Wozniackis Traum-Comeback: als "Wrack" zurück auf den Thron

Sportinformationsdienst (SID)
Caroline Wozniacki ist nach ihrem Sieg bei den Australian Open die neue Nummer eins der Tennis-Welt

Als Caroline Wozniacki den letzten Makel ihrer erfolgreichen Karriere ausgemerzt hatte, schossen ihr die Freudentränen in die Augen.

Überglücklich nahm sie wenig später die Daphne Akhurst Trophy aus den Händen der Tennisikone Billie Jean King entgegen. Simona Halep starrte derweil mit glasigem Blick ins Leere, ihr Traum war wieder einmal geplatzt.

Zwischen Triumph und Trauer lagen an diesem Sommerabend in Melbourne nur wenige Meter und noch weniger Punkte.

Rückkehr an die Spitze der Weltrangliste

Wozniacki hatte sich ihren ersten Grand-Slam-Titel hart erarbeitet und redlich verdient. Die 27-jährige Dänin, die bereits mit 19 Jahren die Tenniswelt angeführt hatte, setzte sich nach 2:50 Stunden 7:6 (7:2), 3:6, 6:4 durch. Am Montag löst sie die Rumänin Halep (26) an der Spitze der Weltrangliste ab und kehrt damit nach sechs Jahren auf den Tennisthron zurück.

"Von diesem Moment habe ich mein Leben lang geträumt. Jetzt ist der Traum wahr geworden", sagte Wozniacki mit zitternder Stimme.

Auch Halep, die im Halbfinale Angelique Kerber niedergekämpft hatte, musste mehrfach schlucken, ehe sie ans Mikrofon trat. "Es ist nicht einfach für mich, jetzt etwas zu sagen. Ich bin natürlich traurig, aber ich werde weiter kämpfen und hoffentlich bald wieder eine Chance bekommen."

"Sorry, dass ich gewinnen musste"

Die Rumänin verlor in Melbourne auch ihr drittes Majorfinale, während Wozniacki nach ihren Niederlagen bei den US Open 2009 und 2014 den Bann brach.

Verständnisvoll richtete sie das Wort an ihre tapfere Kontrahentin und entschuldigte sich gleich zweimal für ihren Sieg: "Sorry, dass ich heute gewinnen musste."

Tatsächlich hatte die Partie keine Verliererin verdient gehabt, aufopferungsvoll bekämpften sich Wozniacki und Halep bei abendlichen Temperaturen von fast 30 Grad. Beide ließen sich behandeln, beide hatten Chancen zum Sieg, ehe Halep den Strapazen des Turniers Tribut zollen musste.

Die Marathonmatches gegen Lauren Davis aus den USA (15:13 im dritten Satz) und gegen Kerber (9:7), in denen sie insgesamt fünf Matchbälle abwehrte, hatten selbst der unermüdlichen Halep zugesetzt.

Wozniacki stand schon kurz vor dem Aus

Trotzdem kämpfte sie sich nach dem Verlust des ersten Satzes zurück in die Partie und war beim Stand von 4:3 im entscheidenden Durchgang nicht mehr weit vom Sieg entfernt. Doch auch Wozniacki ließ nicht locker, diese Chance wollte sie sich nicht entgehen lassen. Diesmal nicht.

In der zweiten Runde gegen Jana Fett aus Kroatien hatte sie bereits 1:5 und 15:40 im dritten Satz zurückgelegen, nun krönte sie ihr unglaubliches Comeback.

Ihre erste Grand-Slam-Trophäe hielt Wozniacki fest umklammert, als sie ihren zwei liebsten Menschen für die bedingungslose Unterstützung dankte. Vater Piotr und ihr Verlobter David Lee, einst NBA-Champion mit den Golden State Warriors, hörten auf der Tribüne ergriffen zu.

"Dad, Du warst immer an meiner Seite, vom ersten Tag an", sagte Wozniacki: "Und David: Ohne Dich wäre ich heute früh ein nervöses Wrack gewesen."

Es ist nicht einmal vier Jahre her, da war sie von ihrem damaligen Verlobten, dem nordirischen Golfstar Rory McIlroy, kurz vor der Hochzeit verlassen worden. Wenig später erreichte auch ihre sportliche Karriere einen Tiefpunkt. Von Platz 74 in der Weltrangliste arbeitete sich Wozniacki an die Spitze zurück und thront nun makellos und überglücklich über ihren Kontrahentinnen.