Woran ihr erkennt, ob sich jemand passiv-aggressiv verhält — und wie ihr am besten reagiert

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Es ist ein verbreitetes Muster, das jedem und jeder schon einmal begegnet sein dürfte, im Job, in der Partnerschaft, in der Familie: passiv-aggressives Verhalten. Menschen, die passiv-aggressiv auftreten, haben große Probleme damit, Konflikte anzusprechen und offen auszutragen. Diese Menschen wissen ihrem Ärger meist nicht anders Luft zu machen. Und jene, die unter der passiven Aggressivität einer anderen Person leiden, wissen oft nicht, was genau eigentlich das Problem ihres Aggressors ist.

Im täglichen Sprachgebrauch wird der Begriff „passiv-aggressiv“ häufig verwendet. Er soll dann meist Menschen beschreiben, die auf alles und jeden wütend zu sein scheinen und in bestimmten Situationen eine sehr negative Ausstrahlung haben. Doch was genau steckt psychologisch hinter der passiven Aggressivität? Wie erkennt man sie – und wie begegnet man ihr als Opfer? Das Magazin „Psychologie Heute“ hat dem Phänomen einen Artikel gewidmet, der Antworten auf diese Fragen enthält.

Kann es eine psychische Erkrankung sein, passiv-aggressiv zu agieren?

Sicher nur in der extremen Form. Aber auch darüber wird unter Fachleuten gestritten. Wie „Psychologie Heute“ berichtet, hat die US-amerikanische „American Psychiatric Association“ das Phänomen aus ihrem Klassifizierungskatalog für psychische Erkrankungen gestrichen. Im ICD-10-Katalog, dem Klassifizierungssystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO), ist es allerdings zu finden: „passiv-aggressiv“ steht dort in der Rubrik „sonstige spezifische Störungen“.

Woran erkennt man, dass jemand gerade passiv-aggressiv ist?

Es gibt eine Reihe typischer Verhaltensweisen und Phrasen, derer sich passiv-aggressive Menschen bedienen. Die wichtigsten listet die Autorin des „Psychologie Heute“-Artikels auf:

  • Gezielt Gerüchte über andere Personen verbreiten.

  • Keine eigene Schuld anerkennen. Der gemeinsame Termin wurde verpasst? „Dann hast du wohl vergessen, dass wir uns eigentlich zu einer anderen Uhrzeit treffen wollten.“

  • Nichts sagen. Ein passiv-aggressives Mittel, das dazu dienen kann, den oder die andere zu bestrafen und zu verunsichern.

  • Falscher Humor. Ein Satz, der den oder die andere verletzt und dann mit den Worten „nur Spaß“ ergänzt wird.

  • Sich dumm stellen. Den oder die andere absichtlich sabotieren, um zu verhindern, dass er oder sie erfolgreich ist oder sich freut – dann aber so tun, als habe man nichts mit der Angelegenheit zu tun. Auch verbreitet: Etwas, das bereits besprochen wurde, einfach negieren. „Davon weiß ich nichts.“

Wer ist besonders anfällig dafür, passiv-aggressiv zu werden?

Laut „Psychologie Heute“ verhalten sich besonders solche Menschen passiv-aggressiv, die stark ausgeprägte narzisstische Züge haben. Auch Personen, die aus fordernden Familien stammen, können später dazu neigen, häufiger passiv-aggressives Verhalten zu zeigen. Im Artikel werden als Beispiel etwa Erstgeborene genannt, die von ihren Eltern schon als Kind viel Verantwortung bekommen haben – und ihren Frust darüber später auf Vorgesetzte oder andere Autoritäten übertragen.

Wie sollte man reagieren, wenn jemand passiv-aggressiv auftritt?

Einen passiv-aggressiven Menschen zu erleben, kann sehr frustrierend sein. Wichtig: Behaltet einen kühlen Kopf. Lasst euch möglichst wenig provozieren, wenn sich euer Gegenüber dumm stellt, Spitzen streut oder einfach schweigt. Auch, wenn euch das schwerfallen sollte.

Die Autorin des „Psychologie Heute“-Artikels zitiert den Karriere-Experten Eric Barker. Er plädiere dafür, niemals zu versuchen, sich in ein passiv-aggressives Gegenüber hineinzuversetzen. Stattdessen laute das Erfolgsrezept, bei sich selbst und der eigenen Wahrnehmung zu bleiben. Also: Macht klare Ansagen und fordert auch klare Antworten ein.

Wenn das nicht fruchtet – und das ist bei einem Gespräch mit einem passiv-aggressiven Menschen nicht unwahrscheinlich, dann verlasst möglichst die Situation, um eine Eskalation zu vermeiden.

jb

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