Yachtbauer Bavaria ist pleite

Seit Jahren ist die Werft überschuldet, nun ziehen die Investoren die Reißleine: Der fränkische Yachtbauer Bavaria muss Insolvenz anmelden.


Einer der größten deutschen Yachtbauer ist pleite: Bavaria Yachtbau hat Insolvenz angemeldet, wie das Unternehmen aus dem unterfränkischen Giebelstadt bestätigte. Die Bavaria-Gruppe, zu der auch eine Katamaran-Werft in Frankreich gehört, hat rund 700 Mitarbeiter, 600 davon in Giebelstadt.

Trotz der Insolvenz soll die Produktion weiter aufrecht erhalten werden, sagte ein Sprecher: „Das Ziel ist natürlich, auch in Zukunft weiter Yachten zu bauen.“ Bavaria setzte zuletzt 112,3 Millionen Euro um, vor allem mit Segelyachten und Motorbooten.

Besonders bei den Segelyachten musste Bavaria Umsatzeinbußen hinnehmen, die das Unternehmen nicht vollständig aus zusätzlichen Erlösen bei Motoryachten und Katamaranen kompensieren konnte. Dabei hat sich die Wassersportbranche vom Einbruch in der Finanzkrise längst erholt und boomt mittlerweile.


Bavaria war schon länger in erheblicher finanzieller Schieflage – im Geschäftsjahr 2015/2016 wies der Konzern ein negatives Eigenkapital von mehr als 200 Millionen Euro aus, wie aus dem Geschäftsbericht des Unternehmens hervorgeht.

Auch operativ lief es nicht rund: In den vergangenen drei Geschäftsjahren klaffte eine Lücke in Millionenhöhe in der Kasse von Bavaria. Die Produktion von Yachten wurde bislang nur durch immer neue Darlehen der Eigentümer gesichert.

2007 hatte der Finanzinvestor Bain Capital die Bavaria-Werft übernommen, laut dem Portal Segelreporter für einen Betrag von angeblich 1,1 Milliarden Euro. Finanziert wurde der Deal vor allem über die Aufnahme von Schulden durch Bavaria.

Zwei Jahre später übernahmen die heutigen Gesellschafter Anchorage und Oaktree die Mehrheit der Anteile an Bavaria – und verzichteten auf 90 Prozent der Schulden. Doch trotz eines Sanierungsprogramms schaffte Bavaria nicht den Sprung zurück in die Profitabilität.


Noch im Herbst 2017 zeigte sich das Bavaria-Management um Geschäftsführer Lutz Henkel zuversichtlich, dass das Geschäft fortgeführt werden kann. Zwar sei absehbar, dass Bavaria die Schulden von über 200 Millionen Euro nicht aus eigener Kraft zurückzahlen könne, heißt es im Geschäftsbericht des Unternehmens weiter.

Doch nach Gesprächen mit den Eigentümern gehe man davon aus, dass die Investoren noch bis März 2019 an Bord bleiben. Bis dahin sollte Bavaria saniert oder weiterverkauft werden.

Und so leistete sich Bavaria auf der wichtigsten Fachmesse, der Düsseldorfer Boot, Anfang des Jahres noch einen opulenten Messestand, inszenierte die „Weltpremiere“ einer 65-Fuß-Yacht (knapp 20 Meter) und versuchte sich als Premium-Yachtbauer zu positionieren.

Doch nun waren die Investoren nicht länger bereit, die finanzielle Misere bei Bavaria mitzutragen: Man habe das Unternehmen mit „erheblichen Ressourcen unterstützt“, heißt es in einer Stellungnahme der Investoren Anchorage und Oaktree. „Bedauerlicherweise ist es Bavaria Yachtbau jedoch nicht gelungen, wieder zu operativer Profitabilität zurückzufinden.“

Daher seien die beiden Hauptgesellschafter jetzt zu dem Schluss gekommen, dass eine Restrukturierung in Eigenverwaltung der einzig erfolgversprechenden Weg für Bavaria und seine Beschäftigten sei. Dafür sei der Restrukturierungsexperte Tobias Brinkmann in die Geschäftsleitung berufen worden.

Bavaria-Chef Henkel musste bereits vergangene Woche gehen, wie das Unternehmen am Montagabend bestätigte. Die Insolvenz in Eigenregie hat das Amtsgericht Würzburg am Montag genehmigt. „Der Werftbetrieb wird in den nächsten Monaten nahtlos fortgeführt“, erklärte Bavaria.

Die Gehälter der Mitarbeiter seien bis einschließlich Juni 2018 gesichert. „Oberste Priorität genießt jetzt die Suche nach einem Investor“, heißt es in einem Bavaria-Statement. Dabei wolle man sowohl strategische Investoren, als auch Finanzinvestoren ansprechen.