Wie WWE einen deutschen Champion formte

Martin Hoffmann
Alexander Wolfe (l.) und Eric Young (mit Killian Dain) sind nun Tag Team Champions bei WWE NXT

Von Tim Wiese ist in Sachen WWE jetzt schon eine Weile nichts mehr zu hören gewesen - dafür starten nun andere Deutsche bei der größten Wrestling-Liga der Welt durch.

Der Dresdner Alexander Wolfe (bürgerlich: Axel Tischer) durfte am SummerSlam-Wochenende als erster Deutscher überhaupt einen Titel bei WWE gewinnen: Als Teil der Gruppierung SANitY ist er zusammen mit Eric Young nun Tag Team Champion bei der Entwicklungsliga NXT - die von nicht wenigen Fans als das heimliche Highlight des WWE-Programms gefeiert wird (SPORT1 erklärt: So funktioniert die Showkampf-Liga WWE).

Im SPORT1-Interview spricht der 30-Jährige über seine historische Errungenschaft, seine neuen deutschsprachigen Kollegen - und gibt Einblicke in seinen besonderen Alltag als Showkämpfer in den USA.

SPORT1: Alexander Wolfe, wie fühlt es sich an, der erste deutsche Titelträger bei WWE zu sein? Und wie haben Sie diese Ehre gefeiert?

Alexander Wolfe: Um ganz ehrlich zu sein: gar nicht. Ich hatte bei dem vollen Programm rund um den SummerSlam keine Zeit zu feiern - und ich bin auch generell nicht der Mensch, der sich auf solchen Erfolgen ausruht. Ich freue mich über die vielen Gratulationen von Kollegen, Fans, Freunden und Familie. Aber der Titelgewinn war für mich jetzt nur der erste Schritt in die richtige Karriere-Richtung, ein riesengroßer Erfolg, ja, aber ich werde jetzt weiter Gas geben.


SPORT1: Für alle, die Ihren Namen jetzt zum ersten Mal gehört haben: Wie kommt ein Junge aus Dresden in einen WWE-Ring in New York vor über 15.000 Fans?

Wolfe: Es ging damit los, dass ich als junger Schüler mit einem Freund ein Wrestling-Video gedreht habe, das war so mit um die 13. Ich habe das Wrestling dann auf der GWF-Schule in Berlin gelernt, bin dafür hin- und hergependelt, habe ab 2010/2011 hatte ich immer mehr Auftritte gehabt, in anderen Landesteilen, auch in anderen europäischen Ländern. 2014 kam dann eine E-Mail von WWE.

SPORT1: Und dann?

Wolfe: Ich wurde zu einem "Try-Out", einem Vorstellungstraining und -gespräch nach London eingeladen. Ich bekam einen Vertrag angeboten und bin im April 2015 von Dresden nach Orlando gezogen, um im Performance Center meine WWE-Karriere zu starten. Seit 2015 bin ich nun dabei mich kontinuierlich nach vorne zu bewegen und mich durchzukämpfen im großen Dschungel der Wrestling-Welt.


SPORT1: Wie läuft so ein Tag in einem Leistungszentrum für Wrestler?

Wolfe: Ich stehe früh auf, mache mir ein Frühstück mit Kaffee - und dann geht's los: Es gibt ein zweistündiges Wrestling-Training, das praktisch, aber auch theoretisch sein kann. Dann kommt das tägliche Fitness-Programm in einem megamäßig gut ausgestatteten Studio mit vielen individuellen Übungen. Einmal in der Woche gibt es auch eine sogenannte Promo-Klasse, damit man lernt, wie man seinen "character" darstellt. Dann kommen die Shows und Tours dazu, die laufen meist von Donnerstag bis Samstag. Ein Teil des Kaders tourt durch Florida, die anderen quer durch die USA.

SPORT1: Mit Marcel Barthel (Axel Dieter Jr.) und Fabian Aichner aus Südtirol sind seit kurzem zwei weitere deutsche bzw. deutschsprachige Wrestler bei NXT.

Wolfe: Ja, das ist ein großer Gewinn. Ich habe das gemerkt wenn ich das mit der Situation vergleiche, als ich als erster und einziger Deutscher bei NXT ankam. Es war eine Umstellung, die am Anfang schwer fiel. Allein, dass man kontinuierlich Englisch sprechen muss, um sich zu verständigen. Die Menschen sind hier auch anders als in Deutschland, viele Sachen sind einfach unterschiedlich. Nun, wo wir mehrere sind, haben die beiden anderen jetzt den Vorteil, sich ein bisschen weniger Gedanken zu machen und auf ihre Ring-Karriere konzentrieren zu können. Und ich bin hier jetzt auch nicht mehr allein, das macht das Ganze noch viel schöner. Marcel kenne ich ja schon von früher, Fabian habe ich auch als sehr netten Zeitgenossen kennen gelernt.


SPORT1: Was sind Ihre nächsten Ziele?

Wolfe: Das Ziel momentan ist, NXT weiter zu bespaßen, den Fans dort neue, interessante Sachen zu bieten. Ich würde gern dazu beitragen, NXT nochmal auf ein höheres Level zu bringen, die Marke noch bekannter zu machen - auch in Deutschland. Ich hoffe, dass die Deutschland-Tour im November dabei hilft und würde auch gern eine Europa-Tour mit NXT bestreiten. Es ist ein riesiges persönliches Ziel von mir, dass NXT auch mal nach Deutschland kommt. Und ansonsten: Die Zukunft von SANitY ist vielversprechend. Was Ziele angeht, kenne ich kein Limit, ich will mit SANitY nicht nur NXT unsicher machen, sondern auch RAW oder SmackDown.