Wrestling: Sie wollen doch nur spielen

Die Fight Forever-Tour hat die Fans in den Clubbahnhof Ehrenfeld gelockt -...

Massige Männerkörper in glänzenden Unterhosen, Schnürstiefel aus schwarzem Lack - Sam steht mit weit aufgerissenen Augen am Wrestling-Ring. Der Zehnjährige überragt nur knapp die Kante des Plateaus, das an diesem Samstag im Clubbahnhof Ehrenfeld für die Fight Forever-Tour aufgebaut ist. Im Ring vor ihm treten gerade die Wrestler Avalanche und Alpha-Kevin gegeneinander an. Mit überzogenen Gesten und verzerrten Gesichtern inszenieren sie ihren Kampf, begleitet von einem hageren Ringrichter ganz in Schwarz. Neben den Kämpfern wirkt der wie eine Miniaturfigur. Sam beobachtet aufmerksam, hinter ihm steht seine Oma. Zum Geburtstag hat sie ihrem Enkel den Ausflug zum Wrestling geschenkt. Mit dem Smartphone dokumentiert sie fleißig das Geschehen im Ring.

Ausverkauft ist das Gewölbe an diesem Abend nicht, die Zuschauhaben reichlich Platz. Der Stimmung tut das keinen Abbruch. Verdrehte Arme, Beinscheren und viel Männlichkeit, das Publikum belohnt es mit grölendem Echo. In das stimmen auch die wenigen Frauen im Publikum ein. Eine, rotgelocktes Haar, auf dem T-Shirt prangt in großen Lettern "I love Wrestling", schlägt rhythmisch und kraftvoll mit der flachen Hand auf das Plateau und stimmt in den Sprechchor ein - "Alpha! Kevin!"

Unweit des Rings stehen eine junge Frau und ein Mann an die Wand gelehnt, mit Bier im Plastikbecher und einem Schmunzeln im Gesicht verfolgen sie das Spektakel. "Am Anfang war es ein bisschen Fremdschämen, aber wenn man sich drauf einlässt, ist es eigentlich ganz lustig", erzählt sie, die ihren Namen in Verbindung mit dem Event aber lieber nicht in der Zeitung lesen will.

Veranstalter der Fight Forever-Tour mit Stationen in ganz Deutschland ist Westside Extreme Wrestling (wXw). Dazu gehört auch Walter Hahn. Der hochgewachsene Mann mit strengem Haarschnitt und österreichischem Akzent tritt an diesem Abend selbst als Kämpfer auf. Und wird mit seinem Team "Ringkampf" gewinnen. "Wrestling ist kein Wettkampf-Sport", erklärt Hahn. Siege und Niederlagen seien zwar geplant, "das lässt aber viel Raum für Improvisation. Im Endeffekt versucht man dann, das Beste fürs Publikum rauszuholen".

In der Pause strömt das Publikum in den Vorraum und ins Freie, vorbei an Ines. Die steht zwischen T-Shirts, Hoodies und anderen Fanartikeln. Seit zwei Jahren ist die kurzhaarige Blonde bei Veranstaltungen der wXw am Merchandising-Stand dabei. Die studierte Amerikanistin redet schnell und in knappen Sätzen. Wrestling fasziniere sie. "Ich hab schon meine Masterarbeit übers Wrestling geschrieben." Jetzt promoviert Ines auch dazu.

Immer wieder blitzt es in der Pausen-Menge, Zuschauer lassen sich mit den Wrestlern ablichten. Der Kämpfer Avalanche zieht eine bedrohliche Miene, hält in einem Arm einen jungen Fan, den anderen richtet er mit angespanntem Bizeps gen Kamera. Fast jedes Wochenende ist er auf Kämpfen. Unter der Woche sitzt er im Büro, aber Wrestling das sei "Leidenschaft" und "Kindheitstraum", den er jetzt seit acht Jahren lebe.

Am Merchandising-Stand gelehnt, beobachtet Wilhelm das Treiben. Der junge Mann mit blondem Pferdeschwanz ist begeisterter Wrestlingfan, "schon seit über zehn Jahren". Wrestling, das sei für ihn Sportevent plus Ästethik und Dramatik. "Wiiiiiiiiiir sind wieder zurück", klingt es über die Lautsprecher. Wilhelm wird ungeduldig und verabschiedet sich.

Am Ende des Abends riecht es nach Bier und Schweiß. Sam und seine Oma verlassen als erste das Gewölbe. "Am Anfang hatte er ein bisschen Angst, aber dann stand er die ganze Zeit ganz vorn", erklärt Sams Oma. Der Zehnjährige beantwortet Fragen mit Nicken oder Kopfschütteln. Hat es dir gefallen? Nicken. Auf die Frage aber, ob er das auch mal machen möchte, könnte sein Kopfschütteln nicht eindeutiger sein....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta