Workshop: Einmischen ist für junge Kalker erste Wahl

Ein Ort der Politikverdrossenheit ist der Stadtteil Kalk in der Woche vor der Bundestagswahl nicht. Zum Nachdenken anregen, im besten Fall zum Mitgestalten - das formulieren die zwölf Teilnehmer des Plakat- und Poster-Workshops "Critical Kalk" für Erstwähler wenige Tage vor der Bundestagswahl gemeinsam als Ziel ihrer Arbeit. Eine Woche lang beschäftigen sich die 17- bis 25-Jährigen dafür im Naturfreundehaus an der Kapellenstraße in Kalk intensiv mit Begriffen wie Layout, Bildsprache und Typographie - und sie wollen am Ende "einen Beitrag dazu leisten, dass der eine oder die andere sich davon motivieren lässt, sich aktiv in die Gestaltung der Gesellschaft einzubringen", wie der 17 Jahre alte Paul sagt. "Die Kombination aus Politik und Gestaltung reizt mich, ich habe mich hier angemeldet, um mich mit anderen, mit interessanten Menschen auszutauschen."

Auch Marie Stemmel ist von dem Workshop des Vereins "Froh!" begeistert - mit einer Freundin und den anderen Workshopteilnehmern sucht sie nach einer Aussage, die knapp und markig ist und dabei möglichst viel Aussage transportiert. "Das ist meine erste Bundestagswahl, man sieht überall Plakate von Personen und Parteien mit schönen Sprüchen, die im Grunde aber nichts aussagen - keine Message", sagt die 21-jährige Studentin. "Für mich ist dieser Kurs auch ein Selbstversuch mit dem Ziel, selbst vielleicht etwas Besseres herzustellen." Die junge Kalkerin erlebe in ihrem persönlichen Umfeld zum Glück zwar nicht das, was die Statistik seit Jahren nach Urnengängen ihrem Veedel bescheinigt - dass Kalk ein sogenannter Niedrigwahlbezirk ist. Trotzdem ist genau das für Jeannette Weber von "Froh!" einer der Gründe dafür gewesen, den Plakatworkshop in Kalk durchzuführen.

"Unser Angebot ist kostenlos und offen für alle, es ist ein Aufruf zum Mitmachen, dafür müssen auch keinerlei Gestaltungsgrundlagen vorhanden sein", sagt sie. Die Teilnehmer sollen ihre eigenen Vorstellungen und im Austausch mit anderen gemeinsame Themen aufgreifen und darstellen. "Wir leiten sie dabei nicht an, sondern geben lediglich Hilfestellung", sagt Weber. Sie und zwei weitere Profis, die auch das "Froh!"-Magazin produzieren, unterstützen die jungen Erstwähler - obwohl nicht alle Kursteilnehmer tatsächlich zum ersten Mal ihre Stimmen abgeben. Die Initiative für das Projekt gehe laut Weber aus dem Selbstverständnis von "Froh!" hervor, gesellschaftliche Gestaltungsprozesse anzustoßen und eine kritische Öffentlichkeit abseits des Mainstreams zu fördern. Für das Konzept wurde unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung als Förderpartner gewonnen.

Marie, Paul und die anderen Teilnehmer diskutieren angeregt mehrere Entwürfe, die sie am zweiten Workshoptag analog aus Buchstaben, eigenen Bildern und höchstens zwei Farben zusammengesetzt haben. "So schön ist gewählt", lautet einer der Vorschläge. Etwas direkter dagegen die Variante "Wählen ist geil - Du hast zwei Stimmen". Für welchen Slogan sie sich letztlich entscheiden - das Ergebnis geht in den Druck und ist ab dem heutigen Donnerstag an der Baustellenumzäunung an der Kalker Hauptstraße auf Höhe der Post sowie rund um die S-Bahn-Station Trimbornstraße zu sehen. "Wir hoffen, dass unsere Plakate ein Feedback erzeugen, dass es Menschen dazu angeregt, eine Meinung zu haben", sagte Marie. Dafür wollen sie und die elf anderen jungen Wähler auch selbst auf den Straßen Kalks Reaktionen einholen. Bis Freitagnachmittag haben die Workshopteilnehmer dann noch Zeit, ihre Plakate digital anzupassen und die Meinungen von außen dazu einzubringen. "Jetzt ist eine gute Zeit, um aktiv zu sein", resümiert Jeannette Weber. Schon jetzt ist ihr Eindruck vom Workshop: "Die jungen Kalker wollen mitgestalten."

Politisches Engagement

Den Workshop in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung bietet der Kölner Verein "Froh!", der auch ein gleichnamiges Magazin produziert, zum erstem Mal in Kalk an. Die entstehenden Plakate und Poster zur Bundestagswahl sowie ein Kompendium werden auf Flächen im öffentlichen Raum platziert. Zum Abschluss findet eine für Interessierte offene Party im Ausstellungsraum "Brauchbarkeit" an der Trimbornstraße 7 statt.

Der eingetragene Verein besteht seit 2014 und finanziert sich durch Spenden und öffentliche Förderung. Weitere Informationen zu "Froh!" und den Workshop im Internet. (ihi)

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