Yahoo Deutschlands Person des Jahres: Dunja Hayali

Jan Rübel
Reporter bei Zeitenspiegel Reportagen
Dunja Hayali macht sich nicht nur vor der Kamera für ihre Werte stark (Bild: ddpa images)

Mein persönliches Lieblingswort des Jahres ist “Augenhöhe”. Einem Menschen gelang dies 2017 besonders gut: Dunja Hayali.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Wer hoch oben steht, kann tief fallen. Oder davonfliegen, jedenfalls für die Mitmenschen ein abgehobener Typ werden. Der Fernsehmoderatorin Dunja Hayali ist der Eindruck gelungen, dass sie eher auf dem Teppich bleibt.

Ich habe mich öfters gefragt, wie solch ein Scheinwerferlicht aufs Leben wirkt. Wie es ist, wenn viele eigene Schritte vor den Augen Anderer stattfinden, das Private oft fern und Gefühle schwer versteckbar sind. Wahrscheinlich irre ich mich kolossal, aber der Journalistin Hayali scheint dies wenig auszumachen. Sie macht sogar das Beste daraus, sie nutzt ihre Bekanntheit für zweierlei: Zum einen versucht sie, Menschen, Ideen und Umstände besser zu verstehen und zum anderen zeigt sie ihr Gesicht nicht nur in die Kameras des “Morgenmagazins”, sondern auch für Werte wie Mitmenschlichkeit, Solidarität, eben Antirassismus. Leicht ist das sicher nicht, dieser Wechsel zwischen Gegen- und Rückenwind kann auch nerven. Nur ein einziger Versprecher im Fernsehen zum Beispiel, und Hayali kann sich einer Tage andauernden Häme und Hetze sicher sein.

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Hayalis Wirken vor und hinterm Bildschirm ist ein Segen für das Land. Denn der Ton ist nicht nur rauer geworden, zuweilen liegt ein stetes Sturmtief über den Gesprächen; vor allem in den Sozialen Medien. An dieser Stelle fehlt mir die Lust, in den bekannten Jammerton darüber zu verfallen, wie sich Hetze durch die demokratischen Möglichkeiten des Netzes seine eigenen Salons baute, obwohl er an Richtigkeit nichts verloren hat. Drücken wir es nach vorn gewandt aus: Gemeinsame Augenhöhe ist Ausdruck von Neugierde und Respekt. Davon können wir eine Menge gebrauchen, unabhängig von der jeweiligen politischen Meinung.

Ein Hoch auf den fairen Wettbewerb

Hayali gelingt dies. Sie wehrt sich in den Sozialen Medien gegen hassende Typen und bringt immer wieder Gedankenanstöße. “Einmal kurz Stopp”, heißt es dann in ihrem Post, wenn sie mal wieder daran erinnert, dass Menschen keine Zahlen sind – wie bei der Debatte um den Familiennachzug von Geflüchteten. Was sie anfasst, wirkt leicht. Es ist möglich, sich kennenzulernen, signalisiert Hayali, man kann und soll sich streiten, ohne mit Beulen am Kopf davonzuwanken. Schließlich ist Demokratie ein Wettstreit der Ideen, der in letzter Zeit den Lautstarken, die nicht unbedingt mit den besten Argumenten aufwarten, leider zu vermehrten kurzfristigen Erfolgen verhalf, Stichwort soziale Medien.

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Hayali ist das gelebte Gegenprinzip zu Fake News. Sie sieht ihren Job als Chronistin und lässt die Öffentlichkeit an ihren Erfahrungen teilhaben. Gräben scheinen sie anzuziehen: Was trennt Modernisierer von Traditionalisten, wer sind wir und wer seid ihr? Was macht Deutschland aus? Hayali sucht den Dialog mit Andersdenkenden, vielleicht kann man ja noch was lernen, denkt sie womöglich auch über sich. Genau solche Fragezeichen offenbaren eine Haltung. Darin ist Hayali ein Vorbild und die Person des Jahres 2017.