Neue Wendung in Undertaker-Posse

Martin Hoffmann
Rusev und Lana (r.) führten die WWE-Fans mit ihrer Reaktion auf das geplatzte Undertaker-Match in die Irre

Ja, nein, doch: Wenige Tage nach der Posse um den nächsten Kampf des legendären Undertaker macht WWE die Verwirrung perfekt.

Anstelle von Chris Jericho ist nun doch Kultstar Rusev, sondern Chris Jericho beim ersten Undertaker-Match nach WrestleMania 34 dessen Gegner.

Zuvor waren Rusevs Fans Opfer eines ziemlich raffinierten PR-Streich geworden - bei dem sie sogar um die WWE-Karriere ihres Lieblings zitterten.


Rusev mit doppeldeutigem Tweet

Von Anfang an: Am Mittwoch hatte WWE die ursprüngliche Kampfansetzung für den Greatest Royal Rumble in Saudi-Arabien verkündet, unter anderem via Twitter.

Rusev reagierte mit einem Retweet - über den er schrieb "Bury me softly, brother." Begrab mich sanft, Bruder.


Das war einerseits etwas flapsig dafür, dass WWE den Undertaker ansonsten als ernsthaften Charakter handhabt. Andererseits war in diesem Tweet auch doppeldeutiger Sarkasmus herauszuhören.

Man muss wissen: Das Wort "bury" beschreibt im Wrestling-Jargon auch das Szenario, dass ein Wrestler von seinem Gegner so klar besiegt oder verprügelt wird, dass sein Charakter nachhaltig beschädigt wird. Genau das hätte Rusev von seinem Match erwarten können.

Unfreundliche Worte über den Undertaker

Was ebenfalls für Wirbel sorgte: Rusev und Lana gaben auch dem Boulevard-Portal TMZ ein Video-Interview zum Undertaker-Match - stilecht auf der Straße, vor ihrem geparkten Sportwagen.


Rusev kündigte dort einen klaren Sieg über den Undertaker an und bemerkte außerdem, dass sein 53 Jahre alter Gegner "ein bisschen der Vergangenheit angehöre".

TMZ spitzte das auf die uncharmante Überschrift "CRUSH His Old Ass!" zu. Auch das sorgte im Netz für Irritationen - auch wenn Michelle McCool, Ehefrau des Undertakers, sich bei Twitter zu Wort meldete und klarstellte, dass weder Rusev noch Lana diesen Satz gesagt hatten.


Alles war von WWE geplant

Kurz darauf änderte WWE das Undertaker-Match - und Rusev deutete weitere Konsequenzen an. Er entfernte seinen Kampfnamen und alle Bezüge zu WWE aus seinen Social-Media-Profilen und lud eine E-Mail-Adresse für Auftrittsanfragen hoch. Das übliche Verhalten von Wrestlern, die aus ihrem WWE-Vertrag entlassen worden sind.


Wer Rusev kennt, konnte da schon einen anderen Verdacht schöpfen. Mittlerweile hat er sich bestätigt: Nicht nur, dass WWE auf Nachfrage von Sports Illustrated klarstellte, dass Rusev keineswegs entlassen ist.

Dem Wrestling Observer zufolge diente die gesamte Aktion nur dazu, für Gesprächsstoff zu sorgen. Ausgeheckt hätten sie Rusev - der berüchtigt für seine Social-Media-Verwirrspiele ist - mit WWE gemeinsam.

Kult um den "Rusev Day"

Rusev hat sich in den vergangenen Monaten bei WWE zu einem Kult-Phänomen entwickelt: Ein Segment nach dem SummerSlam 2017, bei dem der angebliche Bürgermeister seiner bulgarischen Heimatstadt den Tag zum "Rusev Day" erklärte, hat sich zu einem erfolgreichen Running Gag entwickelt.

Rusevs Behauptung, dass an jedem Tag "Rusev Day" wäre, ist bei den Fans zum Renner geworden.


Der 33-Jährige (bürgerlich: Miroslav Barnyashev) ist de facto vom Bösewicht zum Publikumsliebling geworden, seine Fanartikel sollen aktuell reißenden Absatz finden, ständig rufen WWE-Fans bei den Shows "Rusev Day".

Nach der letzten Ausgabe von SmackDown Live wurden die Rufe bei YouTube herauseditiert - auch das offenbar Teil der großen Täuschung.

Obwohl WWE Rusevs Fans zuletzt immer wieder mit Niederlagen enttäuschte, scheint die Liga das besondere Talent seines aktuellen Charakters durchaus erkannt zu haben.

Nun tritt er doch gegen den Undertaker an - und auch auf seinen Social-Media-Profilen ist wieder alles beim Alten.