Sie wollen Patienten die Angst vor Operationen nehmen

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Adi Arthanareeswaran, Phuc Ho Thi und Manh Tu Vu haben das Leipziger Startup Meindoc gegründet, um Patienten vor der OP besser aufzuklären
Adi Arthanareeswaran, Phuc Ho Thi und Manh Tu Vu haben das Leipziger Startup Meindoc gegründet, um Patienten vor der OP besser aufzuklären

Geplante Operationen können Patienten verunsichern. Nicht nur, weil Ärzte häufig im Fachjargon sprechen, sondern auch, weil man sich gar nicht so leicht vorstellen kann, wie die OP ablaufen soll. Diese Probleme mit der Aufklärung kennen auch Phuc Ho Thi und Adi Arthanareeswaran. Sie sind praktizierende Chirurgen und neuerdings auch Gründer. Gemeinsam mit Manh Tu Vu haben sie Meindoc gegründet. Ein Startup, das anstehende Operationen für Patienten simuliert und visualisiert.

Wenn beispielsweise eine Nierenstein-Entfernung ansteht, kann Meindoc den kompletten Verlauf in einem Video anschaulich machen. Dafür wird die vorliegende Diagnose des Patienten von einer künstlichen Intelligenz verarbeitet. Das Ergebnis wird von einem Mediziner geprüft und dann dem Patienten als Video bereitgestellt. Im Video selbst sieht der Patient den nachgebildeten Nierenstein und wie dieser entfernt werden soll. Kostenpunkt: etwa 30 Euro pro Video für den Kunden.

„Wir wollen, dass die Patienten durch unsere personalisierten Visualisierungen die Angst genommen wird und sie mehr Vertrauen und ein besseres Verständnis für chirurgische Eingriffe bekommen“, sagt Arthanareeswaran zu Gründerszene. Dadurch soll der Heilungsprozess beschleunigt werden. Auch verunsicherte Angehörige sollen davon profitieren, so der Gründer.

Krankenhäuser haben Interesse

Arthanareeswaran ist gebürtiger Inder und vor etwa fünf Jahren als Urologe nach Leipzig gekommen. Die Idee für eine Visualisierung von OPs habe er bereits 2013 gehabt und gemeinsam mit seinem vietnamesischen Freund und ebenfalls im Raum Leipzig praktizierenden Arzt Ho Thi umgesetzt. Im September 2020 gründen sie zu Dritt die GmbH mit einem Schwester-Unternehmen in Indien. Dort sitzen die Entwickler der KI und App.

Mit der App sollen Patienten neben der geplanten Operationen später auch erfahren können, ab wann sie beispielsweise nüchtern bleiben müssen, ob Medikamente genommen werden oder wie sie sich auf Station zurechtfinden können. Anfänglich wollten die drei Gründer ihr Produkt vor allem an Patienten verkaufen. Doch mittlerweile sei die Nachfrage von Krankenhäusern so groß, dass sie sich mehr mit einem Lizenzmodell aufs B2B-Geschäft konzentrieren wollen.

Einigen Krankenhäuser habe man aus Kapazitätsgründen bereits absagen müssen. Die medizinischen Einrichtungen wollen die Visualisierungen ihren Patienten als zusätzlichen Service bereitstellen, so Arthanareeswaran. Derzeit arbeiten sie mit dem Uniklinikum und Sana Kliniken im Leipziger Land zusammen, sagt Ho Thi. Interesse bestehe von mehreren Kliniken. „Wir haben uns vorerst Wuppertal und Hamburg ausgewählt und sind mit denen im Gespräch“, so der Gründer. Auch eine Krankenkasse sei an dem Service interessiert, sagt Arthanareeswaran.

Weitere Fachbereiche sollen mit Finanzierung folgen

Der Schwerpunkt liegt derzeit noch auf dem Bereich Urologie: Blasen-Tumor, Nierensteine, Prostata und Nierentumor. Kommendes Jahr sollen andere Fachbereiche wie Orthopädie, Gynäkologie und Kardiologie hinzukommen, so die Macher.

Bislang wird gebootstapped. „Zusammen haben wir jeweils rund 300.000 Euro investiert.“ Jetzt gehen sie auf Investorensuche. Man befinde sich seit kurzem im Gespräch mit einem potenziellem Investor, so Arthanareeswaran.

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