Xing kauft zu

Innerhalb einer Woche verkündet das deutsche Karrierenetzwerk Xing den zweiten großen Zukauf. Die Burda-Tochter übernimmt Internations, das größte Netzwerk für Expats weltweit. Was hinter der Kauflaune steckt.


Der deutsche Markt ist nicht genug: Das Karrierenetzwerk Xing übernimmt für rund 10 Millionen Euro InterNations, das nach eigenen Angaben größte Netzwerk für Berufstätige im Ausland. Die Burda-Tochter setzt damit auf die Expansion, wird Xing nun doch international?

2007 von Malte Zeeck und Philipp von Plato gegründet, hat Internations heute mehr als 2,7 Millionen Mitglieder und ist in rund 390 Städten weltweit vertreten. Das Netzwerk richtet sich an die sogenannten Expats, also Arbeitnehmer, die von ihrem Unternehmen für eine gewisse Zeit ins Ausland geschickt werden. Internations bietet seinen Mitglieder die Möglichkeit sich untereinander zu vernetzen – zum Beispiel auch bei Fragen zur Wohnungssuche oder Behördengängen. Mit mehr als 6.000 sogenannten „Ambassadors“ und „Consuls“ vernetzt die Plattform auch offline seine Nutzer: Die ehrenamtlichen Ansprechpartner vor Ort fungieren als Ansprechpartner für andere Mitglieder und organisieren Veranstaltungen.

Denn darauf setzt Internations abseits der digitalen Vernetzung: Rund 50.000 Events mit insgesamt 1,5 Millionen Teilnehmern hat das Netzwerk nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr veranstaltet. Ein Bereich, der auch Xing interessiert: „XING verstärkt sich mit einem internationalen Spezialisten für lokales Offline-Netzwerken“, teilt Xing-Chef Thomas Vollmoeller mit. Denn auch die Burda-Tochter setzt verstärkt auf die Vernetzung abseits digitaler Sphären: Mit Veranstaltungen wie der „New Work Experience“ will sich Xing auch analog als Vernetzer etablieren.


Für Internations zahlt das Unternehmen rund 10 Millionen Euro. Bei Erreichung der operativen Ziele kann bis 2020 zusätzlich ein „Earn Out“ in einem erwarteten Rahmen von 8 bis 20 Millionen Euro erzielt werden, teilt Xing mit. Die Gründer Zeeck und Plato sollen auch künftig an Bord bleiben. Das Facebook für Expat ist profitabel und steigert seine Erlöse mit zweistelligen Wachstumsraten. Für 2018 strebe Internations einen Umsatz im niedrigen zweistelligen Millionenbereich an, teilt Xing mit.

Will Xing nun also doch sein Angebot global ausrollen? Nein, teilt das Unternehmen mit. Das Karrierenetzwerk konzentriere sich weiter auf den deutschsprachigen Markt. Internations wird auch deshalb unter der eigenen Marke weitergeführt. Es geht also nicht darum, Xing selbst ins Ausland zu bringen, wohl aber Angebote, die für ausländische Märkte durchaus interessant sein könnten. In den Vereinigten Staaten erprobt Xing das derzeit mit einer anderen Tochter, der Arbeitgeberbewertungsplattform Kununu.

Dabei agiert Xing aus einer Position der bilanziellen Stärke: Im ersten Quartal 2017 stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent auf rund 42 Millionen Euro. Beim Mitgliederwachstum sah es ähnlich aus: Im März hatte das Karrierenetzwerk die Marke von zwölf Millionen Mitgliedern geknackt. Im ersten Quartal kamen 567.000 neue hinzu – ein Rekord. Der Gewinn konnte da nicht ganz mithalten: Mit 5,1 Millionen lag er leicht unter dem Vorjahresniveau von 5,3 Millionen Euro. Grund waren allerdings planmäßige Investitionen.


Größter Wachstumstreiber für Xing ist der Bereich E-Recruiting, da legte das Karrierenetzwerk mit einem Kauf nach: Wie Anfang dieser Woche bekannt gegeben wurde, übernimmt Xing Prescreen, den Anbieter des gleichnamigen Bewerbermanagementsystems – für einen Basiskaufpreis von 17 Millionen Euro. Prescreen ist ein Systemanbieter für Bewerber- und Talentmanagement. Personalsuchende können den gesamten Prozess von der Vakanz bis hin zur Einstellung eines Kandidaten managen.

So können sie etwa Stellenanzeigen auf der eigenen Karriereseite sowie in Netzwerken und Stellenbörsen verbreiten, Bewerbungen dokumentieren und nach relevanten Kriterien sortieren, einen Talentpool für die Besetzung künftiger Vakanzen anlegen und sogar Assessments durchführen, um die Eignung von Kandidaten zu überprüfen, erklärt Xing. Den Anbieter nutzen bereits 350 Unternehmen, darunter Beiersdorf, Ströer oder Unicredit Bank Austria. Prescreen gewinne jeden Monat eine zweistellige Zahl von Neukunden hinzu, teilte Xing mit.



KONTEXT

Welche Facebook-Dienste die Deutschen nutzen

Mehr als "Gefällt mir"

Facebook ist nicht nur eine Internetseite oder eine App. Das soziale Netzwerk wurde in den vergangenen Jahren kräftig erweitert. Die bekanntesten Teile sind der Facebook Messenger, Instagram und Whatsapp. Das Statistik-Portal Statista hat die Deutschen gefragt, welche Dienste und Produkte sie mindestens gelegentlich nutzen.

Facebook allgemein

72 Prozent nutzen das Social Media Portal. Dabei ist der Unterschied zwischen Männern (73 Prozent) und Frauen (71 Prozent) gering.

Facebook Messenger

Den Facebook-Nachrichtendienst nutzen 43 Prozent der Befragten - Männer wie Frauen.

Instagram

Den Online-Dienst Instagram zum Teilen von Fotos und Videos nutzen 26 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen.

Whatsapp

Den Instant-Messaging-Dienst, der seit dem Jahr 2014 zu Facebook gehört, wird 70 Prozent der Befragten genutzt. Mit 71 Prozent männlichen und 70 Prozent weiblichen Nutzern sind die Unterschiede bei den Geschlechtern gering.