Wurden Bill Gates, VW und ein Ex-Tesla-Chef bei der angeblichen „Wunder-Batterie“ von Quantumscape getäuscht?

Business Insider Deutschland
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Quantumscape gilt als Hoffnungsträger von Volkswagen im Wettbewerb mit Tesla. Das kalifornische Start-up gehört zu einem Drittel den Wolfsburgern und entwickelt "Wunderbatterien", die die E-Auto-Welt revolutionieren sollen. Denn die Festkörper-Akkus sollen angeblich innerhalb von nur 15 Minuten auf eine Kapazität von 80 Prozent aufgeladen werden können. Die Batterien sollen zudem rund 50 Prozent mehr Reichweite bieten als bisherige Lithium-Ionen-Modelle und resistent sowohl gegenüber Hitze als auch eisiger Kälte sein. Selbst der für seine Skepsis bekannte Chemiker Stan Whittingham, der die Lithium-Ionen-Akkus mitentwickelt hatte, sprach von einem "Durchbruch". Auch Business Insider hat schon mehrfach über das US-Unternehmen berichtet.

Pikant an Quantumscape ist, dass mit Jeffry Brian „JB“ Straubel ein prominenter Ex-Tesla-Mitarbeiter im Vorstand des Start-ups sitzt. Straubel war bis Sommer 2019 Chief Technology Officer (CTO) bei Tesla und galt als rechte Hand von Chef Elon Musk. Der Sohn von Ex-VW-Chef Martin Winterkorn mischt ebenfalls in dem Unternehmen mit. Und noch ein weiterer bekannter Name ist mit Quantumscape verbunden: Microsoft-Gründer Bill Gates gehört zu den Investoren des Batterieherstellers.

Doch nun erhebt der Shortseller Scorpion Capital aus New York schwere Vorwürfe: Demnach sei die Technologie von Quantumscape keineswegs ausgereift. In einem Dokument mit 188 Seiten hat Scorpion Capital viel Material zusammengetragen, das die Vorwürfe belegen soll. Mehrere ehemalige Mitarbeiter von Quantumscape werden zitiert, die ihre Zweifel an den Versprechen der Geschäftsführung äußern und direkte Kritik an CEO Jagdeep Singh üben.

Scorpion Capital attackiert Volkswagen

Auch anonyme Angestellte von Volkswagen kommen zu Wort. Demnach seien auch interne Ingenieure und Batterie-Experten skeptisch, sie bekämen nur "schöne Powerpoint-Folien" zu sehen und wenig mehr. So glaubten sie nicht, dass sich der Akku wirklich in 15 Minuten aufladen lasse.

Scorpion Capital greift den VW-Konzern scharf an. Aus der Sicht der Verfasser des Dokuments hat Volkswagen eine besondere Verantwortung, da viele Investoren sich auf das Urteil des deutschen Autoherstellers verlassen. Für sie sei Quantumscape dagegen eine "Blackbox". Auch das kalifornische Unternehmen selbst verweise immer wieder auf VW, um seine Glaubwürdigkeit zu betonen.

Die Behauptungen von Quantumscape zum Stand der Technologie seien laut Scorpion Capital übertrieben, irreführend oder schlichtweg erlogen. Die New Yorker vergleichen Quantumscape gar mit einem anderen spektakulären Betrugsfall: Der Bluttest-Firma Theranos, die ebenfalls ihre technologischen Versprechen nicht einhalten konnte. Gründerin Elizabeth Holmes war zwischenzeitlich die jüngste Selfmade-Milliardärin der Welt, bis sich ihr Geschäft als Fake entpuppte. Sie muss sich nun wegen Betrugs vor Gericht verantworten.

Quantumscape-CEO Singh wies die Vorwürfe von Scorpion Capital zurück und bezeichnete sie gegenüber dem US-Sender CNBC als "absurd". "Wir waren immer transparent darüber, was wir haben und welche Arbeit noch vor uns liegt", sagte Singh in der CNBC-Sendung "Mad Money". "Das ist eins der Dinge, auf die wir ziemlich stolz sind. Wir glauben, dass wir das transparenteste Unternehmen sind, das sich auf Festkörper-Batterien spezialisiert hat." Quantumscape werde rechtliche Schritte gegen Scorpion Capital prüfen, kündigte er an und warf dem Shortseller vor, von fallenden Kursen profitieren zu wollen.

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