Wuppertal lässt Hochhaus wegen Brandgefahr räumen

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Geräumtes Hochhaus in Wuppertal

Die Brandkatastrophe im Londoner Grenfell Tower zieht weitere Konsequenzen nach sich. Die Stadt Wuppertal ließ am Dienstag ein Hochhaus mit 70 Bewohnern räumen

Die Brandkatastrophe im Londoner Grenfell Tower zieht weitere Konsequenzen nach sich. Die Stadt Wuppertal erklärte am Dienstag, dass die Feuerwehr wegen einer brennbaren Fassade an einem Hochhaus etwa 70 Menschen in Sicherheit bringe. In Großbritannien kündigte Premierministerin Theresa May Brandschutzprüfungen bei Krankenhäusern und Regierungsgebäuden an. Bislang wurden 95 britische Wohnhäuser auf ihre Feuersicherheit untersucht - keines bestand die Tests.

Die britische Regierung geht davon aus, dass 600 Sozialbauten die gleiche Fassadenverkleidung tragen, die auch als Grund für die verheerende Brandkatastrophe im Grenfell Tower gilt. "Über die Jahre ist etwas sichtlich schief gelaufen, und wir müssen herausfinden, was", sagte May am Dienstag dem Fernsehsender "BBC". Das US-Herstellerunternehmen der Fassadenverkleidung Arconic hatte zuvor angekündigt, das Material nicht mehr für die Verwendung an Hochhäusern zu verkaufen.

Unklar ist, ob das Unternehmen auch Dämmstoffe für das Wuppertaler Hochhaus lieferte, das geräumt wurde. Der städtische Baudezernent Frank Meyer sagte, dass nach dem Brand im Grenfell Tower eine Neubewertung der Gefahrenlage notwendig geworden sei: "Wenn unmittelbare Gefahr für Leib und Leben besteht, müssen die Menschen in Sicherheit gebracht werden", führte Meyer aus.

Nach AFP-Informationen sollten die etwa 70 Bewohner des elfstöckigen Wohnhauses in Sicherheit gebracht werden, weil dessen Kunststoffverkleidung und das darunterliegende Material, eine Art Holzwolle, brennbar seien. Bei einem Fassadenbrand wäre außerdem das Sicherheitstreppenhaus nicht mehr zu erreichen gewesen, sagte eine Stadtsprecherin. Die Feuerwehr würde in einem Brandfall außerdem die Bewohner im obersten Stockwerk nicht mit Drehleitern erreichen können.

Das Wuppertaler Hochhaus, das in den sechziger Jahren gebaut wurde, ist in privater Hand. Die Bewohner sollen in Ausweichunterkünften der Stadt bleiben, bis der Vermieter die brennbare Fassade entfernt hat. Das Baudezernat überprüfe derzeit auch alle weiteren Hochhäuser auf ihre Rettungswege und mögliche Brandgefahren, sagte die Sprecherin.

Bei dem nächtlichen Brand in dem Londoner Grenfell Tower waren in der Nacht zum 14. Juni mindestens 79 Menschen ums Leben gekommen. Das Feuer in dem Hochhaus war nach Erkenntnissen der Ermittler durch einen defekten Kühlschrank ausgelöst worden. Die Flammen hatten sich dann rasend schnell über die Fassade ausgebreitet.