WWF: 115 neue Arten im Mekong-Gebiet entdeckt

Neu entdeckte Krokodilschwanzechse

Eine Krokodilschwanzechse und eine Schneckenfresser-Schildkröte gehören zu den 115 mitunter skurrilen Arten, die im vergangenen Jahr in der Mekong-Region in Südostasien neu entdeckt wurden. Wie die Umweltorganisation WWF am Dienstag unter Berufung auf die Arbeit von hunderten Wissenschaftlern aus aller Welt mitteilte, zählen zu den Neuentdeckungen elf Amphibien, zwei Fische, elf Reptilien, 88 Pflanzen und drei Säugetiere aus Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam.

"Im Schnitt wurden am Mekong im letzten Jahr jede Woche zwei neue Arten entdeckt und rund 2500 in den letzten 20 Jahren", erklärte WWF-Artenschutzexperte Arnulf Köhncke in Berlin. Dies lasse "erahnen, mit was für einem unglaublichen Artenreichtum wir es in der Region zu tun haben".

Kaum entdeckt sind viele der neuen Arten laut WWF bereits bedroht. "Leider haben wir es am Mekong mit einem fürchterlichen Raubbau an der Natur zu tun", kritiserte Köhncke. Seit den 70er Jahren würden dort jährlich etwa 1,3 Millionen Hektar Wald durch illegalen Holzeinschlag zerstört.

Außerdem seien derzeit rund 150 Wasserkraftwerke geplant, die den Lebensraum zahlloser Wasserlebewesen zu zerstören oder zerschneiden drohten. "Viele weitere Arten könnten so aussterben, bevor wir überhaupt von ihrer Existenz erfahren", warnte der WWF-Experte.

Die neu entdeckte vietnamesische Krokodilschwanzechse, deren Artenname in der Fachsprache Shinisaurus crocodilurus vietnamensis lautet, ist eine mittelgroße Schuppenechse, die in abgelegenen und immergrünen Wäldern von Südchina und Nordvietnam lebt. Sie ist laut WWF stark bedroht durch die Zerstörung ihres Lebensraumes, insbesondere durch Kohleabbau, und die Jagd auf sie für den Lebend-Tierhandel. Von der Art gebe es schätzungsweise nur noch 200 Exemplare.

Die Schneckenfresser-Schildkröte (Malayemys isan) wurde nicht etwa in einem Fluss oder Wald entdeckt, sondern auf einem Markt im Nordosten Thailands. Einem Wissenschaftler fiel das besondere Tier auf. Die Art ist laut WWF vor allem durch den Bau von Straßen, Deichen und Dämmen bedroht. Auch die Berghufeisennase (Rhinolophus monticolus) wurde als neue Art bestimmt. Die Fledermaus mit der hufeisenförmigen Nase könnte Teil der "Star Wars"-Besetzung sein, scherzten die Tierschützer.