WWE-Star, Polit-Superhirn: Kanes irres Doppelleben

Martin Hoffmann
Als maskierter Kane prügelt sich Glenn Jacobs durch WWE, im wahren Leben strebt er eine Politiker-Karriere an

50 Jahre ist WWE-Star Kane mittlerweile alt, seit über 20 Jahre verbreitet er in der Rolle als Wrestling-Monster Angst und Schrecken - und hat offensichtlich noch nicht genug.

In der Nacht zum Dienstag feierte die "Big Red Machine" ihr Comeback bei der TV-Show Monday Night RAW, attackierte Roman Reigns und tritt nun bei der Großveranstaltung TLC als einer von fünf Widersachern gegen The Shield an.


Es war nach zehn Monaten Ringpause sein erster WWE-Auftritt in diesem Jahr, in der sich der Story-Bruder des Undertaker auf eine zweite Karriere konzentrierte: als Politiker und Bürgermeister-Kandidat.

Kane-Darsteller will Bürgermeister werden

Glenn Jacobs, wie Kane im richtigen Leben heißt, bewirbt sich als Bürgermeister der Region Knox County um seine Heimatstadt Knoxville in Tennessee - ohne Maske, versteht sich.


Kanes schlagzeilenträchtige Rückkehr auf die WWE-Bühne wird der Kampagne nicht schaden, als PR-Gag ist die Kandidatur des über 130 Kilo schweren Zwei-Meter-Hünen aber nicht zu verstehen: Jacobs - der im Ring Plateaustiefel trägt, um noch größer zu wirken - tut sich seit Jahren als politischer Kopf hervor.

Jacobs hängt dem Libertarismus an, einer radikalen Denkrichtung, die letztendlich für die Abschaffung aller staatlichen Regulierungen zu Gunsten einer freien Wirtschaftsordnung streitet.

Jacobs vertrat seine Ansichten als Blogger, Redner und als Unterstützer des libertären Präsidentschaftskandidaten Ron Paul im Jahr 2008. Im März 2017 verkündete er seine Bürgermeister-Kandidatur für die Republikanische Partei, verspricht niedrige Steuern und umsichtige Wirtschaftspolitik.


Ein anderer WWE-Star wurde Gouverneur

Wer Kane nur als maskierten Schläger und seinen Ausflügen als Horror-Darsteller ("See no Evil") kennt, wird ihn als Wahlkämpfer - offizielles Kampagnen-Auto: ein Smart - kaum wieder erkennen.

Der Mann hinter der Maske ist hochintelligent, hat einen Uni-Abschluss in Literatur, Ex-Partner Daniel Bryan bezeichnete ihn als "smartesten Menschen, den ich kenne".


Jacobs ist nicht der erste Showkämpfer, den es in die Politik zieht: Erfolgreichstes Vorbild war Jesse "The Body" Ventura, der es bis zum Gouverneur von Minnesota brachte.

Und auch US-Präsident Donald Trump hat ja eine Wrestling-Vergangenheit, für seine Gastauftritte in bei WWE nahm ihn Promoter und Geschäftsfreund Vince McMahon sogar in die Hall of Fame der Liga auf. McMahons Ehefrau Linda sitzt nun als Leiterin einer Wirtschaftsförderungsbehörde in Trumps Kabinett.


Auch im Bundestag saß ein Wrestler

Typisch Amerika? Nicht ganz, auch in Japan nutzten Wrestling-Stars wie Antonio Inoki und Great Sasuke ihre Popularität für eine politische Zweitkarriere.

Und auch in Deutschland saß bis vor kurzem ein Ex-Wrestler für die SPD im Bundestag: Der Husumer Matthias Ilgen, einst als adliger Schurke "Matthias Rüdiger Freiherr von Ilgen" im Ring aktiv.


Vor einem Monat verlor er sein Mandat, trotz eines denkwürdigen Wahlplakats, in dem er mit einer Axt auf einen Baum mit Trumps Gesicht einzuhacken drohte, Slogan: "America First, Ilgen Förster".