Wrestling-Zoff! WWE bringt Mega-Show zum Platzen

Martin Hoffmann
WWE-Boss Vince McMahon ließ eine ROH-Show im Madison Square Garden stoppen

Eine Mega-Show am WrestleMania-Wochenende. Und das auch noch in New York, im altehrwürdigen Madison Square Garden.

Es wäre die größte, nicht von WWE veranstaltete US-Wrestling-Show seit langem geworden, noch größer als Cody Rhodes' Aufsehen erregende Veranstaltung All-In im September in Chicago.

Doch der große Plan der Liga Ring of Honor (ROH) gefiel dem Showkampf-Marktführer gar nicht. Er hat dafür gesorgt, den eigentlich schon fix vereinbarten Deal mit der Traditions-Arena zum Platzen zu bringen.

ROH plante Show am WrestleMania-Wochenende

Am 12. Juni hatte Sinclair Broadcasting, die Dachorganisation von ROH, besagten Deal verkündet. Am 6. April 2018 sollte im MSG die größte Show ihrer Liga steigen, einen Tag vor der größten WWE-Show des Jahres: WrestleMania 35 im nahe gelegenen MetLife Stadium in East Rutherford.

Eine Woche später musste ROH-Geschäftsführer Joe Koff dem Pro Wrestling Insider allerdings mitteilen: "Wir hatten einen Deal mit dem Garden, aber sie haben uns mitgeteilt, dass sie aussteigen - nach Gesprächen mit WWE. Wir können auch keine anderen Termine bekommen." Koff kündigte an, "dass unsere Anwälte mit allen beteiligten Parteien Kontakt aufnehmen werden".


Auch WCW durfte nicht im MSG wildern

Dass WWE ein Problem mit der ROH-Show haben würde, kam nicht überraschend: Seit vielen Jahrzehnten ist WWE die einzige Wrestling-Promotion, die in der Haupthalle des MSG Events veranstaltet.

Liga-Boss Vince McMahon empfindet den Madison Square Garden als sein ureigenstes Revier. Sein Vater Vince McMahon Sr. schickte dort den legendären Bruno Sammartino in den Ring, er ließ dort die erste WrestleMania und viele weitere große Shows steigen.

Schon in den Neunzigern setzte er alles in Bewegung, als der damalige Rivale WCW ihm den MSG streitig machen wollte. Er intervenierte, als die WCW die Arena 1994 für einen Kampf zwischen Hulk Hogan und Ric Flair buchen wollte und setzte stattdessen eine Show der damaligen WWF durch (es war die, bei der "Diesel" Kevin Nash WWF-Champion wurde).

Die WCW eroberte zwischenzeitlich die Marktführerschaft von der WWF, aber den MSG bekam sie nicht.


Hieb für die Konkurrenz

Diesen Prestige-Gewinn wollte WWE nun auch ROH nicht gönnen. Auch wenn die Independent-Liga - die einst CM Punk, Samoa Joe, Daniel Bryan und vielen anderen zum Durchbruch verhalf - weit davon entfernt ist, eine ernstzunehmende Konkurrenz für das McMahon-Imperium zu sein. Erst recht, seitdem WWE die neuen, milliardenschweren TV-Verträge abgeschlossen hat.

Die MSG-Show - die für ROH ein enormer Publicity-Gewinn gewesen wäre - empfand WWE offensichtlich dennoch als einen Angriff, den es abzuwehren galt. Zumal sie auch direkte Konkurrenz für ihr WrestleMania-Vorprogramm bedeutet hätte: In der Nacht vor WrestleMania findet entweder die Hall-of-Fame-Zeremonie oder ein NXT TakeOver im Barclays Center in Brooklyn statt - genau deshalb hatte MSG überhaupt erst den Deal mit ROH abgeschlossen.

Überhaupt veranstaltet WWE selbst keine ganz großen Veranstaltungen mehr bei WWE. Die Produktionsbedingungen dort werden als nicht mehr zeitgemäß empfunden. Im MSG steigen jährlich zwei bis drei WWE-Shows, eher aus Prestige-Gründen - aber offensichtlich ist die Geschäftsbeziehung noch wichtig genug, dass es sich der Garden nicht mit WWE verderben will.

Ein Anruf von WWE genügte

Glaubt man dem Wrestling Observer, musste WWE nicht viel tun, um die MSG-Verantwortlichen zum Einknicken zu bringen. Ein Anruf aus der WWE-Chefetage hätte gereicht, er sei auch nicht von Vince McMahon persönlich gekommen. Die Arena-Verantwortlichen hätten ROH den Deal zwar zugesagt, der Vertrag sei aber noch nicht unterschrieben gewesen.

Es ist nicht das erste Mal, dass WWE und ROH sich in die Quere kommen. Vor einiger Zeit gab es bereits Streit um die Verträge mehrerer ROH-Wrestler, die zu WWE gewechselt waren, unter ihnen Adam Cole, Bobby Fish und Kyle O'Reilly.

Brisante Randnotiz: Die ROH-Dachfirma Sinclair Broadcasting ist im Besitz von 43 lokalen  Ablegern des TV-Senders Fox – dem Sender, der künftig WWE SmackDown übertragen wird.