einen „expliziten Auftrag“ gegeben hätte.

In einem Interview mit Yahoo UK sagte Andrei Illarionov, dass alternative Theorien über die Vergiftung von Sergei und Yulia Skripal, die gestern aus dem Krankenhaus entlassen wurde, „Schwachsinn“ seien.

Und er warnte, dass die Sanktionen, die bisher gegen Russland verhängt worden seien, „nicht genug“ sind, um eine Wiederholung dessen zu verhindern, was er eine „terroristische Handlung“ nennt.

Illarionov war fast sechs Jahre lang der Wirtschaftsberater von Putin und der Vertreter Russlands bei den G8.

Er legte diese Ämter 2005 nieder und sagte, Russland, sei „nicht länger ein demokratisches Land“ und wurde ein prominentes Mitglied der Oppositions-Bewegung.

Der Ökonom, der jetzt für einen Think Tank in den USA arbeitet, sprach mit Yahoo UK während eines Besuchs beim Europäischen Parlament, wo er an einer Konferenz teilnahm, die von einem konservativen Abgeordneten organisiert worden war.

Er sagte: „Basierend auf meinem Wissen über das System und wie Entscheidungen getroffen werden, schließe ich die Möglichkeit einer Initiative [für den Angriff] aus den „Reihen“ – von Leuten des Geheimdienstes – aus, wenn diese keinen eindeutigen Befehl, Erlaubnis oder ein sehr deutlich ausgedrücktes Verlangen, dies zu tun, erhalten haben. Es ist einfach nicht möglich.

„Ehrlich gesagt, muss es dafür eine Entscheidung der obersten Person geben.“

„In den Zeiten der Sowjetunion waren Liquidierungen von Personen, die auswanderten, eine Entscheidung, die an höchster Stelle der ehemaligen Sowjetunion getroffen wurde.“

„Ich habe keinerlei Veranlassung anzunehmen, dass sich dies jetzt geändert hat, dass es ein Level irgendwie unkontrollierter… irgendwelcher Veteranen des Geheimdienstes ist. Das ist einfach Schwachsinn.“

Andrei Illarionov 2005 bei einer Rede in London, seinem letzten Jahr als Haupt-Wirtschaftsberater für Präsident Putin. (Getty)

Präsident Putin sagte, es sei „Blödsinn, Geschwätz, Nonsens“, Russland für die Vergiftungen verantwortlich zu machen.

Illarionov sagte, die Vehemenz der Leugnung seines ehemaligen Chefs sei „verständlich“.

„Es ist nicht nur ein Verbrechen, es ist ein terroristischer Akt”, sagte er. „Deshalb verstehen Putin und der Kreml sehr gut, dass sie es nicht akzeptieren oder anerkennen können, dass sie dafür verantwortlich sein sollen.“

Die Regierungschefs aller EU-Staaten stimmten vor Kurzem der Einschätzung der britischen Regierung zu, dass es „keine plausible alternative Erklärung” für den Angriff gebe als die russische Verantwortung dafür.

In der Folge wiesen 18 EU-Länder sowie die USA; Kanada, Australien und sechs weitere nicht EU-Länder über 150 russische Diplomaten aus.

Illarionov sagte, die Reaktion habe Putin „enttäuscht” und seiner Überzeugung widersprochen, dass der Brexit Europa schwach gemacht und gespalten habe.

„Es scheint, als habe der Brexit nicht die Wirkung erzielt, die Putin erwartet habe“, sagte er.

Aber er warnte davor, dass die Ausweisung von Diplomaten „nicht genug” sei und forderte weitere „ernsthaftere“ Sanktionen.

Er sagte: „Es obliegt den westlichen Regierungen zu entscheiden, was zu tun ist. Ihr Versäumnis, die Vergiftung von Alexander Litvinenko, die Gewalt gegen Georgien vor zehn Jahren und in der Ukraine vor vier Jahren deutlich anzusprechen, ermöglichte diesen Giftanschlag.

„Weil der Westen nicht auf diese Angriffe reagiert, gibt er dem Kreml eine Gelengenheit – tatsächlich eine Einladung –, weiter und weiter zu gehen und immer aggressiver vorzugehen.“

„Deshalb kann man mit weiteren Angriffen rechnen, wenn es in diesem Fall keine oder nur eine schwache Reaktion gibt. Das Ausbleiben einer Reaktion bedeutet, dass es weitere Angriffe geben wird.“

Luke James