WWE-Konkurrent versinkt im Chaos

Martin Hoffmann
Jeff Jarrett (l.) ist bei der Wrestling-Liga GFW wieder ausgebootet

Es sollte alles besser werden bei Global Force Wrestling, der zweitgrößten Showkampf-Liga der USA hinter WWE. Stattdessen trüben neue Negativschlagzeilen den Neustart des früheren TNA.

Ligagründer Jeff Jarrett, zu Beginn des Jahres wieder als starker Mann bei GFW installiert (bis vor kurzem: Impact Wrestling), hat das Unternehmen auf unbestimmte Zeit verlassen. Außerdem gibt es Gerüchte, dass die ebenfalls erst zu Jahresbeginn eingestiegene Mutterfirma Anthem die Liga schon wieder verkaufen will.

"Unbestimmte Auszeit" für Jeff Jarrett

Die neue Krise der Promotion, in der WWE-Größen wie AJ Styles, Samoa Joe und Bobby Roode zu Stars wurden, wurde am Dienstag offenbar.

GFW verkündete da, dass Jarrett mit sofortiger Wirkung "eine unbestimmte Auszeit von seiner Position als Chief Creative Officer nimmt, um sich auf persönliche Angelegenheiten zu konzentrieren". Er stehe vorerst nur noch in beratender Funktion zur Verfügung.

Veranlasst hat diesen Schritt übereinstimmenden Medienberichten zufolge Ed Nordholm, GFW-Präsident und Vize-Chef bei Anthem. Grund soll "erratisches Verhalten" Jarretts bei einem Gastauftritt für die mexikanische Liga AAA gewesen sein, vor Nordholms Augen.


Der nebenbei noch als Wrestler aktive Jarrett habe sich bei der Show TripleMania in einem untragbaren Zustand präsentiert. "No condition to compete" schreiben US-Wrestling-Medien, ein Codewort dafür, dass jemand den Eindruck erweckt, unter Alkohol- oder Drogeneinfluss zu stehen.

Jarrett in Streit mit Hardys entblößt

Der Fall Jarrett habe hinter den Kulissen schon länger geschwelt und sei nun eskaliert, berichten Wrestling Observer und Pro Wrestling Insider. Der Eklat wirft den nächsten Schatten auf den Versuch, die seit Jahren finanziell kriselnde Liga neu zu ordnen.

In den vergangenen Monaten hatten bereits die Suspendierung des damals amtierenden Champions Alberto El Patron wegen des (mittlerweile entkräfteten) Verdachts häuslicher Gewalt und eine öffentliche Schlammschlacht mit den zu WWE gewechselten Jeff und Matt Hardy für Negativ-PR gesorgt.


Auch Jarrett war in diesem üblen Streit öffentlich entblößt worden, Matt Hardys Ehefrau Reby hatte unter anderem eine Anklage Jarretts wegen Trunkenheit am Steuer öffentlich gemacht.

Der Abgang des 50-Jährigen wirft nun viele neue Fragen auf: So waren viele Verantwortliche der Liga über persönliche Connections zu Jarrett zu ihren Aufgaben gekommen, auch ist die Fusion der früher eigenständigen Jarrett-Liga GFW mit dem früheren Impact noch gar nicht formal abgeschlossen.

Neue Gerüchte um Verkauf von GFW

Die Zukunft der Liga hängt nun angeblich nicht nur wegen Jarretts Abgang in der Schwebe. Wie Sports Illustrated berichtet, denkt Anthem deshalb schon wieder an einen Verkauf der Liga.

Jarrett wird zwar zugutegehalten,  die Qualität der Liga verbessert zu haben, auch in der Vermarktung wurden Fortschritte gemacht - am Tag nach Jarretts Aus wurde zum Beispiel verkündet, dass GFW bald auch wieder in Deutschland im Web (bei ran Fighting) zu sehen sein wird. Kernproblem aber bleibt, dass die Liga in den USA weiter nur auf dem Nischensender Pop TV zu sehen ist, was die Wachstums- und Gewinnaussichten schmälert.

Ein GFW-Verantwortlicher hat den Bericht von Sports Illustrated bei Twitter zurückgewiesen - und verwies auf die jüngsten Pressemitteilung der Liga vom Mittwoch. Anthem sei "engagiert, die Reichweite von Global Force Wrestling weiter zu vergrößern", wird Ligachef Nordholm da zitiert.

Nordholm selbst hat seit dem Eklat in Mexiko nichts mehr getwittert.