WTO: Welthandel erholt sich schneller als gedacht - Impfstoff zentral

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GENF (dpa-AFX) - Der Welthandel erholt sich besser als erwartet von der Corona-Pandemie. Die Welthandelsorganisation (WTO) rechnet in diesem Jahr jetzt mit einer Zunahme des Warenhandels um 8 Prozent, wie sie am Mittwoch in Genf berichtete. Im Oktober war sie noch von 7,2 Prozent ausgegangen. Außerdem rechnet die WTO mit einem globalen Wirtschaftswachstum von 5,1 Prozent in diesem Jahr, nach einem Rückgang von 3,8 Prozent 2020.

Auch war der Einbruch im Warenverkehr 2020 nicht so dramatisch wie befürchtet: 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, verglichen mit einer Schätzung im Oktober von 9,2 Prozent. Sechs Monate zuvor hatte die WTO sogar vor einem möglichen Rückgang um 12,9 Prozent gewarnt.

Die Pandemie wirft aber weiter Schatten auf die Konjunktur: "Covid-19 bleibt weiter die größte Bedrohung für die Handelsprognose, weil neue Infektionswellen jede erhoffte Erholung schnell untergraben könnten", so die WTO. Deshalb ist für WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala klar: "Der beste Stimulus, der bei einer schnellen Erholung helfen kann, ist Zugang zu Impfstoffen", sagte sie. Die Kapazität zur Herstellung von Impfstoffen müsse ausgeweitet werden, auch in Entwicklungsländern.

Okonjo-Iweala warnte Länder davor, auf Konjunktureinbrüche mit Protektionismus zu reagieren. "Internationale Märkte offen zu halten ist unerlässlich, damit Volkswirtschaften sich von dieser Krise erholen können, und eine globale und gleichberechtigte Impfstoffauslieferung ist die Voraussetzung für das starke und nachhaltige Wachstum, das wir alle brauchen", sagte sie.

Im kommenden Jahr geht es dann nach der aktuellen Schätzung etwas langsamer voran: plus 4 Prozent, so schätzt die WTO beim Warenhandel für 2022. Gründe für die unerwartet positive Entwicklung seien die Ankündigung effektiver Corona-Impfstoffe im November gewesen, dazu große Konjunkturpakete in vielen Ländern. Die Nachfrage dürfte in diesem Jahr vor allem von Nordamerika angekurbelt werden, so die WTO. Europäische Exporte könnten nach der Prognose um 8,3 Prozent zulegen.

Die Krise hat vor allem den Nahen Osten, Südamerika und Afrika getroffen, mit Import-Rückgängen um fast 9 Prozent und mehr. In Europa gingen Importe um 7,6 Prozent zurück, in Nordamerika um 6,1 Prozent. Den geringsten Rückgang verzeichnete Asien: 1,3 Prozent.