"Wollen nur 3 Tage arbeiten": Europa-Park-Chef kritisiert Arbeitsmoral der Generation Z

"Wollen nur 3 Tage arbeiten": Europa-Park-Chef kritisiert Arbeitsmoral der Generation Z

Die Kundschaft ist wieder da, doch die Mitarbeitenden fehlen. Vor dieser Herausforderung stehen nach Jahren der Corona-Einschränkungen viele Restaurants, Kneipen, Cafés und Tourismus-Betriebe.

Auch der Europa-Park in Rust leidet unter akutem Personalmangel. Park-Leiter Roland Mack sieht die Schuld vor allem bei der jüngeren Generation und ihren „zu hohen Ansprüchen“ in Sachen Work-Life-Balance.

Europa-Park-Chef kritisiert Generation Z als "zu anspruchsvoll"

Überstunden, schlechte Bezahlung, Schichtarbeit – und das auch an Wochenende und Feiertagen. Schon vor der Corona-Krise waren die Gastro- und Tourismusbranche für viele Angestellte immer weniger attraktiv. Doch seit der Pandemie hat sich der Personalmangel noch drastisch verschärft.

Roland Mack (72), Chef des „Europa-Park“ im süddeutschen Rust, sieht das Problem vor allem bei der jüngeren Generation und ihrer Arbeitsmoral. In einem Interview mit der „Basler Zeitung“ beschwert er sich über die „zu hohen Ansprüche“ junger Bewerber:innen.

"Das Wort Work-Life-Balance macht mir Sorgen"

„Da kommen 25-Jährige und wollen nur drei Tage arbeiten – dabei haben die das ganze Leben noch vor sich, könnten hier etwas werden, Verantwortung übernehmen, Karriere machen.“ Worte wie „Work-Life-Balance“ und „Homeoffice“ machten ihm Sorgen. Dass immer weniger junge Menschen bereit seien, etwa auch am Wochenende zu arbeiten, sei ein Problem für den Attraktionspark.

„Zum Glück steht der Wasserpark mit Hotel schon, wo wir vor der Pandemie auf einen Schlag mehrere Hundert Menschen einstellen mussten", sagt Mack in dem Interview. Heute würde er sich einen solchen Neubau nicht mehr zutrauen.

Laut dem Unternehmer versucht man in Rust schon auf die veränderten Ansprüche der Generation Z einzugehen. „Wir zahlen ja schon weit über dem Mindestlohn, haben die Löhne nun nochmals angehoben. Aber das hilft nicht, wenn die erste Frage ist: Muss ich am Wochenende arbeiten?“

Er selbst könne sich am Wochenende auch nicht freinehmen und „schön in die Ferien fahren, wenn meine Mitarbeiter hart arbeiten.“ Für ihn sei die Arbeit im Park eine „halbe Droge“.

Mack schildert, der Europa-Park sehe sich gezwungen, vermehrt auf Mitarbeitende aus Zentralasien zu setzen. „Wir suchen – und finden zum Glück – mittlerweile gute Leute aus Kirgistan und Usbekistan.“

Pandemie als Ausstiegschance

Auch viele andere Betriebe in der Gastro- und Tourismusbranche leiden unter massivem Personalmangel. Warum? So einfach wie es sich der Europa-Park-Chef mit seiner Generation-Z-Erklärung macht, ist die Antwort nicht.

Die Gründe sind vielfältig. Nicht wenige Arbeitnehmer:innen nutzten die erzwungene Corona-Pause zur Umorientierung. Außerdem kamen einige ausländische Arbeitskräfte nach dem Lockdown in der Heimat nicht mehr nach Deutschland zurück.

Gleichzeitig ging die Zahl der Neueinsteiger:innen in Gastronomie und Tourismus deutlich zurück. Viele sahen durch die lange Corona-Ungewissheit in der Branche keine Perspektive mehr.

Und tatsächlich will sich vor allem die junge Generation immer weniger mit dem Motto abfinden: „Leben um zu arbeiten“. Und das ist auch gut so. Denn Umfragen zeigen, dass sich nach wie vor die Hälfte der Deutschen vom Burnout bedroht fühlt.

Generationen Z und Y: Leben und Job ausbalancieren

Als Generation Z werden die Geburtenjahrgänge von 1997 bis 2012 bezeichnet, also diejenigen Menschen, die vollständig mit dem Internet sozialisiert worden sind. Die „Gen Z“ gilt als sehr politisch, kritisch, IT-affin, aber angesichts der schier unendlichen Möglichkeiten, mit denen sie aufgewachsen sind, auch als weniger verbindlich und leistungsorientiert.

Ähnliches gilt für die sogenannte Generation Y, geboren zwischen 1980 und 2000. Mit ihr bekam das Wort Work-Life-Balance immer mehr Bedeutung. Der "Gen Y", auch Millenials genannt, ist Freizeit und Familie meist wichtiger als Karriere und Arbeit.

Vier-Tage-Woche, Home Office, mehr Urlaubstage: Viele Millenials trauen sich, mehr Forderungen zu stellen, damit das Privatleben nicht auf der Strecke bleibt. Ihre Vorstellungen vom Leben und Job sind oft weit entfernt von denen ihrer Chef:innen. Diese gehören meist zur Generation der Babyboomer, den geburtenstarken Jahrgängen nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1969, zu denen auch der Europa-Park-Chef zählt.

Generationenkonflikt mit Babyboomern

Babyboomer mussten sich mit hohem Arbeitseinsatz durchboxen gegen viel Konkurrenz. Und so ist es laut Arbeitsmarktexpert:innen nur natürlich, dass sie als karriereorientierter und einsatzwilliger gelten – und eher Überstunden und Einschnitte ins Privatleben in Kauf nehmen.

Diese Einteilung nach Generationen ist zwar stark vereinfacht und mag nicht immer zutreffen. Aber der Generationenkonflikt am Arbeitsplatz ist real und wird vor allem von älteren Arbeitgebenden wie Roland Mack immer wieder beklagt.

Gen-Z-Blogger: "Wir tun nur das, was alle längst hätten tun sollen"

Dabei ist der Wunsch nach mehr Work-Life-Balance viel älter als die Generationen Y oder Z. Die Jüngeren haben durch das Internet und eine immer offener werdende Gesellschaft einfach nur mehr Möglichkeiten und weniger Hemmungen, diesen Wunsch auszudrücken.

„Ich würde nicht sagen, dass wir, also die Generation Z, verwöhnt ist. Wir tun nur das, was alle anderen schon vor langer Zeit hätten tun sollen: klare Grenzen bei der Arbeit setzen", sagt der US-amerikanische Influencer DeAndre Brown. In seinen Posts auf Instagram und TikTok macht er sich über Generationen-Klischees lustig und will so mit dem Vorurteil aufräumen, die junge Generation sei verwöhnt und faul.

Denn sich in gegenseitigen Schuldzuweisungen zu verlieren, bringe ohnehin niemanden weiter. Viel besser sei es, einander zuzuhören, voneinander zu lernen und offen dafür sein, die Arbeitswelt neu zu gestalten.

In der krisengebeutelten Gastronomie haben das viele Betriebe verstanden. Sie suchen nach Lösungen – stellen zum Beispiel auf eine Vier-Tage-Woche um oder verkleinern ihre Speisekarte, um die Arbeitskräfte, die geblieben sind, zu entlasten. Und um bald, so die Hoffnung, auch wieder mehr Neueinsteiger:innen anzuziehen.

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