Yücel fordert fairen und schnellen Prozess in der Türkei

Der in der Türkei inhaftierte Journalist Deniz Yücel hat von der türkischen Justiz einen fairen und schnellen Prozess gefordert. "Ich will einen fairen Prozess. Und den am besten gleich morgen", sagte Yücel der Zeitung "taz". Die Fragen beantwortete er nach Angaben der Zeitung schriftlich über seine Anwälte.

Yücels Anwälte haben beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) Beschwerde gegen seine Inhaftierung eingelegt. Die Türkei hat dem Bericht zufolge noch bis zum 28. November Zeit für eine Stellungnahme.

"Nach all der Verschleppungstaktik der türkischen Seite hoffe ich, dass der Gerichtshof nun zügig handelt", erklärte Yücel. "Also, dass der Gerichtshof für die überschaubare Anzahl von Journalisten und Abgeordneten, deren Klagen er bevorzugt zu behandeln beschlossen und in deren Fällen er die türkische Regierung zur Stellungnahme aufgefordert hat, ein Urteil zur Inhaftierung spricht."

Danach werde er gespannt sein, ob die türkische Regierung ein Urteil aus Straßburg zur Haftentlassung befolge, fügte Yücel hinzu.

Der "Welt"-Korrespondent sitzt bereits seit dem 14. Februar in Haft. Der deutsch-türkische Journalist hatte sich damals freiwillig der Polizei in Istanbul gestellt. Ihm werden "Terrorpropaganda" und "Volksverhetzung" vorgeworfen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete ihn wiederholt als deutschen "Spion" und "Agenten" der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Mehrere Anträge Yücels auf Freilassung wurden abgewiesen - zuletzt am 29. März vom türkischen Verfassungsgericht. Daraufhin wandte sich der Journalist an den Gerichtshof für Menschenrechte. Er wirft der Türkei unter anderem Verstöße gegen sein Recht auf Freiheit und gegen das Grundrecht auf Pressefreiheit vor.

Yücel äußerte sich gegenüber der "taz" auch über seine Haftbedingungen. "Isolationshaft ist Folter. Auch wenn ich eigentlich guter Dinge bin, kann ich nicht absehen, welche langfristigen Folgen das haben wird."

Der Journalist freut sich nach eigenem Bekunden über die Anteilnahme in Deutschland. Obwohl noch immer keine Anklageschrift vorliege, wisse er, weshalb er eingesperrt sei: "Weil ich, so meine ich, mir einbilden zu können, meinen Job als Journalist ordentlich gemacht habe." Und obwohl er in Einzelhaft sitze, wisse er - "dank der vielen Menschen, die sich für mich und für meine inhaftierten Kollegen einsetzen, dass ich nicht alleine bin. Das hilft mir sehr."

Immer wieder hatten Unterstützer Yücels Autokorsos, Konzerte und Kundgebungen organisiert. Derzeit befinden sich nach Angaben der Bundesregierung neben Yücel noch acht deutsche Staatsangehörige aus politischen Gründen in der Türkei in Haft. Ende Oktober war der Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner freigekommen und nach Deutschland zurückgekehrt. Der Prozess wegen angeblicher Terrorvergehen gegen ihn läuft in der Türkei aber weiter.