„Wonder Woman“: Zehn Unterschiede zwischen dem Film und den DC-Comics

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Wonder Woman (Bild: Warner Bros.)

Sie ist wohl die bekannteste Superheldin aller Zeiten, aber wir vergeben Ihnen, wenn Sie Wonder Womans originale Story nicht so genau kennen. In den 75 Jahren, in denen sie jetzt schon die Welt rettet, wurde ihre offizielle Biografie hier und da ein wenig verändert. Der lang erwartete „Wonder Woman“-Film, der jetzt in den Kinos anlief, bietet eine weitere Version der Geschichte der Amazonenprinzessin. Dafür hat er sich die besten Hintergrundgeschichten aus den Comics ausgesucht und neue Details hinzugefügt. Yahoo Movies hat sich durch die Comicstapel gearbeitet, um die zehn größten Unterschiede zwischen dem Film und den klassischen DC-Comics zusammenzustellen.

Wonder Womans „Geburt“

Seit ihren ersten Tagen in den All-Star Comics blieb die Geschichte von Dianas „Geburt“ weitestgehend unverändert: Amazonenkönigin Hippolyte (die Schreibweise wurde später zu Hippolyta geändert) schuf ein Kind aus der Tonerde der Paradiesinsel. Die Göttinnen des Olymps (mit Hilfe von Hermes) vermachten dem Kind mächtige Geschenke und hauchten ihm Leben ein.

Dianas Geburt wie William Moulton Marston sie sich 1941 ausdachte. (Bild: DC Comics)

Als DC 2011 seine gesamten Comics überholte, wurde auch Dianas Herkunft geändert. In der Storyline „The New 52“ war sie das leibliche Kind von Zeus und Hippolyta und hatte deshalb all die Superkräfte einer Halbgöttin, dazu zählten auch ihre übernatürliche Stärke, Schnelligkeit und die Fähigkeit, fliegen zu können. In dieser Version wuchs Diana im Glauben auf, sie sei aus Ton erschaffen worden, aber dies stellt sich als Lüge heraus, die Hippolyta sich ausgedacht hatte, um die Wahrheit zu verschleiern.

Der Film bleibt näher an der letzten Version mit einigen Abweichungen. Wir erfahren, dass Diana tatsächlich das biologische Kind von Zeus und Hippolyta ist und dass Hippolyta ihrer Tochter Informationen verschweigt, um sie vor Ares zu schützen. Ares hat systematisch die Götter des Olymp beseitigt und Hippolyta weiß, dass, wenn er Dianas wahre Identität kennt, er auch sie umbringen will. Das erklärt, warum Diana (Gal Gadot) im Film (und wie in den Trailern gezeigt) Steve Trevor (Chris Pine) erzählt: „Ich habe keinen Vater, ich wurde von Zeus zum Leben erweckt.“

Die Paradiesinsel

Traditionell haben sich die Amazonen vor der „Welt der Männer“ auf einer einsamen Insel versteckt. Für die ersten mehr als vier Dekaden ihrer Comic-Karriere – inklusive des TV-Serienklassikers mit Lynda Carter – war dieser Ort einfach nur als Paradiesinsel bekannt. 1986 modelte Künstler/Autor George Pérez den Comic gewaltig um. In seinen bahnbrechenden Serien lebten die Amazonen im Stadtstaat Themyscira (so wie in der griechischen Sage), bis sie von Herakles‘ Armee überfallen werden. Sie siedeln sich daraufhin auf der Paradiesinsel an, der sie letztendlich den Namen ihrer ehemaligen Heimat geben, um diese zu ehren.

Die Paradiesinsel wie sie in den All-Star Comics dargestellt wurde. (Bild: DC Comics)

Der Film bleibt bei Themyscira als Namen für die Insel, allerdings zollt Steve Trevor dem ursprünglichen Namen Tribut, indem er sie im Spaß als „Paradiesinsel“ bezeichnet. In beiden Comic-Versionen und im Film ist die Insel durch das Werk der Götter vor der Außenwelt versteckt: In den Comics ist dies normalerweise Athenas Werk, im Film ist es das Werk von Zeus.

Themyscira in Wonder Woman. (Bild: Warner Bros.)

Dianas Training

In den Comics warnen die Götter die Amazonen vor einer eindringenden Gefahr aus der Welt der Männer. Hippolyta veranstaltet daraufhin einen Wettbewerb der Fähigkeiten, um festzustellen, welche die beste Kriegerin ist, die dann fortgeschickt wird, um die Bedrohung abzuwenden. Obwohl ihre Mutter ihr verboten hat, anzutreten, sticht die verkleidete Diana geschickt ihre Schwestern in verschiedenen Disziplinen aus – darunter auch Lanzenstechen auf dem Rücken der auf der Insel heimischen Kangas (Dianas Riesenkänguru heißt Jumpa). Letztendlich siegt Diana (üblicherweise nach dem letzten Wettbewerb, der Abwehr von Kugeln) und wird von ihrer widerstrebenden Mutter zur Gewinnerin erklärt.

Diana und ihr treues Reittier, Jumpa das Känguru. (Bild: DC Comics)

Der Film lässt die Olympiade der Amazonen links liegen. Stattdessen trainiert Diana heimlich mit ihrer Tante Antiope (Robin Wright), mit der sie beginnt, ihre gottesähnlichen Kräfte zu nutzen, so dass sie darauf vorbereitet ist, die Welt zu retten, wenn es so weit ist.

Diana (Gal Gadot) entdeckt ihre Halbgöttinnen-Kräfte. (Bild: Warner Bros.)

Die Bedrohung von außen

Wie bereits erwähnt, müssen die Amazonen in den meisten Comic-Versionen eine Gewinnerin finden, die eine existenzielle Bedrohung von der Außenwelt bezwingen muss. Bis in die 80er kämpfte Wonder Woman gegen die Nazis. Pérez‘ Version, die während des Kalten Krieges angesiedelt ist, änderte dies zu einer nuklearen Bedrohung durch die Sowjetunion. Der Film dagegen spielt 1918, am Ende des Ersten Weltkrieges.

Die Filmemacher nannten mehrere Gründe für diese Änderung: Produzent Charles Roven sagt in den Produktionsnotizen zum Film, dass die Änderung damit zu tun hatte, „diesen starken weiblichen Charakter, der von einer Rasse ebenso starker unabhängiger Frauen stammt, den Anfängen der Frauenrechtsbewegung gegenüberzustellen“. Drehbuchautor Allan Heinberg gab Entertainment Weekly eine andere Erklärung: „Unsere Welt heute ist der vom Ersten Weltkrieg sehr ähnlich – mit Nationalismus und dass es nur sehr wenig braucht, um einen globalen Konflikt zu beginnen“, sagt er und fügt hinzu: „Es war das erste Mal, dass wir einen Maschinen-Krieg hatten… Jeden Tag wurde neuer Horror entfesselt.“

Aber vielleicht gibt es auch eine viel einfachere Erklärung – zum Beispiel, dass DC Wonder Woman von einem gewissen anderen 70-jährigen Superhelden in USA-Farben abheben wollte, der den Großteil seiner Zeit im originalen Film damit verbrachte, Nazis zu bekämpfen (ein Film, in dem auch ein blonder, Motorrad fahrender Mann namens Chris die Hauptrolle spielte).

Ihr Kostüm

Wonder Womans originales Kostüm von 1941 hatte das legendäre rote Brustschild mit dem Symbol des goldenen Adlers, einen blauen Rock mit Sternen, rote Stiefel, ein goldenes Stirnband und Patronenkugeln abwehrende Armbänder (alle Amazonen trugen Armbänder als Symbol ihrer Treue zu Aphrodite und als Erinnerung an ihre Zeit der Gefangenschaft unter Herakles).

Wonder Woman auf dem Cover der Sensation Comics im Januar 1942. (Bild: DC Comics)

Zu ihren auffälligen Accessoires gehörten ihr Lasso der Wahrheit, ein Schwert und ein Schild. Über die Jahre veränderte sich das Kostüm – der Rock wurde zu kurzen Shorts und dann Hosen, der Adler wurde gegen das berühmte „WW“-Symbol ausgetauscht, manchmal hatte sie ein rotes Cape, manchmal eine Jacke und manchmal tauschte sie das ganze Outfit gegen ein komplett weißes Ensemble.

Auch wenn es etwas verhaltener wirkt, ist Wonder Womans Kinofilm-Kostüm ziemlich nah am ikonischen Look aus den Comics, allerdings ohne Sterne am Rock.

Wonder Woman rennt im Niemandsland durch die Schützengräben. (Bild: Warner Bros.)

Der unsichtbare Jet?

Seit ihrem ersten Auftritt in den All-Star Comics Nr. 8 hat Wonder Woman ein unsichtbares Flugzeug verwendet, um von A nach B zu kommen. Aber als die Kräfte der Figur in den 1980ern angepasst wurden, erhielt sie die Kraft zu fliegen, was ihr Ein-Frau-Flugzeug überflüssig machte. Während Regisseurin Patty Jenkins Yahoo Movies sagte, dass sie den unsichtbaren Jet nur allzu gerne in der Zukunft im Film sehen würde, folgt die DC Extended Universe-Version von Wonder Woman dem späteren Comic-Ansatz, was bedeutet, Wonder Woman kann fliegen.

Ihre menschlichen Freunde

Wonder Womans engste Freunde, die beide aus der Zeit der All-Star Comics stammen, sind Steve Trevor und Etta Candy. Diana ist bereits seit der allerersten Ausgabe in den US-Piloten Trevor verliebt, der vor der Küste der Paradiesinsel abstürzt und Wonder Womans Verwandlung zur Superheldin in Gang setzt. Diese Rolle hat sich zwar in den vergangenen sieben Jahrzehnten verändert, trotzdem wird er häufig als Typ in Not dargestellt und Wonder Woman muss ihn retten.

Wonder Woman rettet Steve Trevor… erneut. (Bild: DC Comics)

Etta Candy dagegen ist Dianas Sidekick auf den All-Star Comics Tagen, bekannt für ihre Vorliebe für Süßes und unbegrenzt guten Humor.

Etta Candy in einem der frühen Comics. (Bild: DC Comics)

Mit der Neuauflage von Wonder Woman in den 1980ern verliebt sich Steve in Etta Candy, die zu der Zeit Junior-Offizierin war. Später heirateten sie.

Im Film ist Steve Trevor ein US-Militäragent, der den Briten hilft und sein Absturz vor der Paradiesinsel setzt tatsächlich die Handlung in Gang. Allerdings ist Trevor, wie Pine Yahoo Movies vor Monaten verriet, ein Held auf seine eigene Art und ganz sicher kein Typ in Not.

Etta Candy (Lucy Davis) lernt Diana in „Wonder Woman” durch Steve Trevor (Chris Pine) kennen. (Bild: Warner Bros.)

Im Film spielt Lucy Davis Etta Candy, die Steves britischer Attaché ist. Die Filmfigur soll für Unterhaltung sorgen, vor allem wenn sie Diana dabei hilft, sich in London einzugewöhnen. Aber die Film-Etta hat auch einen eigenen Helden-Moment.

Ares

Ares wurde zwar schon in Wonder Woman Nr. 1 von 1942 eingeführt, aber der griechische Gott wurde schnell für die nächsten 40 Jahre in sein römisches Pendant, Mars, umbenannt. Er geriet regelmäßig mit Wonder Woman aneinander und kämpfte im Zweiten Weltkrieg gegen die Alliierten, häufig griff er von seinem Weltraum-Hauptquartier auf – ja genau – dem Mars an.

Retro Wonder Woman versus Ares/Mars. (Bild: DC Comics)

Währens seine originale Kleidung eine orange griechisch-römische Rüstung war, hat Ares bei Pérez‘ Neuauflage von Wonder Woman in den 1980ern einen großen Wandel durchlaufen – der Kriegsgott nutzte die Macht des Konflikts zwischen der USA und der Sowjetunion und wollte einen Dritten Weltkrieg starten.

Der Film-Ares basiert auf der Vorlage der Version aus den 1980ern. (Bild: DC Comics)

Der große Bösewicht des Films, Ares, wurde durch den Weltkrieg noch mächtiger. Er hat den Olymp dezimiert und jagt Zeus’ verlorene Tochter Diana, während er auch plant, so viel Zerstörung wie möglich anzurichten. Wie in den Comics, kann auch die Filmversion von Ares Besitz von Sterblichen ergreifen und diese kontrollieren und sein Look orientiert sich an dem aus den 1980ern.

Doctor Poison

Das Alter Ego von Prinzessin Maru, Doctor Poison, war eine Feindin von Wonder Woman aus den 1940ern, die Gifte zusammenbraute – zuerst für die Nazis und später im Zweiten Weltkrieg für die Japaner. Eine aktuellere Inkarnation, Marina Maru, war ursprünglich eine Enkelin, die in die Rolle von Doctor Poison schlüpfte. Weitere Versionen von Marina Maru waren russisch und japanisch, aber alle trugen eine Tarnmaske, dachten sich chemische Waffen aus und wurden ständig von Wonder Woman ausgebremst.

Doctor Poison, aka Marina Maru. (Bild: DC Comics)

Im Film Wonder Woman ist Doctor Poison das Alter Ego von Isabel Maru (Elena Anaya), eine verrückte Wissenschaftlerin und Verbündete von General Ludendorff (Danny Huston). Sie trägt eine Maske, um ihr Gesicht zu verdecken, das bei fehlgeschlagenen Experimenten entstellt wurde.

Elena Anaya als Isabel Maru/Doctor Poison in Wonder Woman. (Photo: Warner Bros.)

Diana Prince

Ursprünglich gab es eine separate Figur – eine Krankenschwester – namens Diana Prince, die Wonder Woman zum Verwechseln ähnlich sah. Als sie Frau Prince kennenlernt – die in einen Mann in Südamerika verliebt war –, erkannte Amazone Diana ihr Glück (das sie dem göttlichen Eingreifen zuschreibt) und nahm ihre Identität an, was dieser ermöglichte, zu ihrem Freund zu reisen – und Wonder Woman hatte eine plausible zivile Gestalt.

Wonder Woman trifft Diana Prince. (Bild: DC Comics)

Der Film folgt den späteren DC-Reboots: Er lässt die Geschichte mit der separaten Figur weg und macht Diana Prince direkt zu ihrem Alter Ego, so wie Clark Kent – komplett mit Brille.

Steve Trevor bietet Diana eine Brille an, um sie zu verkleiden. (Bild: Warner Bros.)

Marcus Errico
Redakteur, Yahoo Entertainment
Yahoo Movies