Worauf ihr bei der Versicherung eures Fahrrads achten solltet

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Der Preis, den Menschen für ein neues Fahrrad zu zahlen bereit sind, steigt seit Jahren. Das legt unter anderem eine aktuelle repräsentative Umfrage nahe, mit der das Vergleichsportal Check 24 das Institut Yougov beauftragt hat. Glaubt man den Zahlen, haben 24 Prozent der Befragten im aktuellen Jahr 2021 mehr als 700 Euro für ihr Fahrrad ausgegeben. Im Vorjahreszeitraum 2020 waren es nur 21 Prozent.

Auch für E-Bikes seien die Anschaffungskosten gestiegen, heißt es: 44 Prozent der befragten Besitzerinnen und Besitzer hätten angegeben, mehr als 2000 Euro dafür bezahlt zu haben. Ein Jahr zuvor waren es nur 36 Prozent. 14 Prozent investierten laut der Umfrage sogar mehr als 3000 Euro in ihr E-Bike. Vieles deutet also darauf hin, dass ein Rad für so manchen zum Lifestyleprodukt und Prestigeobjekt geworden ist. Und auch die Bereitschaft, es zu versichern, steigt.

Die gute Nachricht diesbezüglich ist, dass sich der Markt für Fahrradversicherungen in den vergangenen Jahren für Verbraucherinnen und Verbraucher positiv entwickelt hat. Die Tarife sind günstig und oftmals auch leistungstechnisch umfangreich geworden. Und damit leider oft auch kompliziert.

So berechnet sich die Höhe der Versicherungsprämie

Wichtig zu wissen ist, dass es für die Höhe der Versicherungsprämie eine Rolle spielen kann, wo in Deutschland ihr wohnt. Grundsätzlich sind die Policen fürs Land eher günstiger als solche für die Stadt. Und unter den Großstädten werden in Remscheid die wenigsten und in Leipzig die meisten Räder pro Jahr gestohlen. Das legt die Polizeiliche Kriminalstatistik nahe. Die Folge für euch: Wo viel gestohlen wird, müsst ihr mehr für die Versicherung eures Rades zahlen. Das ist eine Logik, die aus der Versicherungsmathematik folgt.

Neben dem Wohnort gibt es aber auch eine Reihe weiterer Faktoren, die den Preis beeinflussen können, wie etwas die Kategorie und der Anschaffungspreis eures Rads. Für ihre Vergleichstabellen unterscheidet die Stiftung Warentest, die eine ganze Reihe von Versicherungen verglichen hat, zwischen einem 1500 Euro teuren Trekkingrad, einem E-Cityrad (2500 Euro) und einem Trekkingrad (4000 Euro).

Grundsätzlich solltet ihr vor dem Vergleich von Versicherungen klären, gegen welche Art von Ereignissen ihr euer Rad versichern wollt. Ein Klassiker ist natürlich Diebstahl, daneben gibt es Schutz nach Vandalismus sowie Policen, die auch bei Unfallschäden einspringen. Zudem decken manche Policen auch reine Sturzschäden ohne Fremdbeteiligung ab.

Statistiken legen nahe, dass ein Großteil der Unfälle von Radfahrern Stürze sind, an denen keine dritte Person beteiligt ist. Gerade diejenigen unter euch, die oft schnell und viel unter schlechten Wetterbedingungen wie Regen oder Eis unterwegs sind, sollten also über eine solche Absicherung nach Stürzen nachdenken.


Hausratversicherung oder separate Fahrradversicherung?

Wenn ihr eine Hausratversicherung abgeschlossen habt, ist es sinnvoll, euch schlau machen, ob darin eventuell auch euer Rad mitversichert ist. Darauf verweist Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. In der Regel springt die Hausrat allerdings nur bei Diebstahl ein. Dann sind eure Fahr­räder also in Haus, Wohnung, verschlossener Garage oder verschlossenem Keller als Teil des Hausrats mitversichert. Die Stiftung Warentest verweist darauf, dass sich über einen Zusatz­baustein dieser Versicherungs­schutz für Räder erweitern lässt, sodass er auch außer­halb der eigenen vier Wände gilt.

Oft könne die Entschädigungs­summe für Fahr­räder auf maximal 10 Prozent der Versicherungs­summe erhöht werden oder dürfe einen festen Betrag nicht über­steigen, heißt es von den Experten. Für teure Räder sei das allerdings eventuell zu wenig. Deshalb kann es sinnvoll sein, dass ihr für euer Rad eine eigene Versicherung abschließt, die in der Regel auch noch wesentlich mehr abdeckt als reinen Diebstahl.

Aber Vorsicht: Die Jahres­beiträge würden sich „teil­weise erheblich“ unterscheiden, warnt die Stiftung Warentest. Der reine Diebstahl­schutz ist für ein 500 Euro teures Fahr­rad schon ab 24 Euro jähr­lich zu haben, für ein 4000 Euro teures E-Bike ab 35 Euro. Wer hier nicht vergleicht, kann also schnell einmal ein paar Hundert Euro pro Jahr zuviel zahlen. So verweisen die Tester auf den Tarif „Fahr­radiebstahl-Schutz“ der Arag, der für das teuerste E-Bike im Test in Leipzig 800 Euro pro Jahr kostet und laut der Experten „nicht einmal besonders umfang­reich“ ist.

Ganz grundsätzlich solltet ihr euch fragen, ob ihr überhaupt eine Fahrradversicherung braucht. Auch darauf verweist Peter Grieble. „Es kommt sehr darauf an, dass ihr gegen wichtigere Lebensrisiken schon versichert seid, und darauf, wie bedeutsam der Wert eures Rads ist“, gibt er zu bedenken. Im Gegensatz zur Privathaftpflichtversicherung, zum Beispiel, sei eine Fahrradpolice eine Luxusversicherung, die Leuten beim Fahrradkauf oft noch „aufgeschwätzt“ werde, obwohl sie sich im Nachhinein vielleicht als wenig bedeutend erweist. „Entscheidet ihr euch nach Abwägen der Vor- und Nachteile und nach Checken der jeweiligen Versicherungsbedingungen dann doch für einen Abschluss, ist es sinnvoll darauf zu achten, den Neuwert des Rads zu versichern“, rät Grieble. Denn selbst neue Räder würden schon nach kurzer Zeit massiv an Wert verlieren.

Diebstahlschutz ist Standard

Absoluter Standard aller Tarife ist eine Absicherung bei Diebstahl, Einbruch­diebstahl und Raub. Gezahlt wird im Fall der Fälle meistens allerdings nur, wenn ihr euer Rad nach dem Abstellen an einem sogenannten „orts­festen Gegen­stand“ anschließt. Das kann etwa ein in den Boden gerammter Pfahl oder auch ein gut fixiertes Treppengeländer sein. Zudem solltet ihr wissen, dass manche Versicherer auch besondere Ansprüche an die Qualität eures Schlosses stellen. In der Regel wird verlangt, dass es ein ordentliches ist, das nicht mal eben von einem Spaziergänger mit Heckenschere im Vorbeigehen geknackt werden kann. Hier ist es wichtig, sich die Versicherungsbedingungen genau durchzulesen. Dazu rät auch Peter Grieble von der Verbraucherzentrale.

Die Stiftung Warentest weist darauf hin, dass alle von ihrer Testern analysierten Tarife auch den Diebstahl einzelner Teile wie Sattel oder Vorderrad abdecken, sofern diese fest mit dem Rad verbunden sind. In E-Bike-Tarifen würde das auch den Akku umfassen, heißt es. Negativbeispiel sei hier der Anbieter Qover-Me, bei dem Einzel­teile nur bis 100 Euro versichert seien.

Neben den Tarifen mit dem Schwerpunkt Diebstahlschutz hat man sich auch eine ganze Reihe solcher angeschaut, die das beinhalten, was die Stiftung Warentest „umfassenden Schutz“ nennt. Hierunter fallen die genannten Gefahren wie Vandalismus, mutwillige Beschädigung oder Zerstörung, Unfälle oder Stürze. Bei E-Bikes ist oftmals die verbaute Elektronik gegen Feuchtigkeit oder Überspannung abgesichert.

Wenn ihr mit eurem Rad auch außerhalb Deutschlands oder Europas unterwegs seid, solltet ihr darauf achten, dass der Versicherungsschutz auch international gilt. Erfreulicherweise ist das bei den meisten Tarifen der Fall, allerdings nicht bei allen. Bei den Produkten von Ergo zum Beispiel gilt die Versicherung außerhalb Deutschlands nur für 45 Tage, bei Coya „vorübergehend auf Reisen“, wie es heißt.


Das sind die günstigsten Fahrradversicherungen

In der Kategorie „Trekkingbike für 1500 Euro in Leipzig“ haben im Test „Umfassender Schutz“ der Stiftung Warentest die Tarife der Medien-Versicherung Karlsruhe und die der Berlin-Direkt-Versicherung in Sachen Preis/Leistung gut abgeschnitten. Die günstigste Version kostet knapp unter 70 Euro pro Jahr. Wobei bei Ersterer Schäden an Carbon-Rahmen nicht versichert sind. Habt ihr etwa ein Vollcarbon-Rad, mit dem ihr stürzt, liegt ein Totalschaden im Bereich des Möglichen, weil mikroskopisch kleine Risse die Stabilität des gesamten Rads beeinträchtigen. Die Reparatur ist meist aufwendig, wenn überhaupt rentabel.

Wem der „Schwerpunkt Diebstahlschutz“ ausreicht, kann sein Rad sogar für unter 70 Euro pro Jahr versichern. So kostet der Tarif „Fahrrad-Diebstahl“ der Signal Iduna 28 Euro. Die Berlin-Direkt-Versicherung möchte für den Tarif „Basis“ 44 Euro, der „Diebstahlschutz“ von Hepster, hinter der Risikoträger wie Roland, Helvetia, Swiss Re und Hanse Merkur stehen, kostet 60 Euro. Abschließen könnt ihr eure Radversicherung oftmals bei eurem Radhändler, eurem Makler, oder auch online. Und vergesst nicht, euch die Rahmennummer zu notieren. Sollte euer Fahrrad gestohlen werden, braucht ihr diese Info, damit ihr bei der Polizei Anzeige erstatten könnt.

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