„Wir wollen arbeiten“ — wie ein Handwerker aus Bonn mit einer Petition gegen die Holzknappheit kämpft

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„Uns geht das Holz aus“: So knapp und eingängig formuliert es der Bonner Dachdecker Daniel Neuhaus in seiner Petition an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Er fordert einen Exportstopp für Bauholz und wird dabei schon von mehr als 132.000 Menschen unterstützt. Der Rohstoff werde derzeit zu hohen Preisen ins Ausland verkauft, vornehmlich nach China und in die USA – mit gravierenden Folgen für Handwerksfirmen in Deutschland, so Neuhaus in seiner Petition. Die Holzpreise seien um das Fünffache gestiegen und die Holzbauer, Schreiner, Zimmerleute oder Dachdecker hierzulande hätten zwar volle Auftragsbücher, aber keine Materialien. „Es drohen Lieferengpässe, Insolvenzen, Entlassungen und Kurzarbeit.“

Und das, obwohl Holz in Deutschland nicht knapp ist, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ bemerkt. Aufgrund von Käferbefall und Schäden durch Trockenheit hätten zuletzt viele Bäume gefällt werden müssen. Das habe auch die Menge des Rohholzes im vergangenen Jahr von 69 Millionen auf mehr als 80 Millionen Kubikmeter anschwellen lassen – der höchste Wert seit der Wiedervereinigung.

Nadelschnittholz wird zu 40 Prozent in die USA exportiert

Diese zeitweise Überversorgung treffe aber auf eine starke globale Nachfrage, die trotz des großen Angebots die Preise in die Höhe treibe. Rundholz gehe hauptsächlich nach China, weil die Chinesen mehr zahlen und deutsche Sägewerke bereits an der Kapazitätsgrenze arbeiten würden. Der ‚Ernteüberschuss‘ könne hier also ohnehin gar nicht mehr verarbeitet werden. Aber auch ein großer Teil des verarbeiteten Holzes werde aufgrund des besseren Preises in die USA exportiert. Insgesamt liege die Exportquote von Nadelschnittholz aktuell auf dem Rekordwert von 40 Prozent.

Gleichzeitig sei Bauholz auch in Deutschland so gefragt wie nie und die Holzbauquote im vergangenen Jahr erstmals auf über 20 Prozent gestiegen, so die FAZ weiter. Der Rohstoff werde gern benutzt, um den klimaschädlichen Zement zu umgehen. Daher dürften mittlerweile sogar mehrgeschossige Häuser aus Holz gebaut werden. Auch deswegen kämen die Preissteigerungen ungelegen.

Politik und Holzwirtschaft beim Thema Exportverbote uneinig

Trotzdem hätten Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (beide CDU), ein Exportverbot für den Rohstoff bisher abgelehnt. Die SPD-Bundestagsfraktion hingegen hatte sich Anfang Mai dafür ausgesprochen. Auch mehrere Landesminister hätten mittlerweile für Exportverbote plädiert, nicht aber die Landesregierung Bayerns, des waldreichsten Bundeslandes.

Die Holzwirtschaft selbst ist der FAZ zufolge gespalten. So lehne der deutsche Forstwirtschaftsrat ein Exportverbot ab, da durch die anhaltende Trockenheit erneut viel Käferholz anfallen könne. Angesichts dessen müsse man über Exportmöglichkeiten dankbar sein. Der Holzwirtschaftsrat hingegen sei zurückhaltender. Zwar lehne man regulatorische Eingriffe grundsätzlich ab, müsse aber auch die Auswirkungen von Exportverboten anderer Länder – wie beispielsweise Russlands – auf den deutschen Markt beobachten. Der Bund Deutscher Zimmermeister hingegen fordere, Holzexporte mit langen Transportwegen generell kritisch zu hinterfragen und beispielsweise nur in Länder zu exportieren, die auch selbst eine nachhaltige Forstwirtschaft betreiben.

Die Petition von Daniel Neuhaus jedenfalls macht die Not für Handwerksbetriebe deutlich. „So kann es nicht weitergehen“, schreibt der seit zwölf Jahren selbstständige Dachdecker mit zehn Angestellten. „Wir wollen arbeiten, aber mit wochenlangen Lieferzeiten, bei stetig steigenden Preisen wird das immer aussichtsloser. Bitte helft mit: Helft mit, dass Handwerk bezahlbar bleibt.“

sb

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