Wird Xiaomi der größte Tech-Börsengang 2018?

Motley Fool Investmentanalyst

Der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi könnte sich auf einen Börsengang im nächsten Jahr vorbereiten, wie neulich bei Bloomberg zu lesen war. Dieser könnte dafür sorgen, dass Xiaomi mit über 50 Milliarden Dollar bewertet wird, über der Bewertung von 46 Milliarden Dollar nach der letzten Finanzierungsrunde im Jahr 2014. Das ist allerdings immer noch weit unter der 100-Milliarden-Dollar-Bewertung, die einige von Xiaomis Führungskräften angestrebt hatten. Dennoch würde es sich um einen der größten Technologie-IPOs in der Geschichte handeln.

Alibaba (WKN:A117ME) hält noch immer diesen Titel aus dem Jahr 2014, als das Unternehmen mit einem Wert von 167 Milliarden Dollar bewertet wurde. Facebook (WKN:A1JWVX) liegt mit 104 Milliarden Dollar an zweiter Stelle, während Snap (WKN:A2DLMS) mit 24 Milliarden Dollar an dritter Stelle rangiert. Somit könnte Xiaomi Snap übertreffen und zum drittgrößten Tech-IPO der Geschichte werden.

Aber wird Xiaomi ähnlich Alibaba und Facebook seine ersten Anleger belohnen, oder wird das Unternehmen ihnen Sorgen bereiten – wie Snap? Dazu werfen wir einen genaueren Blick auf das Kerngeschäft von Xiaomi, die Wachstumsraten und seine deutlichsten Stärken und Schwächen.

Wie verdient Xiaomi Geld?

Das 2010 gegründete Unternehmen Xiaomi hat sein Geschäft auf den Verkauf von Smartphones mit Hardware im mittleren und oberen Marktsegment zu günstigen Preisen aufgebaut. Anfangs verkaufte das Unternehmen seine Geräte nur online, um günstigere Endpreise bieten zu können. Die Marketingausgaben setzten stark auf Mundpropaganda und Social Media-Kampagnen.

Diese margenschwache aber volumenstarke Strategie hat sich ausgezahlt. Xiaomi ist heute laut der neuesten Zahlen von IDC der fünftgrößte Smartphone-Hersteller der Welt. Samsung (WKN:881823) und Apple (WKN:865985) belegen die ersten beiden Plätze, während Xiaomis chinesische Rivalen Huawei und Oppo die Plätze drei und vier belegen.

In den letzten Jahren verlor Xiaomi Marktanteile an Huawei und Oppo, die beide die Taktiken von Xiaomi kopierten und Xiamis geringe Verbreitung in ländlichen Gegenden ausnutzten, bevor sie sich dann auf preiswertere Geräte konzentrierten. Xiaomi schlug jedoch mit einer breiten Palette an Geräten zurück, die von den beliebten Low-End-Redmi-Geräten bis hin zu den höherwertigen Mi-6- und Mi-Mix-2-Telefonen reichten. Xiaomi hat auch aggressiv in Indien expandiert, wo man vor kurzem zu Samsung als Nummer eins der Smartphone-Hersteller aufschloss.

Mehr als nur Smartphones

Allerdings ist der Smartphone-Markt immer noch ein stark gesättigter Markt, und verschiedene Berichte besagen, dass lediglich Apple und Samsung ihre Handys mit Gewinn verkaufen.

Um sich von dem margenschwachen Geschäft mit der Hardware zu lösen, hat Xiaomi Software-Services via der MIUI-Version von Android eingeführt. Darüber hinaus wurde das Hardware-Portfolio um Smart TVs, angeschlossene Haushaltsgeräte, Wearables, Audiogeräte und mobiles Zubehör erweitert. Um diese Produkte anständig zu präsentieren, plant das Unternehmen, bis 2019 rund 1.000 „Mi Home“-Läden zu errichten, was in etwa einer Verdoppelung der aktuellen Apple-Stores entspricht, die es derzeit weltweit gibt.

Das Unternehmen lancierte auch die Xiaomi IoT (Internet of Things)-Plattform – eine eigene Plattform für IoT-Geräte, die bereits über 400 Hardware-Partner angezogen hat. Xiaomi behauptet, dass diese Plattform mit 85 Millionen angeschlossenen Geräten bereits die größte IoT-Hardwareplattform der Welt ist.

Wie schnell wächst Xiaomi?

Der Umsatz von Xiaomi stieg um 5 % auf 78 Milliarden Yuan (11,8 Milliarden Dollar) im Jahr 2015. Man verkaufte 70 Millionen Smartphones im Laufe des Jahres, verfehlte aber das gesetzte Ziel von 80 Millionen Geräten. Man verbuchte zudem einen Verlust von über 1 Milliarde Yuan (151 Millionen Dollar).

Xiaomi hat nach diesem Bericht keine weiteren jährlichen Wachstumszahlen offengelegt, also tappen wir im Dunkeln, wie es 2016 gelaufen ist. Wir wissen, dass Xiaomi Marktanteile bei Smartphones zurückgewonnen und dass es seine Software-Dienstleistungen erweitert hat, aber es steht zu bezweifeln, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr profitabel geworden ist.

Andererseits erwartet Xiaomi, dass im nächsten Jahr 100 Millionen Smartphones ausgeliefert werden – ein Ziel, das man eigentlich schon vor Jahren inmitten dem Konkurrenzkampf mit Huawei, Oppo und Vivo aufgegeben hat. Aber es ist nach wie vor kein einfaches Ziel.

Lohnt sich die Investition in den Börsengang von Xiaomi?

Wenn man davon ausgeht, dass Xiaomi mit einer Marktbewertung von 50 Milliarden Dollar an die Börse geht, würde es mit dem 4,2-fachen seines Umsatzes von 2015 bewertet werden. Nimmt man optimistischerweise an, dass der Umsatz im Jahr 2016 um 10 % auf 13 Milliarden Dollar gestiegen ist, würde das Unternehmen mit dem 3,8-fachen des Umsatzes gehandelt.

Diese Verhältnisse sind nicht astronomisch, aber sie sind hoch für ein unrentables Unternehmen mit einem Umsatzwachstum von 5 % bis 10 %. Aber sollten diese Zahlen höher liegen, wenn Xiaomi den Börsengang beantragt, könnten Investoren schon Interesse zeigen.

Allerdings könnte dann auch Xiaomi harten Gegenwind bekommen. Denn Alibaba und Facebook haben beide riesige USPs, eine wichtige Sache, die Xiaomi – wie auch Snap – nach wie vor fehlt.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple und Facebook.

Dieser Artikel von Leo Sun erschien am 18.12.17 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Kollegen an der Diskussion teilnehmen können.

Motley Fool Deutschland 2017