WWE-Irrwisch quasselt sich ins Abseits

Martin Hoffmann
Enzo Amore hat hinter den WWE-Kulissen Ärger auf sich gezogen

Er hat das Zeug dazu, ein großer Star bei WWE zu werden. Er hat aber auch das Zeug dazu, dass die weltgrößte Wrestling-Liga ihn entnervt vor die Tür setzt.

Enzo Amore ist vor der Kamera derzeit einer der unterhaltsamsten Charaktere des Showsports - ein schräger, zappeliger Irrwisch mit einem Look zwischen Rapstar, Rasputin und weißem Mister T, sprühend vor Witz und Kreativität am Mikrofon.


Hinter der Kamera dagegen hat er Berichten zufolge Kollegen und Verantwortliche gegen sich aufgebracht. "Backstage-Heat" heißt das im Szene-Jargon - und kann unangenehme Folgen haben (SPORT1 erklärt: So funktioniert die Showkampf-Liga WWE).

Rauswurf aus der Umkleidekabine

Es gibt diverse Geschichten, die derzeit über den 30-Jährigen aus Hackensack, New Jersey kursieren. Die meisterzählte: Bei der Europatour im Mai soll WWE-Topstar Roman Reigns ihn aus dem Tourbus geworfen und aus der Umkleidekabine ausgeschlossen haben.


Amore hätte in einem Handy-Gespräch mit seinen Einnahmen geprahlt und sich dabei negativ über das Wrestling-Geschäft geäußert - ein grober Verstoß gegen die ungeschriebenen Regeln der Branche.

Reigns, der inzwischen auch hinter den WWE-Kulissen als Führungsspieler gilt, habe ihn dafür bestraft, berichtete der Wrestling Observer.

Offene Kritik im WWE-TV

Der Eklat scheint nur die Spitze des Eisbergs zu sein. Sports Illustrated etwa berichtet, er habe "fragwürdige Gäste" in die WWE-Umkleide mitgebracht, die seine Kollegen gegen deren Willen gefilmt und fotografiert hätten.


Und WWE-Kommentator Corey Graves gesteht offen ein: "Ich mag Enzo nicht." Der Rap-Fan sei "ein guter Typ, aber so wie er montagabends auftritt, ist er 24 Stunden am Tag. Er hat keinen Aus-Knopf. Und das stößt den Leuten sauer auf."

Amore sei seinen Kollegen schlicht auf die Nerven gefallen: "Wenn du 12 Tage auf Tour bist, hast du irgendwann genug davon, immer wieder und wieder zu hören, wie er in L.A. Party mit The Weeknd gemacht hat."


Das Bemerkenswerte daran: Graves erzählte diese Dinge im WWE-TV, bei der Talkshow "Bring it to the Table", in der die Protagonisten "out of character" agieren. In die Produktion dieser Show sind hochrangige Verantwortliche eingebunden, auch Firmen-Boss Vince McMahon. Graves hat seinen Kollegen also mit dem Segen von höchster Stelle öffentlich eingenordet.

Degradierung? Oder Denkzettel?

Es gibt Spekulation, dass Amore als Folge seiner Eskapaden bald degradiert wird, von der Flaggschiff-Sendung RAW zur Entwicklungsliga NXT oder in die Cruiserweight-Show 205 Live, in die Nische.

Möglich ist aber auch, dass das, was Amore gerade erlebt, eine pädagogische Maßnahme ist und WWE auf Besserung hofft.

Es gibt ermutigende Beispiele, was ein Denkzettel bewirken kann: Auch der frühere Reality-Star The Miz flog wegen seiner Allüren einst aus der WWE-Umkleide - erarbeitete sich danach allerdings den Respekt seiner Kollegen, durfte wieder rein und ist inzwischen feste Größe.


Es wäre im Sinne beider Seiten, wenn Amore den gleichen Weg geht: Die TV-Segmente, in denen der "Certified G" zuletzt zu sehen war, hatten gute Quoten, auch seine Merchandise-Artikel sind begehrt.

Amores nächster großer Auftritt wirkt allerdings noch so, als wäre er ein Teil seiner Bestrafung: Beim SummerSlam am 20. August steigt er nicht selbst in den Ring, wenn sein Ex-Partner und Rivale Big Cass in einem Duell der Giganten auf The Big Show trifft. Er hängt darüber - eingesperrt in einem Käfig.